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So macht sich Meißen locker

Baumärkte und Kneipen dürften unter Auflagen öffnen. Betreiber und Unternehmer sind hin- und hergerissen. Der Aufwand übersteigt häufig den Nutzen.

Die Regale sind mit Kosmetikprodukten gefüllt, in den Vasen stehen frische Frühlingsblumen. Seit Montag darf die Meißnerin Ines Gumpert ihr Studio wieder öffnen.
Die Regale sind mit Kosmetikprodukten gefüllt, in den Vasen stehen frische Frühlingsblumen. Seit Montag darf die Meißnerin Ines Gumpert ihr Studio wieder öffnen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Ihr Telefon steht nicht still, sagt die Meißner Kosmetikerin und Fußpflegerin Ines Gumpert. Sie und ihre Branche gehören zu den ersten Unternehmen, die ab 8. März von den Lockerungen im Freistaat profitieren.

Kosmetik: Termine mit zeitlichem Abstand gelegt

"Kunden kommen mit Blumen und Geschenken zu mir, so riesig ist die Freude", sagt die Meißnerin. Die Termine lege sie so, dass sich die Besucher nicht begegneten. Jetzt zahle sich aus, dass sie in der Zeit der weitgehenden Schließungen den Kontakt gehalten habe, so Ines Gumpert. Zu Weihnachten etwa war die Kosmetikerin unterwegs und warf Stammkunden eine kleine Aufmerksamkeit in den Briefkasten. Nun habe sie das vorhandene Hygienekonzept erneut aktiviert und erweitert. Trotzdem könne sie verstehen, wenn es vereinzelt noch Zurückhaltung gebe.

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Baumärkte: Material für individuelle Bauprojekte ist gefragt

Er habe die Situation in Sachsen-Anhalt genau beobachtet, sagt der Meißner Toom-Baumarkt-Chef Torsten Melzer. Dort hätten die Kollegen aus der Branche bereits vor einer Woche öffnen können. Er sei erleichtert, dass es auch in Meißen sehr gesittet zugeht. Vergangenes Jahr hatten sich im April teilweise chaotische Szenen abgespielt. Jetzt reagierten die Kunden gelassener, hätten sich offenbar mit der Lage abgefunden.

Neben Saisonartikeln wie Sämereien werde vor allem Material für individuelle Bauprojekte gekauft, sagt Melzer. Produkte sind gefragt, bei denen vor Ort gemessen, verglichen und angepasst werden muss beziehungsweise Beratungsbedarf besteht. Diskussionen etwa um das Masketragen gibt es dem Toom-Baumarkt-Chef zufolge nicht mehr. Auch dafür sei der dankbar.

Fahrschulen: Warten auf die Schnelltests

Heilfroh ist Andreas Bönisch, Inhaber einer Fahrschule in Meißen, dass es nun langsam wieder losgeht. "Es wird höchste Zeit. Weiter runter sei es auch nicht gegangen, viel länger hätten wir nicht mehr durchgehalten", sagt der Lommatzscher. Seit dem 14. Dezember war die vor gut 30 Jahren gegründete Fahrschule dicht, hatten er und seine drei Mitarbeiter praktisch Berufsverbot, während die Kosten weiterliefen.

"Wir versuchen langsam, den Regelbetrieb herzustellen, müssen jetzt erst einmal Geld einfahren, um Liquidität herzustellen", sagt der Meißner Fahrschulchef Andreas Bönisch zu den Öffnungsschritten.
"Wir versuchen langsam, den Regelbetrieb herzustellen, müssen jetzt erst einmal Geld einfahren, um Liquidität herzustellen", sagt der Meißner Fahrschulchef Andreas Bönisch zu den Öffnungsschritten. © Claudia Hübschmann

Doch so einfach ist der Wiederbeginn nicht. Zwar sind er und seine Mitarbeiter auf das Corona-Virus getestet, doch alle sieben Tage sind Tests vorgeschrieben. "Es ist nichts geklärt, beispielsweise wer die Tests bezahlt", so der 64-Jährige. Auch die Fahrschüler müssen getestet werden. Bis 15. März sind für sie aber die Tests ausgesetzt. Der Grund: Es fehlt an Schnelltests. "Wir versuchen langsam, den Regelbetrieb herzustellen, müssen jetzt erst einmal Geld einfahren, um Liquidität herzustellen", sagt Andreas Bönisch. Er selbst kann derzeit nicht fahren, ist mit Schreibtischarbeit beschäftigt, stellt die Theoriekurse zusammen.

