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Meißens neuer Hingucker

Der Kunstverein eröffnet seine neue Galerie mit der Ausstellung eines Mathe-Fans. Der Umzug soll endlich sichtbar machen.

© Claudia Hübschmann

Von Franziska Klemenz

Meißen. Eigentlich war es purer Pragmatismus. Er wollte eine Universal-Schablone, mit der sich alle Zahlenrätsel lösen lassen. Wie so oft wurde aus der Neugierde von Tobias Stengel eine Wissenschaft. Und dann Kunst. „Ich wollte eine Möglichkeit finden, schwere Sudokus über ein bildhaftes Verfahren einfach zu lösen.“ Die Ergebnisse erinnern ein wenig an die Aufzeichnungen von Großmeister Da Vinci. Ein Meer aus Kanten und Ziffern fügt sich zu einem harmonischen Bildnis. Zwei Dimensionen genügten Stengel nicht. Zur Neueröffnung des Meißner Kunstvereins bringt er auch seine dreidimensionalen „Herzstücke“ mit. Plastik gehört ebenso zu den Spezialgebieten des Dresdner Kunstdozenten wie Mathematik. Eine Woche lang räumte der 59-Jährige seine Werke gemeinsam mit Daniel Bahrmann und Else Gold vom Kunstverein in die neuen Räume ein, gut zwei Monate hatten die beiden zuvor für Umzug und Umbau gebraucht. „Hier merken wir erst, wie routiniert wir im Benno waren“, sagt Bahrmann. „Der Wechsel kam gut, das holt uns aus der Negativroutine und gibt uns neuen Schwung, neue Aufgaben, neue Motivation und riesige Neugierde.“

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Vorher hatte der Kunstverein sich in der ersten Etage des Benno-Hauses versteckt. Mit 110 Quadratmetern sind die hohen Altbauräume im Erdgeschoss der Burgstraße 2 wesentlich größer als die alten. „Wir werden jetzt hoffentlich im Auge und damit auch im Sinn der Meißner sein“, sagt Bahrmann, ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins. „Meißen könnte mehr sein als eine Kleinstadt, das Potenzial dazu haben wir. Ich würde hier gerne eine lebendige Kulturlandschaft etablieren.“ Die ersten zwei Jahre bekommt der Verein die neuen Räume zu vergünstigten Konditionen von der Wohnungsgenossenschaft. „Weil die Stadt darauf vertraut, dass wir das hier beleben, wurden wir sehr unterstützt“, sagt Kuratorin Else Gold. Außerdem, fügt Künstler Stengel hinzu, schade nichts einer Stadt so sehr wie Leerstand.

Leer sind die Räume jetzt nicht mehr. Mit verschränkten Armen und zufriedenem Nicken quittiert Stengel die fertige Ausstellung. „Die Räume sind sehr schön, aber nicht ganz leicht zu nehmen. Sie sind sehr autoritär, da muss man sich unbedingt anpassen und mitgehen, sonst kann man nur verlieren“, sagt er. Dann wuselt der zierliche Künstler wieder von Werk zu Werk, zeigt auf eine großflächige Zeichnung. „Hier habe ich mich ausprobiert. Dann wurde ein Achteck plötzlich zu einem Siebeneck. Das war ein ganz besonderer Moment, da habe ich mich riesig gefreut.“ Ein anderes Werk zeigt ein übermaltes Modell aus der Technischen Universität Dresden. Die Begeisterung für Mathe flammte in Stengel schon zu Schülerzeiten auf. „Bei den Griechen gehört Mathematik zu den Künsten. Zahlen sind natürlich, etwas sehr Ursprüngliches.“

Kunst und Zahlen – für Stengel ein direkter Übergang. Finanziell können Daniel Bahrmann und Else Gold das noch nicht behaupten, hoffen aber auf die Wirkung der neuen Galerie. Zur heutigen Eröffnungsfeier spielt Musiker Micha Winkler, am 6. Mai lädt der Verein zum Gespräch zwischen Zahlenfan Tobias Stengel und Mathematiker Norbert Herrmann. Nur eine Zahl kann der Künstler nicht benennen. Wie viele Werke die Ausstellung zählt? „Ähhh.“ Stengel stockt. „Circa 40.“ Genaueres müssen die Besucher selber zählen.

Galerie- und Ausstellungseröffnung „konkav. konvex. verdreht.“ des Kunstvereins Meißen: Sonnabend, 17. März ab 17 Uhr, Burgstraße 2