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Mieter wollen nur Familien

Am Monatsende könnten 15 Flüchtlinge in vier Wohnungen der WGH einziehen. Die Genossenschaftler äußerten ihre Ängste und Bedenken.

© Symbolbild/Robert Michael

Von Sylvia Jentzsch

Hartha. Einige Mieter der Wohnungsgenossenschaft Hartha (WGH) waren gestern Nachmittag ganz schön aufgebracht. In den Wohnblöcken, in denen sie schon mehrere Jahrzehnte leben, sollen Asylsuchende untergebracht werden. Vorerst stellt die WGH vier Wohnungen zur Verfügung, in die 15 Personen einziehen sollen. Diese befinden sich in den Wohnblöcken an der Straße der Jugend 28 bis 34 und an der Straße des Friedens 9 bis 17. Ausgewählt wurden diese, weil sie mit keinem oder wenig Aufwand kurzfristig vermietet werden können.

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„Warum wird gerade die Wohnung über uns zur Verfügung gestellt. Wir haben in der Vergangenheit schon zweimal sehr schlechte Erfahrungen gemacht. In unserem Alter will man seine Ruhe haben. Es gibt viele andere Wohnungen, in die die Asylsuchenden ziehen können“, sagte ein Mieter aus dem Block an der Straße der Jugend. Er könne die Entscheidung der WGH nicht akzeptieren.

Ein anderer schlug vor, eine Vollversammlung der Genossenschaftler einzuberufen. Schließlich sei die Unterbringung der Asylsuchenden ein Problem der gesamten Genossenschaft. Die Bewohner des Blocks an der Straße des Friedens äußerten Bedenken, dass die ausländischen Bürger die Gasheizung nicht richtig bedienen und es deshalb zu großen Schäden kommen könnte.

Das Schlimmste für die Mieter ist die Ungewissheit, wer in die Wohnung einzieht

Die Anwesenden erfuhren, welche Wohnungen für die Asylsuchenden zur Verfügung gestellt werden. „Wir brauchen hier nicht mehr zu diskutieren. Es steht also schon fest?“, fragte einer der Anwesenden. „Ja. Wir haben sie eingeladen, um miteinander zu reden. Sie sollen ihre Sorgen und Ängste auch zum Ausdruck bringen können“, so der Vorstand der WGH Jörg Keim. Auch Pfarrerin Maria Beyer war anwesend, da sie sich schon in den „bunten Häusern“ von Waldheim umgesehen hat, in denen seit einigen Monaten Asylsuchende leben, ohne dass es Probleme gibt. Das Schlimmste sei die Ungewissheit, wer in die Wohnung einziehe sowie ob und wie sich die Leute integrieren“, so die Pfarrerin.

„Wir sagen nicht, wir wollen keine Ausländer, aber wir wollen Familien und keine jungen Männer. Davor haben wir Angst“, so die Mieter des Blocks an der Straße des Friedens. Sie fragten nach, ob der Vorstand das beeinflussen kann. Schließlich könne er sagen, dass er die Wohnungen nur vermiete, wenn Familien einziehen, so ihre Meinung. „Ich werde diese Forderung dem Unternehmen, das für die Unterbringung und Betreuung der Asylsuchenden zuständig ist, mitteilen. Aber wirklich Einfluss habe ich nicht“, so Jörg Keim.

Viele der vorwiegend älteren Mieter haben die Bilder, die vor allem im Fernsehen gezeigt werden und die damit verbundenen Ängste im Kopf. Wer hilft uns, wenn wir mit den Leuten nicht klar kommen und sie sich nicht benehmen können?“, fragte eine Frau. „Sie sollten die Asylsuchenden erst einmal persönlich kennenlernen und dann ihr Urteil bilden“, so die Pfarrerin.