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Merkel: Streit über Managerbezüge keine Neiddebatte

Die Wirtschaft nimmt die Kritik an überzogenen Managergehältern und -abfindungen ernst, lehnt aber gesetzliche Regelungen zur Begrenzung strikt ab.

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Berlin - Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte am Dienstag auf dem Arbeitgebertag in Berlin, Fehlentscheidungen von Managern, die ein Unternehmen bedrohten, dürften nicht mit Millionen-Abfindungen abgegolten werden. „Wer aber glaubt, das per Gesetz regeln zu können, ist auf dem Holzweg.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte die Wirtschaftsführer, den Streit über hohe Managergehälter als Neiddebatte abzutun und unter den Tisch zu kehren. Es sei keine gute Entwicklung, wenn nur noch 15 Prozent der Bürger glaubten, es gehe gerecht zu in Deutschland.

Merkel sagte vor den mehr als 1000 Unternehmensführern, es gebe ein großes Unwohlsein in der Gesellschaft, wenn Manager Risiken für ihr Unternehmen heraufbeschwörten, dann aber ohne persönliches Risiko davonkämen. Auch sie sei gegen gesetzliche Obergrenzen bei der Bezahlung von Managern. Aber vielleicht könne die „Cromme- Kommission“, die Regeln für gute Unternehmensführung ausarbeitet, weiterentwickelt werden, schlug Merkel vor. Die Kanzlerin hatte beim CDU-Parteitag vor einer Woche einzelne Manager kritisiert, die trotz schlechter Leistung hohe Gehälter ober Abfindungen kassieren.

Hundt sagte auf dem Arbeitgebertag, es mache nachdenklich, wenn der Eindruck entstehe, dass die Mitarbeiter mehr am Wohl ihres Unternehmens interessiert seien als die Vorstände oder mancher Betriebsratschef. Insgesamt gehe die Wirtschaft aber verantwortungsvoll mit Managergehältern um. Diese seien im internationalen Vergleich nicht überhöht.

SPD-Chef Kurt Beck kritisierte im MDR, die Kanzlerin habe auf dem Parteitag ziemlich heftige Töne angeschlagen und jetzt sei das offenbar nicht so gemeint gewesen. Beck zeigte sich optimistisch, dass die SPD-Arbeitsgruppe zum Thema Managergehälter Möglichkeiten zur stärkeren Regulierung finde. Es habe aber niemand gefordert, die Managergehälter nach oben einfach zu deckeln. Der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgruppe, Joachim Poß, sagte im Deutschlandfunk, Abfindungen oder Einkommen im zweistelligen Millionenbereich würden von der Bevölkerung zu Recht als unangemessen eingeschätzt. „Es ist teilweise sittenwidrig.“

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer (CDU), sagte in der ARD, man könne nur an Vorstände und Aufsichtsräte appellieren, Bezüge an den Unternehmenserfolg zu koppeln. Unbestritten ist auch bei der FDP, dass bei Manager- Entlohnungen manche Entwicklungen zu Recht auf wenig Zustimmung in der Bevölkerung treffen. „Wenn jemand gehen muss, weil er im Unternehmen erfolglos war, darf er nicht noch hohe Abfindungen kassieren“, sagte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel der „Sächsischen Zeitung“ (Dienstag). Der Staat solle sich aber aus der Lohnfindung heraushalten.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger forderte, die Hauptversammlungen über die Einkünfte mitentscheiden zu lassen. „Ich könnte mir schon vorstellen, dass das mehrheitsfähig ist“, sagte ihr Vorsitzender Klaus Schneider im Saarländischen Rundfunk. In Großbritannien werde dieses Modell „mit großem Erfolg praktiziert“. Damit sei nicht mehr „der Aufsichtsrat allein maßgeblich in der Festsetzung der Vorstandsvergütung“. Der Essener Ökonom Rainer Kambeck warnte in einem dpa-Gespräch vor vorschnellen gesetzlichen Regelungen. Nach seiner Ansicht sollten die zuständigen Gremien in den Unternehmen selbst dafür Sorge tragen, dass „Fehlentwicklungen in der Vergütung“ erkannt werden. „Da sind zunächst einmal die Aktionäre und Aufsichtsräte in der Pflicht.“ (dpa)