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Wo verstecken sich die Prämiensparer?

Für Kunden der Sparkassen Meißen und Vogtland tickt die Uhr, um Tausende Euro nicht zu verlieren. Die Verbraucherschützer greifen zu ungewöhnlichen Mitteln.

In Meißen läuft bei den Verbraucherberaterinnen Sylvia Neubert und Anett Wagner die Countdown-Uhr und zeigt, wie lange Prämiensparern noch bleibt, um ausstehende Zinsen bei der Sparkasse einzuklagen.
In Meißen läuft bei den Verbraucherberaterinnen Sylvia Neubert und Anett Wagner die Countdown-Uhr und zeigt, wie lange Prämiensparern noch bleibt, um ausstehende Zinsen bei der Sparkasse einzuklagen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Nichts unversucht lassen. Das ist das Motto von Sylvia Neubert. Die Juristin leitet die Beratungsstelle der sächsischen Verbraucherschützer in Meißen. An diesem Donnerstagvormittag hat sie mit ihrer Kollegin Anett Wagner eine Countdown-Uhr aufgebaut. Diese zählt die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zum 30. März, 24 Uhr.

Nur so lange bleibt Kunden der Sparkassen Meißen und Vogtland noch Zeit, sich einer sogenannten Musterklage der Verbraucherschützer gegen die beiden Banken anzuschließen. Diese besondere juristische Möglichkeit existiert erst seit 2018. Den Anlass bildeten eine Vielzahl gleichartig geschädigter Verbraucher durch den Dieselskandal von 2015. Sinn und Zweck des Gesetzes liegen darin, die Rechte von Einzelnen gegenüber großen Unternehmen zu stärken. In den USA sind entsprechende Verfahren seit jeher gang und gäbe.

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Verlustgeschäft in Zeiten von Niedrigzinsen

"Bislang haben sich 430 Kunden der Sparkasse Meißen der Musterklage angeschlossen", sagt Sylvia Neubert. Sie würde sich freuen, wenn die magische Grenze von 500 Teilnehmern in den nächsten Tagen noch erreicht werden könnte. Es sei wichtig, auf so vielen Kanälen wie möglich für die Chance zu werben, möglicherweise zu Unrecht von den beiden Sparkassen verweigerte Zinsen jetzt einzuklagen.

Sylvia Neubert zufolge ist das Modell des Prämiensparens vor allem bei älteren Bürgern sehr beliebt gewesen. Es hätten sich auch bereits Kinder von Senioren gemeldet, welche bei ihren Eltern einen solchen älteren Vertrag entdeckt hatten.

Das Besondere an dieser speziellen Anlage: Neben den eher moderaten Zinsen gab es am Ende jedes Jahres auf die in den vorangegangenen zwölf Monaten angesammelte Summe einen Bonus von bis zu 50 Prozent. Gerade bei über längere Zeiten laufenden Verträgen entwickelte sich diese Quote in Zeiten von Niedrigzinsen für viele Banken zu einem Verlustgeschäft. Sie zogen deshalb die Notbremse und kündigten.

Im Schnitt geht es um 4.700 Euro

In der am 31. März vor dem Oberlandesgericht Dresden verhandelten Klage geht es um ausstehende Zinsen, welche die Sparkassen Meißen und Vogtland nach Ansicht der Verbraucherschützer ihren Prämiensparkunden vorenthalten hätten. Im Schnitt gehe es um 4.700 Euro, heißt es. Wie viele Betroffene es dabei genau gibt, ist dabei unbekannt. Im Juli 2017 hatte die Sparkasse Meißen mitgeteilt, eine mittlere vierstellige Anzahl erfüllter Sparverträge beendet zu haben. Diese seien über 15 Jahre alt und ursprünglich unbefristet gewesen. Nach diesen 15 Jahren hätten die Kunden das Sparziel erreicht. Damit sei aus Sicht der Bank der Vertragszweck erfüllt und die Beendigung mit angemessener Frist möglich.

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Juristin Neubert zufolge können Kunden der Sparkasse Meißen der Musterklage beitreten, wenn sie über einen Vertrag für das Langzeitsparprodukt "Prämiensparen flexibel" verfügen. Dieser müsse zudem die Klausel enthalten: "Die Spareinlage wird variabel, z. Zt. mit ... Prozent verzinst." In diesen Fällen übernehme die Verbraucherzentrale Sachsen die Prozesskosten. Zuvor müssten sich potenzielle Kläger bis 30. März 2021 in das entsprechende Online-Register beim Bundesamt für Justiz eintragen. Für 40 Euro übernehme diese komplexe Aufgabe die Verbraucherzentrale Meißen.

Termine für Fragen zur Musterklage gibt es telefonisch unter 03521 4766770 oder online unter www.verbraucherzentrale-sachsen.de/terminvergabe.

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