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Menschenkette soll umfunktioniert werden

13. Februar: Dresden bereitet sich auf den 70. Jahrestag vor. Doch schon im Sommer droht die nächste Neonazi-Aktion.

© Christian Essler

Von Andreas Weller

Nach dem 13. Februar ist vor dem 13. Februar. Für Joachim Klose, Leiter der zuständigen Arbeitsgemeinschaft, geht die Arbeit erst richtig los. „Wir haben es erstmalig geschafft, dass die Neonazis das konkrete Datum nicht für sich instrumentalisieren konnten“, so Klose: „Wenn wir das dauerhaft erreichen, brauchen wir die Menschenkette nicht mehr als Symbol gegen Rechtsextremismus. Sie muss umfunktioniert werden – nicht gegen, sondern für etwas.“ Die Kette könne künftig für das zivilreligiöse Engagement – die verbindenden Werte – stehen. So sollen weiter viele Dresdner, möglichst mehr als die 11.000 in diesem Jahr, auf die Straße gelockt werden. „Die Kette kann als Bekenntnis und Konsens für das Gemeinwesen, Frieden und Gewaltfreiheit stehen“, so Klose weiter: „Wenn die Neonazis nicht da sind, könnte dieses Symbol gegen sie sonst zerfallen.“

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Die Menschenkette

Mittlerweile ist die Akzeptanz zwischen der AG 13. Februar und dem Bündnis Dresden nazifrei, das die Blockaden gegen Neonazis organisiert, immerhin so weit, dass die gegenseitigen Aktionen respektiert werden. Silvio Lang, Sprecher von Dresden nazifrei: „Mehr Leute auf die Straßen zu holen, damit stimmen wir überein. Aber wir wollen für uns mehr als das reine Symbol der Menschenkette. Wir tun aktiv etwas gegen Nazis.“ Auf der anderen Seite hat selbst Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) den Mahngang des Bündnisses zu Dresdner Orten mit NS-Vergangenheit ausdrücklich für würdig erklärt.

Mit den Blockaden können aber weder sie noch die AG sich gemeinmachen. „Ich kann Blockaden nicht befürworten, aber zur Kenntnis nehmen“, sagt Klose: „Gegen die Gewalt müssen wir etwas tun. Das Bündnis könnte zur Gewaltfreiheit aufrufen. So würde es sich eine Autorität erarbeiten.“ Auf diese Diskussion will Lang sich nicht einlassen: „Unsere Position ist und bleibt: Von uns geht keine Eskalation aus. Wir sind auf keinen Beliebtheitspreis aus, wollen aber auch nicht kriminalisiert werden. Und wenn die Kette für etwas stehen soll, darf das kein Gedenken darstellen. Die Opferrolle Dresdens ist falsch.“ Frau Orosz hatte in diesem Jahr klar die Täterrolle einiger Dresdner im Dritten Reich benannt, dennoch gehe es auch um das Gedenken an die vielen unschuldigen Opfer.

Immerhin sieht Klose eine „pragmatische Annäherung“ beider Seiten – und diese sei die Grundlage für gemeinsame Gespräche, auch für die Vorbereitung des 70. Jahrestages der Bombardierung Dresdens. Denn rund um das Datum, den 13. Februar 2015, werden erneute Provokationen der Neonazis erwartet. „Es wird Aufgabe der AG sein, den 13. Februar neu zu definieren und ein Konzept dafür zu erarbeiten, wie wir mit den Tagen rund um den 13. Februar herum umgehen“, so Klose: „Wir brauchen Gelassenheit und ein Konzept, um den Neonazis zu begegnen.“ Dafür will er eine Kommunikationsstruktur aufbauen, damit auch schnell viel mehr Menschen mobilisiert werden, als die rund 1.000 Dresdner am 12. Februar dieses Jahres, als rund 500 Neonazis durch Dresden marschiert sind. „Ich möchte mit der AG eine Netzwerkstruktur aufbauen“, so Klose. Schulen, Universitäten, Hochschulen, Religionsgemeinschaften und Sportvereine sollen so schnell Protest organisieren können.

Angst vor dem 7. Juni

Allerdings wird der Aufbau eine Weile dauern. „Für den 7. Juni wird das kaum möglich sein“, so Klose. Das Datum haben sich rechtsextreme Kameradschaften offenbar ausgeguckt, um Dresden zu provozieren. Übrigens zehn Tage vor dem 17. Juni, den Neonazis ebenfalls seit Jahren in Dresden missbrauchen. Am 7. Juni planen sie, den sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“ abzuhalten. Bisher fand der in Norddeutschland statt, mit jeweils mehr als 1.000 Teilnehmern. „Da dürfen wir als Bürgergesellschaft nicht zuschauen“, sagt Klose. Deshalb müsse für den 7. Juni ein anderer Weg gefunden werden. So weit sei Klose mit der AG aber noch nicht. Das nächste Treffen ist im März geplant.

Da sind die Blockierer schon einen Schritt weiter. Es soll bereits eine Gesprächsrunde unter dem Namen „Gegenstand.Rassismus“ geben. Ein breites Spektrum von Neonazigegnern, das sich speziell um den 7. Juni in Dresden kümmert. In diese Runde will Lang sich nun verstärkt einbringen. Konkrete Planungen gibt es aber noch nicht. Ebenso stecke das Bündnis nazifrei in den Auswertungen des 12. und 13. Februar dieses Jahres, deshalb könne Lang noch nicht sagen, wie beispielsweise künftig auch kurzfristig mehr Blockierer Neonaziaufmärsche verhindern sollen. „Wir haben in den ersten Auswertungen eher festgestellt, dass einiges im Argen liegt“, so Lang: „Wenn 50 bis 80 Nazis sich relativ unbehelligt auf dem Heidefriedhof bewegen und sie sich in die Menschenkette einschleichen, sind das für uns keine guten Zeichen.“ Speziell zur Menschenkette, die die AG organisiert, sagt Klose: „Wir können keinem die Gewissensfrage stellen. Eine Unterwanderung der Kette ist nicht komplett zu verhindern. Vielmehr darf sie nicht politisiert werden.“ Er fordert, dass Plakate und Transparente in der Kette künftig generell untersagt werden.