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Schaumaplast will Lösungen prüfen

Eines hat die Bürgerversammlung gezeigt. Transparenz, Messwerte und Gesetze müssen dringend her. Anregungen wurden gemacht.

Bei der Bürgerversammlung in Nossen haben sich auch Schaumaplast-Geschäftsführer Kay Schillig (rechts) und Toni Küttner den Fragen der Nossener gestellt.
Bei der Bürgerversammlung in Nossen haben sich auch Schaumaplast-Geschäftsführer Kay Schillig (rechts) und Toni Küttner den Fragen der Nossener gestellt. © Claudia Hübschmann

Nossen. Seit Jahren wollen die nahegelegenen Anwohner der Firma Schaumaplast wissen, wie giftig und umweltbelastend die Abgase bei der Herstellung von Styroporformteilen sind. Auf einer vom SPD-Landtagsabgeordneten Frank Richter organisierten Bürgerversammlung am Mittwochabend trafen Anwohner und Schaumaplast-Geschäftsführer in Nossen erneut aufeinander. Moderiert wurde sie vom Leiter des Dresdner Geschichtsvereines, Justus Ulbricht.

Richter sagte, er habe bei einem Besuch eines Anwohners selbst die praktische konkrete Erfahrung gemacht, die ihn beschäftigt habe: „Es stank und ich habe trockene Lippen bekommen, und wir sind dann reingegangen.“

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Sorgen machen sich die Bürger wegen des stark riechenden Styrols und des Treibgases Pentan. Beide Stoffe werden bei der Produktion freigesetzt und gelten als gesundheitsgefährdend. Doch ab welcher Menge, dazu gibt es in Deutschland keine Grenzwerte. Zudem sind derartige Anlagen – anders als beispielsweise in der Schweiz – nicht genehmigungspflichtig.

Aufgrund der Beschwerden wurden zunächst Geruchsmessungen vorgenommen, deren Ergebnisse das Landratsamt kürzlich vorstellte. Demnach liege die Geruchsbelästigung weit unter den zulässigen Stunden. Aber die Anwohner haben vor allem vor den Schadstoffen Angst. Sie klagen über verschiedene gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen und Reizung der Atemwege.

Deshalb hatten sich die Bürger mit der Bitte um Hilfe an Frank Richter gewandt. Denn ohne gesetzliche Vorgaben scheint es eine Art Pattsituation zu sein. Trotzdem wurden Immissionsmessungen von der Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) bei den Anwohnern veranlasst, teilte das Landratsamt mit. Die Ergebnisse stehen allerdings noch aus.

Biohof-Landwirtin äußert Sorgen

Eine vom Kreisumweltamt gewünschte Messung an den Ableitstellen über dem Dach von Schaumaplast ließ die Firma nicht zu. Die Bürger wollten wissen, weshalb. Einer der beiden Geschäftsführer, Toni Küttner, erklärte, „wir haben alles gemacht, um die Analyse so gut wie möglich zu unterstützen. Was die Umweltbehörde angefragt hat, gewollt hat, haben wir gemacht. Wir hätten auch gar nichts machen müssen.“ So gebe es jetzt die Geruchsmessungen, deren Ergebnis sei, dass ein Schornstein, die die Firma bauen wollte, nichts bringe. Der zweite anwesende Geschäftsführer, Kay Schillig, ergänzte fragend hinsichtlich der Schadstoffmessungen: „Was bringt es denn, wenn wir Werte haben und es aber keine Grenzwerte gibt. Was können Sie dann daraus ableiten?“ Auf den Einwurf von Anwohner Peter Wunderwald, Schaumaplast sollte doch die Messungen zulassen, schaltete sich Ubricht moderierend ein: Transparenz sei wichtig. Schillig habe natürlich recht, es gebe keine Grenzwerte. „Aber die Leute haben Angst.“

Als Anwohner Jens Westphal klagte, auch die Stadt habe nichts gemacht, antwortete Stadtrat Tino Weinhold: „Es ist schwierig für uns, in die Thematik einzusteigen.“ Er fände es gut, dass Schaumaplast da ist, um in einen persönlichen Kontakt zu treten. „Ich erwarte, dass man aufeinander zugeht. Vielleicht können wir zusammen eine Lösung finden, es zusammen anpacken.“

Was für Lösungen für eine Senkung der Schadstoffe es geben könne, wollte daraufhin Constanze Maier wissen. Sie betreibt seit fünf Jahren eine kleine Bio-Landwirtschaft, gleich nebenan von Schaumaplast. Sie mache sich entsprechend Gedanken, denn als Bio-Landwirtin hat sie Auflagen. Schillig antwortete, in Deutschland gibt es keine Anwendungen. Und die Nachverbrennungen, wie beispielsweise in der Schweiz, halte Schaumaplast für zu gefährlich. Es könnte zu Explosionen kommen. Aber, so ergänzte Küttner: „Wir werden uns noch einmal intensiv damit beschäftigen.“

"Wir sind darauf angewiesen, einen Kompromiss zu finden"

Landratskandidat für die CDU, Ralf Hänsel, resümierte: „Es ist eine verfahrene Situation. Wir sind darauf angewiesen, einen Kompromiss zu finden. Das Unternehmen muss wirtschaftlich arbeiten, aber auch die Belange der Bürger beachten. Im Zweifel könnte das Landratsamt helfen.“ Als Grundaussage könnte Schaumaplast sagen: Wir sind bestrebt, weiter daran zu arbeiten, unsere Immissionen zu senken, meinte Hänsel. Er schlug vor, darzulegen, was beispielsweise eine Verbrennungsanlage kostet oder vielleicht gebe es eine Alternative. Die Thematik müsse greifbarer werden. „Vielleicht ist es eine Rieseninvestitionssumme, die wir nicht stemmen können, dann müssen wir schauen“, sagte Hänsel. Ansonsten, so meinte er, komme man in Richtung Lösung keinen Schritt weiter.

Frank Richter informierte abschließend noch einmal, dass er sich für eine sächsische Gesetzesinitiative einsetze, damit derartige Anlagen wie von Schaumaplast in die Bundes-Immissionsschutzverordnung (4. BImSchV) aufgenommen werden. Grünen-Landratskandidatin Elke Siebert regte dazu an, Schaumaplast solle doch einen Plan B haben, um vielleicht schon vorher zu reagieren, noch bevor das Gesetz kommt. Der dritte Landratskandidat, Thomas Kirste (AfD), hatte sich wegen einer Plenarsitzung im Landtag entschuldigt: „Ich wäre auch gern gekommen“, sagte er. Die drei Nossener Bürgermeister-Kandidaten nahmen an der Bürgerversammlung teil.

Wichtig sei es nun, dass die Ergebnisse der Immissionsmessungen schnellstmöglich kommen, sagte der mediale Schaumaplast-Vertreter Stephan Trutschler „Wir setzen große Hoffnungen darauf.“

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