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Messer, Gabel und Trinkhalm aus Plastik sollen vom Tisch

Die EU-Kommission will einige Alltagsgegenstände verbannen, um die Umwelt zu schützen. Aber wird das etwas nützen?

© dpa

Von Detlef Drewes, SZ-Korrespondent in Brüssel

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Die Grillparty der Zukunft sieht wohl etwas anders aus. Kein Kartoffelsalat mehr auf Plastiktellern, kein Kampf mehr mit Plastikmessern und -gabeln gegen zähe Steaks, keine Plastikstrohhalme in der Limo. Die EU-Kommission forderte am Montag ein Verbot solcher Wegwerfware, um die Meere besser vor Plastikmüll zu schützen. Denn dort treiben bis zu 140 Millionen Tonnen Plastikmüll. Für die Beseitigung der Umweltschäden sind laut EU-Kommission bis 2030 rund 22 Milliarden Euro nötig. Nun schreitet Brüssel ein.

Kommt jetzt endlich ein Plastikverbot?

Ja und Nein. Die Brüsseler EU-Kommission sieht ihren Vorstoß eher als Bann, um Plastik zu ersetzen. Das dürfte bei den Produkten, die als Erstes betroffen sind, auch kein Problem sein.

Um welche Produkte geht es denn?

Verboten werden sollen Produkte, für die es Alternativen gibt: Im Mittelpunkt stehen zehn alltägliche Kunststoff-Erzeugnisse, die aber für rund 70 Prozent des Mülls an Stränden verantwortlich sind. Im Einzelnen handelt es sich um Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonhalter aus Kunststoff. Alle diese Gegenstände könnten durch umweltschonendere Materialien ersetzt werden. Anders gesagt: Nichts gegen einen Strohhalm, wenn er tatsächlich aus Stroh wäre. Die Hersteller sollen künftig an den Kosten für die Entsorgung dieser Gegenstände herangezogen werden: Behälter, Tüten und Folienverpackungen für Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Süßigkeiten, Getränkeflaschen und -becher, Zigarettenstummel, Feuchttücher, Luftballons und leichte Kunststofftragetaschen. Einweg-Plastikflaschen müssen bis 2025 zu 90 Prozent recycelt werden.

Werden Kennzeichnungen geändert?

Ja. Hygiene-Einlagen, Feuchttücher und Luftballons müssen künftig Hinweise auf die Auswirkungen für die Umwelt haben, weil man den Verbraucher für das Risiko von Kunststoffabfall sensibilisieren will. Übrigens geht die Kommission auch gegen die Hersteller von Fischfanggeräten vor. Vor allem herrenlose Netze aus Kunststoff hat man hier im Visier. Die Hersteller sollen Vorgaben erhalten, um auch diese Produkte zu ersetzen. Alle Häfen müssen nach Inkrafttreten Entsorgungsanlagen für unbrauchbar gewordene Netze vorhalten.

Bringt das wirklich was?

Die Kommission verweist auf den Erfolg ihrer Kampagne gegen Plastiktüten, die man häufig beim Einkauf bekam. Seit Inkrafttreten dieser Verordnung ging der Verbrauch in der EU um rund 50 Prozent zurück. Das wirtschaftsnahe Centrum für Europäische Politik beklagt jedoch, die Kommission schieße mit den Verboten übers Ziel hinaus und schränke die Wahlfreiheit der Verbraucher ein. Ähnlich sieht das der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber: Die Kommission kümmere sich hier um Schnickschnack. Die Grünen finden die Pläne hingegen gut, aber nicht ausreichend. Entscheidend seien Reduzierung des Verpackungsmülls und höhere Recyclingquoten.

Ab wann sollen die Verbote gelten?

Das kann Jahre dauern. Zunächst ist es nur ein Vorschlag, der nun mit dem EU-Parlament und den EU-Staaten geklärt werden muss. Vor der Europawahl 2019 wird das knapp.

Warum ist Plastik denn so gefährlich?

Das hat vor allem mit der Tatsache zu tun, dass Kunststoff langlebig ist. Eine dünne Plastiktasche für Obst beispielsweise wird nur ein paar Minuten genutzt, landet danach aber ins feine Partikel für die nächsten 500 Jahre im Meer. Da viele Fische diese Reste aufnehmen, landet das Plastik am Ende wieder in der Nahrungskette. Die genauen gesundheitlichen Risiken, die dieser Kreislauf mit sich bringt, sind noch nicht genug erforscht.

Kommt eine Plastiksteuer?

Es geht nicht um eine Steuer, sondern um einen Anreiz, die Vermeidung von Plastikmüll engagierter anzugehen. Der für den Haushalt verantwortliche EU-Kommissar Günther Oettinger hatte das Instrument vorgeschlagen, nicht nur um die EU-Einnahmen zu erhöhen, wie er gestern betonte, sondern um den Verbrauch an Einweg-Kunststoffen zu senken. Sein Vorschlag sieht vor, dass ein Mitgliedstaat, der die Recyclingquoten für Plastik verpasst, 80 Cent pro Kilo nicht wiederverwertetem Kunststoff an die EU-Kasse zahlt. Dies könnte, so rechnet man im Umfeld Oettingers, zwischen vier und acht Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen erbringen, die aber weniger werden sollen.

Ist ein Trinkhalmverbot nicht albern?

Zum einen ist der Trinkhalm sicherlich ein Symbol. Zum anderen aber stellt er tatsächlich ein gravierendes Umweltproblem dar. In den 28 EU-Staaten werden pro Jahr sage und schreibe 26,4 Milliarden solcher Halme hergestellt. Rein rechnerisch benutzt also jeder EU-Bürger im Jahr 71 Halme. Da diese im Müll und viele davon im Meer landen, handelt es sich durchaus um eine Belastung des Wassers und anschließend auch für den Menschen. (mit dpa)

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