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Süße Beeren veredeln Weinjahrgang 2020

Dieses Jahr haben die Winzer aus dem Landkreis Meißen weniger Ertrag: Der Frost verzögerte die Reife. Die Qualität stimmt. Das hat einen Grund.

Seit zwei Wochen ist die Hauptlese für Matthias Schuh vorbei. Wegen des Frostes im Frühjahr dauerte sie dieses Jahr länger als sonst.
Seit zwei Wochen ist die Hauptlese für Matthias Schuh vorbei. Wegen des Frostes im Frühjahr dauerte sie dieses Jahr länger als sonst. © Claudia Hübschmann

Landkreis Meißen. Die Hauptlese im Elbland ist vorbei. Jetzt hängen nur noch die Trauben, mit denen die Winzer experimentieren. Vor zwei Wochen hat Matthias Schuh und sein Team die letzten Weinberge abgeräumt – bis auf einen. Hier wartet der Winzer aus Coswig noch auf die Edelfäule. Bis er die perforierten Beeren ernten kann, dauert es aber sicherlich noch zwei, drei Wochen. Das probiere er jedes Jahr, das klappe jedoch nicht immer. Das Hauptproblem war aber 2020 für ihn wie andere Winzer: der Frost im Frühjahr. 

Frost und goldener Herbst erschweren die Lese

"Durch den Frost wurde die Reife der Trauben verzögert", erklärt Matthias Schuh. Das ist auch ein Grund, warum für ihn die Weinlese gefühlt ewig gedauert habe. "Manche Sorten waren früh reif, manche erst sehr spät." So kam es, dass einige Triebe bis zu vier Wochen im Rückstand waren. Deswegen zog sich die Ernte über mehrere Wochen.

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Die Winzergenossenschaft Meißen stand wiederum vor einer anderen Herausforderung. "Dieses Jahr waren viele Trauben nahezu gleichzeitig reif, deswegen gab es einige Notlesetermine", erklärt Geschäftsführer Lutz Krüger. Die warmen Tage im Herbst waren nicht nur Segen, sondern auch ein Problem für die Lese. Denn bei etwa 1.500 Mitgliedern der Winzergenossenschaft waren teilweise die Beeren gleichzeitig reif. Das führte zu einem erheblichen Organisationsaufwand, um die Früchte ordentlich zu verarbeiten. Am 11. Oktober wurde die Lese beendet.

Die Weingüter der Schlösser Wackerbarth und Proschwitz fingen dieses Jahr mit der Weinlese später an und hörten auch später auf – im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren. Der Pressesprecher des Schlosses Wackerbarth sagt, dass noch 2.000 Riesling-Rebstöcke hängen. "Nun hoffen wir auf günstige Witterungsverläufe in den kommenden Wochen, damit wir diese Trauben auch als Eiswein lesen können", erklärt Martin Junge. 

Trockner Sommer produziert kleine Beeren

Da der Sommer so trocken war, waren die Beeren eher klein, so Matthias Schuh. Dann kam Regen Ende August: Das hat den Winzer aus Coswig zunächst beunruhigt. "Zum Glück hat sich aber schnell herausgestellt, dass die Beeren keine Fäulnis entwickelten, sondern den Regen gut kompensierten." 

Die Trockenheit bereitet ihm trotzdem Bauchschmerzen. "Die Grundlage für nächstes Jahr wurde dieses Jahr gelegt." Vereinfacht ausgedrückt: Durch das trockne Klima trägt der Weinstock nächstes Jahr weniger Früchte. Damit diese ausreichend mit Wasser versorgt werden.  Das Weingut Schuh pflanzte dieses Jahr um die 4.000 neue Rebstöcke. Diese wurden wegen des trocknen Sommers mit Hunderttausenden Litern Wasser übergossen, damit sie viele, große Beeren hervorbringen.  

Die Trauben der Winzergenossenschaft hatten durch den wenigen Regen im Sommer ebenfalls kaum Most. "Die Trockenheit produziert eher kleine Beeren, sodass nur eine geringe Ausbeute zu verzeichnen war", so Lutz Krüger. Zwar gebe es 2020 weniger Trauben, aber diese haben dafür ein gutes Mostgewicht. Das heißt, sie sind ordentlich süß.

Auch in den Lagen des Schlosses Wackerbarth forderte die Natur die Weinberge stark, so Martin Junge. "Auf diese witterungsbedingten Herausforderungen haben unsere Winzer mit einer gezielten, bedarfsorientierten Bewirtschaftung reagiert." So wurden zum Beispiel die Reben in den Steilhängen zusätzlich bewässert oder die Laubwand der Reben abhängig vom Mikroklima aufwendig gepflegt.

Für das Weingut Schloss Proschwitz ist das Wetter ebenso eine Herausforderung. "Insbesondere der Wassermangel durch zu geringe Niederschläge", erklärt Pressesprecherin Alexandra Prinzessin zur Lippe. "Hinzu kamen im Juli sowie kurz vor der Lese ungewöhnlich hohe Temperaturen, die jedoch nicht so lange anhielten wie in den vorangegangenen Jahren." Dafür waren die Niederschlagsmengen dieses Jahr in ihren Augen besser verteilt. "Das hat unseren Rebstöcken gut getan."

Weniger Ertrag als in vergangenen Jahren

Trotzdem verzeichnete das Schloss Proschwitz einen geringeren Ertrag. Allein die Spätfrostschäden von zehn Prozent der Rebfläche minderten ihn erheblich, so die Pressesprecherin. Dadurch war wie bei anderen Winzern der Region die Reife der Trauben verzögert. Die anderen Flächen seien jedoch weitgehend normal gewachsen. "In der Lese konnten wir die optimalen Lesezeitpunkte einhalten."

Martin Junge fasst das Weinjahr 2020 wie folgt zusammen: "Kleinere Menge, höhere Qualitäten". Die Trauben auf den Weinbergen des Schlosses Wackerbarth profitierten von einem sonnigen, überwiegend trocknen September. "Er sorgte für gesunde Trauben mit guten Mostgewichten, einer hervorragenden Aromaausbildung und einem ausgewogenen Säuregehalt." 

Auch die Winzergenossenschaft hat dieses Jahr weniger Ertrag als sonst. Das liege unter anderem am Frost im Frühjahr, so Lutz Krüger. Als Beispiel: Die Weinbaugemeinschaft aus dem brandenburgischen Schlieben hat einen Totalausfall. Viele weitere Winzer hatten Teilausfälle, einige davon in Weinböhla. In den Steillagen der Mitglieder gab es dafür keine Frostschäden.

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Martin Schuh hingegen überblickt den Ertrag dieses Jahr noch nicht vollständig, da er ihn nicht genau berechnet hat. "Einige Hänge warfen viel, andere wenige Trauben ab." Sein Bauchgefühl sage aber, dass es dieses Jahr weniger als sonst war. "Die einzelnen Beeren waren eher klein, dafür aber sehr süß." Denn durch den sonnigen Herbst reiften sie ordentlich nach.

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