merken
PLUS Meißen

Ex-Weinprinzessin verprügelt und angezündet

In Nossen soll ein 50-Jähriger seine Lebensgefährtin zusammengeschlagen und in Brand gesteckt haben. Das Opfer ist nicht nur in der Stadt sehr bekannt.

Das war die Welt wohl noch in Ordnung. Der Tatverdächtige und das Opfer waren ein Paar.
Das war die Welt wohl noch in Ordnung. Der Tatverdächtige und das Opfer waren ein Paar. © Motorradfreunde Nossen

Nossen. Nach einem grausamen Verbrechen in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag herrschen in der Stadt Entsetzen, Trauer, Wut und Fassungslosigkeit. Eine 43-jährige Nossenerin ist vermutlich von ihrem 50 Jahre alten Lebensgefährten mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet worden.

Die Frau erlitt schwere Brandverletzungen und befindet sich derzeit in einer Spezialklinik. "Sie ist zwar schwer verletzt, wir hoffen aber, dass sie es schafft. Derzeit gibt es keine Anhaltspunkte, dass sie sich in Lebensgefahr befindet", so Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Der Tatverdächtige hatte offenbar selbst die Rettungskräfte gerufen. Der Polizei erzählte er, seine Freundin habe sich angezündet und habe sich umbringen wollen. Er hoffte wohl, dass die Frau niemals mehr vernommen werden kann. Doch da täuschte er sich.

Die Frau sagte etwas ganz anders aus. Zwei Tage später konnte der Mann, der in Dresden wohnt, festgenommen werden. Es wurde Haftbefehl erlassen, der Mann befindet sich in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Laut Staatsanwaltschaft ist er nicht geständig, streitet die Tat ab. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass es sich nicht um einen Selbstmordversuch, sondern um eine Straftat handele. Der Lebensgefährte sei dringend tatverdächtig. Ihn und das Opfer verband auch die Liebe zu Motorrädern.

Die Geschädigte bei einer Motorradausfahrt. Sie und den Tatverdächtigen verband auch die Liebe zu schneller Motorrädern.
Die Geschädigte bei einer Motorradausfahrt. Sie und den Tatverdächtigen verband auch die Liebe zu schneller Motorrädern. © Foto: Archiv/Claudia Hübschmann

Das Opfer ist in Nossen und Umgebung sehr bekannt. Die Frau war mal sächsische Weinprinzessin und ist die Vereinschefin eines Nossener Motorradclubs. "Ich bin entsetzt, dass so etwas in unserer kleinen, friedlichen Stadt passiert", sagt Nossens Bürgermeister Christian Bartusch (SPD). "Es ist Stadtgespräch, die Frau ist ja auch als Gastronomin bekannt", sagt er.

Äthanol aus der Garage geholt?

Vor allem beim Motorradklub ist das Entsetzen groß. Dem Klub gehört auch Jens Tamke aus Roßwein an. Er kennt sowohl das Opfer als auch den mutmaßlichen Täter sehr gut. "Wir waren befreundet, aber bei ihm war ich immer sehr reserviert. Er war unglaublich und krankhaft eifersüchtig auf alle und jeden, sah jeden Mann, der in der Nähe der Frau war, als potenziellen Mitkonkurrenten", sagt er. Dabei habe es seiner Meinung nach keinen Grund zur Eifersucht gegeben.

Der Tatverdächtige habe auch sehr viel Alkohol getrunken. Er hatte ihn am Tattag zuletzt gegen 18 Uhr in Nossen getroffen. "Da war er augenscheinlich nüchtern".

Tamke hatte Kontakt mit dem familiären Umfeld des Opfers. Daher wisse er, dass die Frau ansprechbar ist und wohl auch schon vernommen wurde. Dabei soll sie den Tatverdächtigen schwer belastet haben.

"Er soll sie furchtbar verprügelt und zusammengeschlagen haben, dass sie bewusstlos wurde. Dann hat er wohl Äthanol geholt, sie damit übergossen und angezündet", hat er erfahren. Die Kleidung habe gebrannt, die Frau sei an Rücken, Armen, Hals verletzt worden. Sie habe starke Schmerzen, bekomme hoch dosierte Medikamente. Am Donnerstag stehe die erste Operation an.

Das Äthanol habe die Frau besessen, weil sie auch Vorführungen als Feuerschluckerin mache, aber: "Sie hatte es nicht in der Wohnung, sondern in der Garage gelagert. Der Mann muss es also extra geholt haben", schlussfolgert er. Also eine geplante Tat?

Auch auf Facebook ist die Anteilnahme groß: "Es ist so fürchterlich, was hier geschehen ist. Ich wünsche dir viel, viel Kraft. Ich teile es, das alle Biker und Freunde aufmerksam werden und dir zur Seite stehen mögen. Wir sind viele, sehr viele", schreibt beispielsweise Holger Schulze.

"Aus der Nummer kommt er nicht mehr raus"

Noch stehen die Ermittlungen am Anfang, so lange gilt auch für den Tatverdächtigen die Unschuldsvermutung, auch wenn derzeit vieles für ihn als Täter spricht. Sollte es zu einer Anklage und einem Prozess kommen und er schuldig gesprochen werden, droht ihm eine lange Haftstrafe.

Für Totschlag sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren vor. Bei einem Versuch wird das Strafmaß gemildert. Hier darf höchstens auf drei Viertel des angedrohten Höchstmaßes erkannt werden.

Die Strafe bei versuchtem Totschlag darf folglich höchstens auf drei Viertel von 15 Jahren gemildert werden. Die theoretisch mögliche Höchststrafe liegt also bei elf Jahren und drei Monaten. Allerdings ist auch gefährliche Körperverletzung angeklagt, was im Falle einer Verurteilung das Strafmaß erhöht.

Für Jens Tamke ist klar, dass der Beschuldigte auch der Täter ist. "Aus dieser Nummer kommt er nicht mehr raus", ist er sich sicher. Die Motorradfreunde wollen nun eine Spendensammlung für das Opfer initiieren, um den Verdienstausfall wenigstens ein bisschen abzumindern. Denn die Genesung und die sich anschließenden kosmetischen Eingriffe würden wohl Monate, wenn nicht Jahre dauern.

Weiterführende Artikel

Versuchter Totschlag in Nossen

Versuchter Totschlag in Nossen

Ein 50-Jähriger steht im Verdacht, seine Lebensgefährtin angezündet zu haben. Er wurde am Montag in Dresden verhaftet.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen