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Meißner gegen Hetze

Auf dem Marktplatz haben sich Bürger getroffen, um gemeinsam zu reden – trotz verschiedener politischer Meinungen.

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© SZ-Archiv

Meißen. Wie können wir wieder respektvoll miteinander umgehen und zurückkehren zu einem positiveren Klima in unserer Stadt? Unter dieser Frage stand eine Diskussionsrunde, zu der am Montagabend rund 20 Meißner auf den Marktplatz gekommen sind. Eingeladen hatte Enrico Schneider. Der Fotograf ist Mitglied des Pegida-Orga-Teams. Mitte Mai hatte er einen Fotoauftrag beim Freundschaftsspiel Dynamo Dresden gegen den Meißner SV abgesagt, nachdem er bei Facebook angefeindet wurde. Solche verbalen Angriffe möchten er und andere Meißner nicht mehr erleben – egal von welcher politischen Seite.

Der Gesprächseinladung folgten Bürger mit verschiedensten Auffassungen: Kirchenvertreter, Pegida-Anhänger, Leute vom Bündnis Buntes Meißen, Teilnehmer der wöchentlichen Friedensmahnwache und Einwohner, die keiner dieser Gruppen angehören. Jeder konnte den Redestab nehmen und sagen, was er denkt. Wenngleich das Gesagte oft verschränkte Arme, ernste Blicke und zusammengebissene Lippen hervorrief: jedem wurde zugehört.

Schneiders Idee, sich keine politischen Meinungen um die Ohren zu schlagen, ging jedoch nicht immer auf. Denn genau die politischen Auffassungen sind letztendlich der Grund der Entzweiung. Allein die Frage, ob Deutschland ein reiches Land ist oder nicht, spaltete die Gruppe. Oder die Ansicht, ob man von Flüchtlingen oder illegalen Einwanderern sprechen sollte. Trotzdem waren sich die Bürger einig, lieber miteinander als nur übereinander zu sprechen. Sich in die Augen schauen, sachlich diskutieren, nicht in Klischees denken und nicht aggressiv werden – diese Punkte wurden genannt.

Fazit des Abends: Die Anwesenden wollten miteinander sprechen und das haben sie getan. Gleichzeitig blieb die Einsicht, dass diejenigen, die im Netz am lautesten gegen Andersdenkende hetzen, nicht zum Gespräch gekommen sind. Initiator Enrico Schneider war dennoch für den Moment zufrieden. Nächsten Montag will er wieder um 18 Uhr auf dem Markt sein und hofft, dass erneut Meißner Bürger das Gespräch miteinander suchen. (SZ/nis)