Gaststätten: Vieles hängt vom Wetter ab

"Ich bin enttäuscht, dass die Gastronomie in den letzten Beratungen keine Rolle gespielt hat", sagt Karsten Müller, der in Meißen den Ratskeller, Domkeller und das Café am Dom betreibt. Lediglich im Außenbereich dürfe geöffnet werden. Ob das ab 22. März realistisch sei, lasse sich jetzt noch nicht sagen. Sein Unternehmen bereite sich vor und freue sich, wenigstens diesen Strohhalm ergreifen zu können. Vieles werde davon abhängen, wie sich das Wetter entwickelt. "Höchstwahrscheinlich werden wir mit einem verkürzten aber qualitativ gutem Angebot unsere Gäste verwöhnen", so der Gastronom. Aufgrund der Jahreszeit sei eine Öffnung über den Tag wahrscheinlicher als in die Abendstunden hinein.

Ostern steht unmittelbar bevor. Gern möchten Müller und seine Mitarbeiter die Möglichkeit bieten, sich kulinarisch darauf einzustimmen. Der Service "Speisen außer Haus" werde zunächst beibehalten. Insgesamt bewertet er den jetzt vorliegenden Öffnungsplan als unbefriedigend und nicht praktikabel. Es handele sich eher um eine Verhinderungstaktik . Das Verknüpfen der einzelnen Stufen mit Inzidenzzahlen sei widersprüchlich und nicht nachvollziehbar. Es entstehe ein Flickenteppich mit Unterschieden von Kreis zu Kreis. Die Gäste würden verunsichert. Unter diesen Umständen müssten die Kosten gegen den zu erwartenden Umsatz abgewogen werden.

Frühestens ab 22. März soll zumindest die Außengastronomie wieder öffnen dürfen. "Höchstwahrscheinlich werden wir mit einem verkürzten aber qualitativ gutem Angebot unsere Gäste verwöhnen", sagt Karsten Müller, der Wirt von Domkeller, Ratskeller und Café
Frühestens ab 22. März soll zumindest die Außengastronomie wieder öffnen dürfen. "Höchstwahrscheinlich werden wir mit einem verkürzten aber qualitativ gutem Angebot unsere Gäste verwöhnen", sagt Karsten Müller, der Wirt von Domkeller, Ratskeller und Café © Claudia Hübschmann

Theater: Hoffen auf die wärmere Jahreszeit

Von der möglichen Öffnung ab 22. März überrascht zeigt sich die Geschäftsführerin des Meißner Theaters Ann-Kristin Böhme. Ein so komplexer Kulturbetrieb benötige eine längere Vorlaufzeit, um wieder durchstarten zu können. Zu viele Fragen seien nach wie vor offen. Im ursprünglichen Spielplan hätten für diese Zeit viele Amateurtheaterstücke im Programm gestanden. Den Mitgliedern der Gruppen fehlte allerdings in den vergangen Monaten die Möglichkeit zum Üben.

Ähnlich wie bei Gaststätten stellt sich für das Theater die Frage nach dem Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Wenn ein Abstand von 1,50 Meter zwischen den Zuschauern eingehalten werden müsste, würden sich viele Aufführung nicht rentieren, da sich nicht die nötigen Einnahmen erzielen lassen. Ann-Kristin Böhme setzt daher auf die wärmere Jahreszeit. "Dann wird draußen viel möglich sein", hofft sie.

Tierpark: Wie soll die Online-Anmeldung laufen?

Liebend gern würde Tierparkchef Heiko Drechsler die Türen seines privaten Tierparks in Siebeneichen öffnen. Futter hat er genug, doch es muss endlich wieder Geld hereinkommen, um laufende Kosten für Strom, die Versicherung usw. begleichen zu können und nicht weiter ins Minus zu rutschen.

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Der Tierpfleger fragt sich allerdings, wie er zum Beispiel eine Online-Anmeldung der Besucher organisieren soll. Drechsler hält den Tierparkbetrieb aufgrund fehlender Zuschüsse seit Monaten ganz allein aufrecht. Neben Füttern, Instandhalten der Anlage und Pflege der Tiere bleibt kaum Zeit für weitere Aufgaben. Trotzdem strebe er an, ab nächstem Montag wieder Besucher empfangen zu können. An Tagen mit schönem Wetter hätten bereits viele Menschen vor den Toren gestanden.

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