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Messerangriff im Einfamilienhaus

Um an Geld für Drogen zu kommen, brechen Albaner in Häuser ein. In Radebeul werden sie von Bewohnern überrascht.

© Symbolbild/dpa

Von Jürgen Müller

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Meißen. Das mondäne Einfamilienhaus in bester Radebeuler Lage wird von einem hohen Zaun und zusätzlich einer rund drei Meter hohen Hecke umschlossen. Das vergitterte Eingangstor ist verschlossen. Kein Hindernis für zwei Albaner, denn genau dieses Haus haben sie sich für ihre Diebeszüge ausgesucht. Am 2. Februar dieses Jahres brechen sie dort ein, hebeln mit einer Eisenstange die Tür auf. Aus dem Wohnzimmer stehlen sie eine Fotoausrüstung im Wert von 6 300 Euro. Und auch im Schlafzimmer machen sie richtig Beute. Aus mehreren Schachteln entwenden sie Schmuck für fast 15 000 Euro. Als die Täter ihr Werk fast vollendet haben, die Treppe hinuntergehen, kommt etwas dazwischen. Die Wohnungsinhaber sind eingetroffen, überraschen die Einbrecher. Einer von ihnen soll mit einem Messer auf den Mann eingestochen haben. Doch weil dieser eine dicke Winterjacke anhat, dringen die Stiche nicht durch. Als der Täter sieht, dass die Frau des Wohnungsinhabers zum Telefon greift, lässt er von dem Mann ab und wendet sich der Frau zu. Mit dem Messer in der Hand schlägt er ihr das Telefon aus der Hand. Die Frau erleidet eine Stichwunde und bricht sich einen Finger. Dann flieht der Messerstecher durch ein Küchenfenster, der Angeklagte will mit dem vollen Rucksack hinterher, doch der Wohnungsinhaber hält ihn fest, während ihn sein Komplize von draußen rauszuziehen versucht. Der Mann verliert Mütze und Schuhe, doch letztlich gelingt ihm samt Beute die Flucht.

Seit Dienstag muss er sich nun vor dem Landgericht Dresden wegen schweren räuberischen Diebstahls verantworten. Gefasst wurde er zwei Wochen nach dieser Tat bei einem erneuten Einbruch, diesmal in Dresden. Mit zwei unbekannten Mittätern hatte er zunächst die Scheibe des Gästezimmers eines Hauses eingeschlagen. Doch das Haus ist alarmgesichert. Als die Sirene aufheult, hauen die Täter ab. Kurz darauf versuchen sie es woanders, hebeln ein Kellerfenster auf, stehlen 2 500 tschechische Kronen und Silberlöffel im Wert von 50 Euro. Der 24-Jährige steht „Schmiere“, wird von der Polizei verhaftet. Als Einziger steht er nun vor Gericht, alle anderen Täter sind unbekannt, laufen frei herum.

Ganz viele Zufälle

Die Taten in Dresden streitet er ab. Er sei zufällig in der Nähe des Tatortes spazieren gewesen, als ihn die Polizei festnahm, sagt er. Mit dem Einbruch habe er nichts zu tun. Die Radebeuler Tat räumt er ein, verharmlost aber seine Rolle. Er haben den „Kollegen“ zufällig in einem Park in Dresden getroffen. Zufällig habe der Crystal dabei gehabt und ihm gegeben. Weil er kein Geld hatte, habe der „Kollege“ gesagt, er solle einfach mitkommen, er wisse, wie er zu Geld käme. Zu Fuß sei man von Dresden nach Radebeul gegangen, zufällig vor diesem Haus gelandet, vor dem zufällig auch noch eine Eisenstange lag. Mit dieser habe man ein Fenster geöffnet. Sein Mittäter habe kein Messer gehabt, sondern mit der Eisenstange geschlagen. „Ich sagte, tu` da nicht, aber er hat nicht auf mich gehört“, erzählt er. Der Frau habe der Mittäter das Telefon „aus der Hand genommen“, sie aber nicht geschlagen. Woher sie dann eine Schnittwunde habe, will die Vorsitzende Richterin Michaela Kessler wissen. Er zuckt mit den Schultern.

Den Mittäter kenne er nicht, er habe ihn nur zweimal gesehen. Er nennt einen Namen. Der Mann sei auch Albaner, habe jedoch „zu Aufenthaltszwecken“ griechische Papiere. Seinen eigenen Tatbeitrag spielt er herunter. „Ich bin ihm nur hinterhergelaufen, war dabei und habe die Tasche aufgehalten.“ Die gesamte Beute habe er seinem „Kollegen“ überlassen.

Nach eigenen Angaben hat der 24-Jährige in Albanien das Gymnasium besucht und zwei Jahre Wirtschaftswissenschaften studiert. Dann habe er hingeschmissen. „Die Dozenten waren alle korrupt. Ich sollte für jede Prüfung bezahlen“, sagt er. Das Geld habe seine Familie nicht gehabt. Für einen Flug von Griechenland nach Berlin reicht es aber. Hier stellt er einen Asylantrag, kommt in eine Erstunterkunft nach Chemnitz, später nach Dresden.

Als sein Asylantrag abgelehnt wird, taucht er unter, lebt ein Jahr in Dortmund. Dort lernt er eine Frau kennen, die ihn auch finanziell aushält. Dann kommt er nach Dresden zurück. „Ich hatte Sehnsucht nach der Stadt“, sagt er auf eine Frage von Staatsanwalt Andreas Riedemann. Er sei nach Deutschland gekommen, weil er ein besseres Leben haben wollte. „Ich bin kein Wirtschaftsflüchtling, hatte gehofft, dass ich Arbeit finde“, sagt der Mann, der noch nie in seinem Leben gearbeitet und noch nie eigenes Geld verdient hat, zudem drogenabhängig ist. Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt. Das Gericht hat vorerst drei weitere Verhandlungstage terminiert. Ein Urteil wird für Mitte Oktober erwartet. Dem Angeklagten droht eine mehrjährige Haftstrafe.

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