merken
PLUS Meißen

Wurde die Diebin bestohlen?

Ein Ex-Paar ist vor Gericht wieder kurzzeitig vereint. Die beiden erzählen abstruse Geschichten.

Viel Bargeld ist nicht drin in der Geldbörse, aber vier Sozialschecks für insgesamt 320 Euro.
Viel Bargeld ist nicht drin in der Geldbörse, aber vier Sozialschecks für insgesamt 320 Euro. © dpa-Zentralbild

Meißen.  Ein Polizeiauto vor der Tür macht sich schlecht gegenüber den Nachbarn. Genau das aber droht einer 38-jährigen Meißnerin und ihrem 44 Jahre alten Mann. Allerdings sind die beiden zwar noch verheiratet, leben aber seit einiger Zeit getrennt. Vor Gericht sitzen sie nun wieder gemeinsam. Dass beide zur letzten Verhandlung nicht kamen, hat vor allem bei der Frau einen Grund. Sie steht unter Bewährung. 

Als die Polizei die beiden abholen will, sind sie wieder nicht da. Doch diesmal haben sie sich selbst auf den Weg zum Gericht gemacht. Die Polizei trifft sie 100 Meter vor dem Gerichtsgebäude an.

Anzeige
DDV Lokal: Gesunde Vitalöle
DDV Lokal: Gesunde Vitalöle

Die Vitalöle von Franz & Co. tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels bei. Das gesunde Extra für Genießer!

Der Frau wird vorgeworfen, in einem Meißner Drogeriemarkt Kosmetik und Schmuck für 235 Euro gestohlen zu haben. Doch sie wird erwischt, die Verkäuferin hält sich mit ihr fast eine Stunde im Büro auf, nimmt die Personalien auf. 

Die Mär von der unbekannten Radfahrerin

Doch vor Gericht kommt die Angeklagte nun mit einer ganz anderen Variante. Ihr sei an jenem Tag in der Nähe der Drogerie von einer unbekannten Radfahrerin ihre Handtasche von der Schulter gerissen worden. Darin befanden sich auch ihre Dokumente. Sie sei zu besagten Tatzeit gar nicht in der Drogerie gewesen, sondern habe bei einer Freundin geschlafen. Mit anderen Worten: Nicht sie, sondern die unbekannte Frau habe den Diebstahl begangen. Doch sie und ihre Freundin haben sich schlecht abgesprochen. Die Angeklagte habe nicht geschlafen, sagt die Freundin. „Dazu war sie viel zu aufgeregt.“

Dumm auch, dass die Verkäuferin die Täterin schon bei der Polizei eindeutig identifiziert hatte. Aus mehreren Fotos, die sie vorgelegt bekam, hat sie sofort auf eines gezeigt. Es war das der Angeklagten. Auch vor Gericht wird sie von der Zeugin sofort wiedererkannt, auch wenn die Angeklagte heute eine andere Haarfarbe und Frisur hat.

Ihr und ihrem Fast-Ex-Mann wird noch eine weitere, perfide Tat vorgeworfen. Ein 21-Jähriger hatte in der Wohnung einer Bekannten seine Geldbörse verloren oder vergessen. Die Bekannte bat nun die beiden, dem Mann die Geldbörse zurückzugeben, weil sie nichts damit zu tun haben wolle. Doch stattdessen löste der Angeklagte insgesamt vier Sozialschecks ein im Wert von 320 Euro, die sich in der Geldbörse befanden. Dazu nutzte er den Personalausweis des Fremden und eine Vollmacht. Unklar ist, woher die Vollmacht stammt. Der Geschädigte beteuert jedenfalls, weder ihm noch sonst jemandem je eine Vollmacht ausgestellt zu haben.

Auch hier erzählten die beiden eine völlig unglaubwürdige Geschichte. So hätten sie gar nicht gewusst, wo der Geschädigte wohne. Allerdings steht das im Personalausweis. Ach, da hätten sie gar nicht nachgeschaut, sagt die Frau. Das Geld hätten sie im Auftrag des Geschädigten abgeholt, weil dieser aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht in der Lage gewesen sei. Der weiß davon gar nichts. Leider konnte sie es ihm nicht geben - sie wussten ja nicht, wo er wohnt.

Einen Teil des Geldes haben die beiden verbraucht, dafür Lebensmittel gekauft, sagt die drogenabhängige Angeklagte. Sie hätten es aber wieder in die Geldbörse gelegt. Als die Staatsanwältin nochmal nachfragt, überlegt sie es sich anders. Nein, sie hätte das Geld aufs Konto eingezahlt. Auf ihr eigenes.

Erstmal zum Drogenentzug

Angeklagte dürfen vor Gericht im Gegensatz zu Zeugen lügen. Das Gericht muss ihnen nachweisen, dass sie nicht die Wahrheit sagen. Das ist bei diesen plumpen Lügen hier nicht allzu schwer. Für Staatsanwältin und Richterin haben sich die Vorwürfe erwiesen. Der Mann wird wegen gemeinschaftlicher Unterschlagung zu einer Geldstrafe von 95 Tagessätzen zu je 15 Euro, insgesamt also 1 425 Euro, verurteilt. Damit gilt er als vorbestraft, denn Strafen von mehr als 90 Tagessätzen kommen ins Führungszeugnis. Zahlt er nicht, muss er für 95 Tage ins Gefängnis.

Das droht auch der Frau. Wegen Diebstahls und gemeinschaftlicher Unterschlagung wird sie zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings droht der Angeklagten nun, dass ihre vorherige Bewährung widerrufen wird und sie diese Strafe doch noch verbüßen muss. Jetzt ist sie aber erst einmal zur Drogenentziehung. Gleich nach dem ersten Verhandlungstag rückte sie dort ein und wurde zum Fortsetzungstermin von dort vorgeführt. Diesmal konnte sie sich nicht vor dem Gericht drücken.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen