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Meissens Hüllen müssen fallen

Die Staatsregierung steht nach dem Rekordverlust weiter unter Druck. Sie soll Zahlen offen legen.

© PR

Von Peter Anderson

Meißen. Die Landtagsfraktion der Bündnisgrünen fordert vom Freistaat eine tiefgehende Analyse und klare Aussagen zur Lage der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen und der Zukunft des Betriebes. „Es geht nicht an, dass das Parlament seit dem Jahr 2009 nicht mehr informiert wird über die Unternehmen des Freistaats und erst auf massiven Druck Informationen durchsickern“, kritisiert die haushalts- und finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion Franziska Schubert.

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Ein ausführlicher Bericht über die dem Land gehörenden Unternehmen solle dies ändern. Daran müssten auch die Abgeordneten der regierenden CDU-SPD-Koalition ein Interesse haben. Für jede Kommune, jede Stadt sei dieser Bericht Pflicht. Der Freistaat sollte hier vorbildhaft vorangehen, heißt es in einer Pressemitteilung der Fraktion.

20 Millionen Euro Verlust

Aktueller Anlass für die Initiative der Oppositionspartei ist der jüngst veröffentlichte Rekordverlust von knapp 20 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2014. Einem Bericht der Wirtschaftszeitung Handelsblatt zufolge scheint sich daran auch 2015 nur wenig zu ändern. Meissen-Chef Tillmann Blaschke erwarte – bereinigt um Sondereffekte – „operativ ein leicht verbessertes Ergebnis“.

Für die nächsten drei Jahre werde ein merklich positiverer Abschluss angepeilt. Dann könne das Unternehmen in die Nähe der Gewinnschwelle kommen. Das Handelsblatt zitiert den Luxusmarkt-Analysten Franz-Maximilian Schmid-Preissler: „Es ist schwer, sich als Newcomer mit einer Couture-Linie im Luxusmodemarkt gegen große Konzerne durchzusetzen.“

Die bündnisgrüne Finanzexpertin Schubert betont vor dem Hintergrund der gescheiterten Expansionsstrategie, dass unternehmerische Fehler auch Sache des Aufsichtsrates seien. „Der Finanzminister kann sich hier nicht herauswinden, indem er alles auf die Geschäftsführung schiebt“, so Franziska Schubert. Die Porzellanmanufaktur gehöre dem Freistaat nun einmal zu 100 Prozent – damit sei der Freistaat auch zu 100 Prozent verantwortlich für die Blauen Schwerter.

Während der Vorstoß der Bündnisgrünen von der Linken unterstützt werden dürfte, ist abzusehen, dass die Christdemokraten ihn ablehnen. In der Vergangenheit hatten sie wiederholt betont, dass Interna des Unternehmens nicht bekannt gegeben werden könnten, da es sich hierbei um Geschäftsgeheimnisse handele.

Unterstützt wird diese Argumentation von dem bayrischen Marken-Analysten Klaus-Dieter Koch. In der MDR-Sendung „Fakt ist!“ verwies der Experte am Montag darauf, dass kein Luxus-Unternehmen der Welt sich gern in seine Karten schauen lasse. Schon gar nicht, wenn sich die Marke in einer Krise befinde, so wie dies aktuell bei Meissen der Fall sei. Dies könne Käufer abschrecken. Wer wolle sich schon gern mit Luxus-Artikeln eines kriselnden Unternehmens schmücken, fragte Klaus-Dieter Koch in der Sendung, welche weiterhin in der MDR-Mediathek verfügbar ist.

Zurück auf der Messe „Ambiente“

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In der Manufaktur wird unterdessen intensiv der im Februar anstehende Auftritt auf der Ambiente in Frankfurt am Main vorbereitet. Die Leitmesse für Tisch, Küche, Haushalt, Wohnen und Schenken war wenige Jahre nach dem Amtsantritt von Meissen-Chef Christian Kurtzke 2008 aus dem Terminkalender des Unternehmens gestrichen worden. Stattdessen organisierte Kurtzke teure Messeauftritte vor allem in Paris. Dort stattete die Staatliche Manufaktur Meissen eine eigene kleine Villa aus, um ihre gesamte Produktpalette von der Nachttischlampe über Sofakissen bis hin zu Tischen und Stühlen präsentieren zu können.

Für die Manufaktur vor Kurtzke war ein Besuch auf der Ambiente dagegen stets ein Muss. Die Geschäftsführer berichteten im Anschluss an die Messe über abgeschlossene Aufträge und neue Geschäfte.