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Merkels Mann für schwierige Missionen

Nach den schweren Wahlverlusten kommen auf Unionsfraktionschef Volker Kauder schwierige Aufgaben zu.

© dpa

Jörg Blank

Berlin.Er gilt als großer Freund der freien Rede. Im Bundestag geht Volker Kauder so gut wie nie mit Sprechzettel ans Pult. Bei seinen Scharmützeln ficht er verbal nicht nur mit dem Florett, gern greift er auch mal zum Säbel, um den politischen Gegner in die Schranken zu weisen. Das dürfte auch künftig nicht anders werden, wenn die AfD-Abgeordneten im Plenum sitzen.

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Kauder gehört zu den engsten Vertrauten von CDU-Chefin Angela Merkel, nicht erst, seit sie 2005 Kanzlerin wurde. In der Auseinandersetzung mit der AfD könnte er noch wichtiger für sie werden. Am Dienstag wurde der 68-Jährige im Amt bestätigt – mit 180 von 239 Stimmen.

Vor der Bundestagswahl gab es Spekulationen, Kauder könne auf den wichtigen Posten des Parlamentspräsidenten wechseln. Nachdem Norbert Lammert (CDU) nicht mehr für den Bundestag kandidiert hat, ist das wichtige Parlamentsamt für die nächste Legislatur vakant. Dem robusten Fraktionsvormann Kauder wurde in der Union zugetraut, als Bundestagspräsident den richtigen Ton gegenüber der AfD zu finden. Doch er will lieber Fraktionschef bleiben. Auch einen Wechsel ins Kabinett hatte der Baden-Württemberger immer dankend abgelehnt.

Schon seit Anfang 2005 ist Kauder – länger als alle seine Vorgänger – Chef der Unionsfraktion. Seit 1990 sitzt er im Bundestag. Von 2002 bis 2005 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion.

Nicht nur die Auseinandersetzung mit der AfD wird in den nächsten Monaten zu einer der wichtigen Aufgaben Kauders gehören. Gerade in einer wegen des miesen Wahlergebnisses womöglich murrenden Fraktionsgemeinschaft mit der CSU dürften seine ausgleichenden, aber manchmal auch bollernden Qualitäten für Merkel und Seehofer wichtig werden.

Und auch falls es am Ende tatsächlich zur ersten Jamaika-Koalition im Bund mit CDU, CSU, FDP und Grünen kommt, wird Kauder Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsstärke zugleich beweisen müssen, wenn er der Kanzlerin Mehrheiten für ungeliebte Kompromisse mit den neuen Partnern beschaffen will. Zugleich dürfte dann eine der zentralen Aufgaben Kauders sein, den Koalitionsfrieden zu sichern. (dpa)