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Ziegel zu Kohle

Meißen kann sich den Traum vom Freibad erfüllen. Dazu müssen in den nächsten Jahren zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt sein.

Mitarbeiter der Bauverwaltung sahen sich dieser Tage im Freibadgelände um. Dabei nahmen sie auch die Ziegelsteine auf den früheren Fußwegen in Augenschein.
Mitarbeiter der Bauverwaltung sahen sich dieser Tage im Freibadgelände um. Dabei nahmen sie auch die Ziegelsteine auf den früheren Fußwegen in Augenschein. © Christin KUnze

Meißen. „Zum großen Stadtjubiläum im Jahr 2029 können wir anbaden.“ Ja, es sei realistisch, dass Meißen dann wieder ein Freibad hat, sagte die Leiterin des städtischen Bauverwaltungsamtes Inga Skambraks bei einer Zusammenkunft der AG Freibad. Planungen, für die bislang 150.000 Euro ausgegeben wurden, liegen bereits in den Schubladen.

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Dort, wo das Freibad einst war, ist das Gelände bereits neu vermessen worden. Der Baugrund ist untersucht. Es gibt Varianten, wie die Beckenplatten angeordnet werden und wo die Stahlbecken danach genau platziert werden können. Planer eines auf Freibäder und Badelandschaften spezialisierten Büros aus Bautzen haben bereits umfangreiche Vorarbeiten erledigt. Beteiligt seien weiterhin die Planer vom Dresdner Planungsbüro Kretzschmar & Partner, deren Entwurf vor zwei Jahren von den Meißnern favorisiert wurde. Allerdings werden sich nicht alle Details dieses Entwurfs umsetzen lassen – aus Kostengründen.

Wie eine auch in Meißen machbare – vor allem bezahlbare – Lösung aussehen könnte, hatte sich eine Abordnung des Rathauses unter Leitung des Oberbürgermeisters in der polnischen Partnerstadt Legnica vor kurzem angeschaut. Im Juni ist dort ein Aqua-Fun-Park eröffnet worden, berichtete Inga Skambraks, die in Legnica dabei war. Das Bad besteht aus einem Schwimmerbecken und einer Badelandschaft für Kinder mit einigen Spielgeräten. Ein weiterer Besuch ist in der tschechischen Partnerstadt Leitmeritz geplant. Dort werde man sich vor allem darüber informieren, wie die Kommune die Folge- und Unterhaltungskosten für das Freibad aufbringt.

Neue Spielräume

In Meißen sieht es in dieser Hinsicht gar nicht so schlecht aus: Wenn die Stadt 2029 ihr 1.100-jähriges Jubiläum feiert, sind alle Zinsen und Tilgungen für die Investition in das Freizeitbad Wellenspiel bezahlt – was der Stadt neue finanzielle Spielräume eröffnen dürfte, so Inga Skambraks. Aber um das Freibad an seinem angestammten Platz in Bohnitzsch wiederbeleben zu können, sind Investitionen von mehreren Millionen Euro notwendig.

Momentan sei keinerlei Fördermöglichkeit dafür in Sicht. Auch mit gedanklicher Akrobatik – etwa das Freibad als abgewandelte Löschwasserzisterne oder eine Art Kurbad für Patienten der Elblandkliniken zu deklarieren – gibt es keinen Fördertopf, wie die Chefin des 2009 gegründeten Freibadvereins und Stadträtin der Freien Bürger Simone Teske darlegte. Für den Verein sei wichtig, dass das Freibad über ein 25 Meter langes Schwimmbecken verfügt, damit hier auch Schulschwimmen sowie Ausbildung und Training von Rettungsschwimmern möglich sind.

Damit sich Meißen den Traum vieler seiner Bewohner erfüllen kann, wieder zu einem stadteigenen Freibad kommt, sind kreative Ideen gefragt. In der AG wurden Möglichkeiten diskutiert, wie durch Spenden- und Sponsoring-Aktionen zusätzliches Geld für das Freibad eingesammelt werden kann. Heiko Schulze, der im Stadtrat die Fraktion der Bürger für Meißen und SPD anführt, will sich dafür einsetzen, dass dort ein Grundsatzbeschluss gefasst wird. Damit gäbe es eine Willensbekundung der Stadt, das Freibad in Meißen wiederzubeleben. Das würde den Spenden- und Sponsoring-Aktionen Gewicht verleihen.

Was konkret möglich wäre, nahm breiten Raum in der Debatte am Donnerstagnachmittag ein. Mitarbeiter der Bauverwaltung, die dieser Tage das frühere Freibadgelände inspiziert hatten, schlagen das Vermarkten von Ziegelsteinen, die sich zu Tausenden im Freibadgelände befinden, vor. Im Zuge der Vorbereitungen für den Einbau des neuen Edelstahlbeckens müssten sie ohnehin geborgen werden. Das könnte innerhalb von Schulprojekten oder in Zusammenarbeit mit den DRK-Werkstätten geschehen, schlug Bianca Schöne vom Bauverwaltungsamt vor.

Freilichtkino und Benefizkonzerte

Gegen eine Spende könnten die Steine, die von Meißner Künstlern veredelt werden, quasi zum Kauf angeboten werden. Denkbar ist auch, dass ein Teil der geborgenen Steine mit dem Namen eines Spenders versehen, neu im Freibadgelände verlegt werden. Egal, wie das oder die Becken aussehen werden – innerhalb des Freibadgeländes werden Fußwege dahin führen.

Ins Gespräch gebracht wurden auch Veranstaltungen, um das Areal in Bohnitzsch nutzbar zu halten – etwa durch Freilichtkinoveranstaltungen oder Benefizkonzerte. Ebenso sollen einzelne Elemente wie Spielplatzgeräte, Startblöcke oder Wasserrutschen Sponsoren angeboten werden, die sich hier gegen eine finanzielle Beteiligung verewigen können. Denkbar sind auch Baumpatenschaften, das Vermarkten historischer Fotos aus dem Freibad, die der Freibadverein gesammelt hatte.

Um Aktionen und Potenziale zu bündeln, sollte eine Stiftung gegründet und ein prominenter Schirmherr gefunden werden. Diese Idee brachte der Chef des DLRG-Vereins Niederes Elbtal Steffen Hausch ins Gespräch. Simone Teske unterstützt diesen Vorschlag und kündigte an, die vom Freibadverein gemäß seiner Satzung bislang gesammelten Spendengelder in das Stiftungsvermögen einzubringen.

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Die AG-Mitglieder verabredeten, am Beginn des nächsten Jahres erneut zusammenzukommen. Bis dahin wird die Bauverwaltung ein Konzept vorlegen, wie der Freibad-Traum in Meißen mithilfe von Spenden und Sponsoring erfüllt werden kann – und das Anbaden im Sommer 2029 nicht nur eine Ankündigung bleibt.

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