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Freital

Mentale Geschichten in der F1-Galerie

Für Sebastian Vorein aus Dresden ist alles „Kopfsache“. Im Technologiezentrum Freital zeigt er seine Grafiken und Plastiken.

Sebastian Vorein beschließt mit seiner Ausstellung die F1-Galerie im Technologiezentrum Freital in den bisherigen Räumen.
Sebastian Vorein beschließt mit seiner Ausstellung die F1-Galerie im Technologiezentrum Freital in den bisherigen Räumen. © Andreas Weihs

Fünfzig Köpfe und kein bisschen schlauer. Das Gehirn läuft heiß und wahlweise grün oder rot an, spuckt aber kein gescheites Ergebnis aus. Wohin auch mit all den Meinungen, dem Wissen und den Vermutungen, der Flut an Informationen. 

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Wer kann sich schon verbalen Verführungen erwehren, den in Worten verpackten Manipulationen. Ein Wust von Köpfen unterschiedlicher Präsenz ergeben in den zweifarbigen Lithografien von Sebastian Vorein einen bis zum Deckel vollgepackten Schädel. Der Dresdner Künstler geht in seiner Serie „verkopft“ der Frage nach, wie viele verschiedene Persönlichkeiten eigentlich in uns stecken. Aber welche ist die wahre?

Eine Antwort gibt Vorein nicht, wohl aber Anregungen, über das Thema nachzudenken und zu disputieren. Jeder mit seinen eigenen Persönlichkeiten oder besser noch mit anderen außerhalb des eigenen Ichs. „Kopfsache“ heißt seine Ausstellung mit Grafiken und einigen „Charakterköpfen“ aus Ton und Bronzeguss in der F1-Galerie im Technologiezentrum Freital. Eine fein arrangierte Schau, die sich als weniger kopflastig entpuppt, als mancher angesichts des Titels meinen könnte. Denken kann auch unterhaltsam sein.

Über die vom Künstler mit schwarzen und roten Kreidemarkern bemalten Galeriefenster nehmen Voreins Köpfe Kontakt zur Außenwelt auf. Vorbeifahrende Busse wiederum senden mittels gespiegeltem Sonnenlicht Signale der Verständigung nach innen – in Form von Schattenspielen der Bilder auf dem Glas, die über die Wände wandern und im Nichts verschwinden.

Sebastian Vorein, gerade vierzig geworden, stammt aus Bad Elster, studierte an der Technischen Universität Dresden, unter anderem bei Roland Unger, und arbeitet seit elf Jahren als Kunstlehrer in der HOGA-Schule in Dresden-Dobritz. Der freien Kunst widmet sich Vorein seit seiner Jugend, mit 23 gründete er die Künstlergruppe „Raum 308“. Damals malte er noch mit Farben auf Presspappen, aus Platzgründen, wie er sagt, entdeckte er aber einige grafische Drucktechniken für sich. Heute arbeitet er bevorzugt mit Linolschnitten, Serigrafien und Lithografien, meistens zweifarbig, er bevorzugt Schwarz und Rot. Mit Bleistift und Farbstift entstehen oft kleinformatige Skizzen als Vorarbeiten, die aber auch, wie die in Freital gezeigte ursprünglich sechzehnteilige Serie „Kopfgeburten“ gültige Arbeiten sein können.

Der Künstler, der in der Südvorstadt nahe der Uni wohnt, hat im riesa efau ein Atelier und nutzt dort die Druckwerkstatt für seine Bilder. Seinen ausgeprägten Strich, der stets ein wenig wuselt und die Form verlässt, haben Zeichner wie Max Schwimmer, Gerhard Kettner oder Max Uhlig beeinflusst, aber auch ein bisschen Picasso steckt da manchmal drin. Vorein versteht sein Handwerk und überzeugt mit der Umsetzung seiner Bildideen. Nach heimatlichen Motiven widmet er sich seit ein paar Jahren mentalen Geschichten, versinnbildlicht in des Menschen schwierigstem und umstrittenstem Körperteil: dem Kopf.

„Es sind Seelenbilder“, sagt Sebastian Vorein, der in seinen Drucken eigene Erlebnisse verarbeitet, auch schmerzliche, wie die Trennung von der Mutter seiner jetzt vierjährigen Tochter. In solchen Fällen ist auch er manchmal „verkopft“ und lässt den „Gedankenkreisel“ rotieren.

Bis 13. September, freitags 14 bis 18 Uhr, Midissage mit Musik und Literatur am 6. September, 18 Uhr. Weitere Informationen gibts im Internet unter www.vorein.com