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Zufall, dass kein Mensch gestorben ist

In einem Brandstifterprozess fielen am Landgericht Dresden die Urteile. Sie waren teils überraschend.

Mit Teelichtern wie diesen, die unter Sofa und Möbel gestellt wurden, wurde die Wohnung in Brand gesetzt.
Mit Teelichtern wie diesen, die unter Sofa und Möbel gestellt wurden, wurde die Wohnung in Brand gesetzt. © Claudia Hübschmann

Dresden/Meißen. Eine Wohnung brennt lichterloh in einem Mehrfamilienhaus an der Leipziger Straße in Meißen. Mit seinem Kleinkind auf dem Arm rennt ein Vater durch den verrauchten Flur. Zuvor hatte er noch Nachbarn gewarnt. Es ist großes Glück und reiner Zufall, dass an jenem Augustabend kein Mensch gestorben ist.

Es war Brandstiftung. Einer der Täter, der Meißner S., wurde bereits in einem anderen Verfahren verurteilt. Er hatte brennende Teelichter unter Sofa und Möbel gestellt, welche den Wohnungsbrand auslösten.

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Nun sitzen drei weitere Tatverdächtigte vor dem Dresdner Landgericht. Den beiden Männern und einer Frau werden besonders schwere Brandstiftung beziehungsweise Beihilfe dazu sowie Wohnungseinbruchsdiebstahl und Sachbeschädigung vorgeworfen. Die 27 Jahre alte R. und ihr 25-jähriger Freund R. wollten in der Wohnung Sachen holen, die der Frau gehörten. Nachdem der Schlüssel abgebrochen war, soll der 59-jährige W. zwei junge Männer mit Einbruchswerkzeug hingeschickt haben. Sie brachen die Tür auf. Laut Anklage legte einer von ihnen mit den beiden Angeklagten R. danach Feuer, um die Einbruchsspuren zu verwischen. W. soll sie dazu telefonisch aufgefordert haben.

Waldschlösschen-Brand bleibt ungeklärt

Nach drei Verhandlungstagen und einer umfangreichen Beweisaufnahme bleiben von den vier Anklagepunkten nur zwei übrig. Zwei weitere angeklagte Taten können den Angeklagten nicht zugeordnet werden. "Es gibt keine objektiven Beweise und wir haben von den Zeugen auch nichts gehört, was die Angeklagten der Brandstiftung im Waldschlösschen Röderau überführen konnte", konstatiert der Staatsanwalt. Und auch für den Vorwurf, dass W. die beiden anderen Angeklagten angestiftet haben soll, das alte Krankenhaus in Riesa zum "Tag der Sachsen" 2019 anzuzünden, ist nicht nachzuweisen. Zwar hatte der R. den 59-Jährigen deswegen beschuldigt, aber dessen Aussage allein reicht nicht für eine Verurteilung.

Anders ist es bei dem Vorfall in der Meißner Straße. Zwar geht das Gericht davon aus, dass es kein Diebstahl war, weil die Frau nur ihre eigenen Sachen aus der Wohnung holte. Es bleiben aber die Sachbeschädigung an der Tür und vor allem die schwere Brandstiftung. Andere Bewohner wurden gefährdet, der Eigentümer musste mehrere Zehntausend Euro aufwenden, um das denkmalgeschützte Haus wieder herzurichten.

Ein Problemfall ist besonders die Angeklagte R. Die 27 -Jährige spricht davon, dass sie eine verkorkste Kindheit hatte. Ihre Mutter habe sie nicht geliebt, aber geschlagen, gequält und eingesperrt. Sie hat acht Geschwister und fünf Stiefväter. Schon im Alter von vier Jahren soll sie einen Wohnungsbrand verursacht haben, zehn Jahre später zündete sie mit anderen eine Holzhütte in einem Wald an. Sie ist hyperaktiv, hat eine Intelligenzminderung und eine schwere Milieustörung, ist in psychiatrischer Behandlung. Von ihren fünf Kindern lebt keines bei ihr. Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte ihr erheblich beeinträchtigte Schuldfähigkeit.

Am ersten Verhandlungstag hatte sie die Tat noch zugegeben und bedauert, dass sie mitgemacht habe. Sie habe eine Tüte angezündet und damit die Gardine in Brand gesetzt. Jetzt plötzlich sagt sie, S. habe sie mit Nacktfotos erpresst, wenn sie nicht mitmache. Staatsanwalt und Gericht halten das für eine Schutzbehauptung.

Bewährungsstrafe ist abwegig

Die R. wird zwar wegen besonders schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung verurteilt, aber wegen der verminderten Schuldfähigkeit nur zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre und einen Monat gefordert, der Verteidiger eine Bewährungsstrafe. Das gleiche Strafmaß wollte der Staatsanwalt auch für deren Freund R. Doch hier gab es eine Überraschung. Das Gericht verurteilte ihn zu fünf Jahren und einen Monat Gefängnis. "Das Urteil ist hart, aber die Mindeststrafe beträgt nun mal fünf Jahre für eine schwere Brandstiftung. Wir sind am untersten Rand geblieben, weil der Angeklagte geständig war und nicht vorbestraft ist", begründet die Kammervorsitzende. Eine Bewährungsstrafe sei abwegig bei einem solch schwerwiegenden Delikt. Es sei auch keine Beihilfe gewesen. "Dazu waren Sie viel zu nah dran, Sie waren mittendrin", sagt die Richterin. Trotz der hohen Strafe und der damit verbundenen Fluchtgefahr erlässt das Gericht gegen den R. keinen Haftbefehl.

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Um Spuren zu verwischen, sollen die Angeklagten eine Wohnung abgefackelt haben. Auch das alte Riesaer Krankenhaus sollten sie anzünden.

Am Besten kommt W., der in seinem Leben schon mehr als 17 Jahre im Gefängnis gesessen hat, weg. Wegen Beihilfe zur Sachbeschädigung muss er eine Geldstrafe von 720 Euro zahlen. Er hatte das Werkzeug für den Einbruch zur Verfügung gestellt.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, es ist Revision vor dem Bundesgerichtshof möglich.

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