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Merkel im Nonstop-Wahlkampf

In nur zweieinhalb Wochen entscheidet Niedersachsen über einen neuen Landtag. Die Kanzlerin tritt in Hildesheim auf - der niedersächsische CDU-Herausforderer Althusmann kann die Unterstützung gut gebrauchen.

© dpa

Doris Heimann

Hannover. Nur drei Tage nach der Bundestagswahl muss Angela Merkel wieder in den Wahlkampf. Der Rechtsruck und die Wahlklatsche für die Union sind noch nicht verdaut, schwierige Gespräche über die Bildung einer Jamaika-Koalition stehen an. Die Kanzlerin hätte eigentlich besseres zu tun, als in einer zugigen Halle in einem Industriegebiet in Hildesheim in die Bütt zu steigen. Doch am 15. Oktober wählt Niedersachsen einen neuen Landtag. Und mit Merkels Auftritt am Mittwochabend eröffnet die Landes-CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Bernd Althusmann (50) die heiße Phase des Landtagswahlkampfes.

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Fünf Mal wird die Kanzlerin in den kommenden zweieinhalb Wochen in das Bundesland reisen, um Althusmann in seinem Rennen gegen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zu unterstützen. Die Termine für die Merkel-Besuche stehen seit Wochen fest. Die SPD dagegen hat vor der Bundestagswahl ihre Top-Besetzungen für die Großkundgebungen nicht mitgeteilt.

Niedersachsen ist das einzige Flächenland, das noch von Rot-Grün regiert wird. Die CDU hofft, bald die Macht in Hannover übernehmen zu können. Aus den drei Landtagswahlen, die es bislang in diesem Jahr gegeben hat, ging sie als Siegerin hervor. Im Saarland behauptete sich CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. In Schleswig-Holstein besiegte CDU-Herausforderer Daniel Günther den Amtsinhaber Torsten Albig (SPD). Zugleich gelang es Armin Laschet in Nordrhein-Westfalen, die rot-grüne Landesregierung von Hannelore Kraft (SPD) mit einem schwarz-gelben Bündnis abzulösen.

In Niedersachsen kann die CDU laut Umfragen damit rechnen, mit 37 Prozent der Stimmen stärkste Kraft zu werden (SPD: 32 Prozent). Dennoch ist die Situation in dem Bundesland eine besondere. Die Neuwahl ist deshalb nötig, weil im August die grüne Landtagsabgeordnete Elke Twesten zur CDU übergelaufen war. Das brachte Rot-Grün um die Mehrheit - und schürte jede Menge böses Blut zwischen den Parteien. SPD und Grüne werfen der CDU eine Intrige vor. Eine Ansicht, die viele Menschen in Niedersachsen teilen.

Dem CDU-Spitzenkandidaten Althusmann hat Twestens Wechsel geschadet. Seine Zustimmungswerte sackten danach um 10 Punkte auf 24 Prozent ab. Ohnehin ist die Wahlkampagne des ehemaligen Bundeswehroffiziers und promovierten Pädagogen nur schleppend angelaufen. Jetzt hat ihm auch noch das Ergebnis der Bundestagswahl gezeigt, dass er seinen Traum von Schwarz-Gelb vergessen kann. In Niedersachsen zeichnen sich für die CDU die gleichen Optionen ab wie im Bund: Entweder eine große Koalition mit der SPD oder ein Jamaika-Bündnis mit FDP und Grünen. Doch die Gräben zwischen den Lagern in Niedersachsen sind tief. Und auch deshalb wird Althusmann den Beistand der Bundeskanzlerin dringend brauchen. (dpa)