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Dresden

Vor 90 Jahren: Erstes Menuhin-Konzert

Der große Künstler Yehudi Menuhin hat die Stadt an der Elbe immer wieder besucht. Zu den Deutschen hatte er ein besonderes Verhältnis.

Yehudi Menuhin im September des Jahrse 1944
Yehudi Menuhin im September des Jahrse 1944 © Benoit Tessier/Reuters Pool/AP/dpa

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Der erst zwölfjährige Geiger Yehudi Menuhin machte vor 90 Jahren in Dresden seine Aufwartung. Das musikalische Wunderkind aus den USA gab am 17. April 1929 ein Konzert mit der Staatskapelle. Fritz Busch stand am Dirigentenpult. Auf dem Programm standen Werke von Bach, Beethoven und Brahms. Nach dem Konzert soll Albert Einstein gesagt haben: „Nun weiß ich, dass es einen Gott im Himmel gibt.“ Zuvor hatte Menuhin schon bei den Berliner Philharmonikern begeistert und damit endgültig den Durchbruch in Europa geschafft.

Yehudi Menuhin galt als einer der größten Geiger des vergangenen Jahrhunderts und zudem als ungewöhnlicher Mensch. Er wurde am 22. April 1916 in New York als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren und debütierte siebenjährig vor 9 000 Besuchern in San Francisco. Mit zehn spielte er in Paris, mit elf in der New Yorker Carnegie Hall. Er hat viele der Großen gekannt und für viele von ihnen gespielt - Toscanini, Busch, Furtwängler und auch Karajan.

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Der Jude Menuhin hatte eine besonders freundliche Beziehung zu Deutschland und den Deutschen und wirkte nach Ende des Zweiten Weltkriegs versöhnend. In mehr als 500 Konzerten hatte Menuhin für die alliierten Streitkräfte und das Rote Kreuz gespielt. 1945 trat er vor den Befreiten des KZs Bergen-Belsen auf, im zertrümmerten Berlin spielte er demonstrativ unter dem angefeindeten Wilhelm Furtwängler. Und Menuhin war der erste, der nach dem Krieg in Jerusalem mit Werken deutscher Komponisten auftreten konnte. Er verstand sich immer auch als politischer Mensch und setzte sich für Menschenrechte in der UdSSR und in China ein, als das noch nicht opportun war.

Im März 1961 gab der 44-jährige Menuhin in Dresden im Großen Haus ein Konzert mit der Staatskapelle unter Kurt Sanderling. Zur Aufführung kam Beethovens Violinkonzert. Im Januar 1989 dirigierte er in der Semperoper Werke von Bach, Mozart und Bartok. Am 12. März 1999 starb der Künstler in Berlin.