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„Mieterhöhungen sind kein Thema“

Der größte Gröditzer Vermieter hat einen neuen Vorstand. Die SZ hat mit ihm gesprochen.

© Lutz Weidler

Gröditz. Mehr als 1 600 Wohnungen und knapp 1 500 Mitglieder – die Wohnungsgenossenschaft Gröditz (WGG) ist der größte Vermieter der Röderstadt. Mit Bauingenieur Falk Ebert (44) hat die WGG jetzt ein neues Vorstandsmitglied. Ebert folgt auf Jürgen Bitriol, der nach 40 Jahren im Unternehmen und langjähriger Vorstandsarbeit in den Ruhestand gewechselt ist. Neben Falk Ebert gehört auch Gabriele Becker (55) zum Vorstand, sie arbeitet seit 2008 an der WGG-Spitze. Mit dem Leitungsduo hat die SZ über geplante Investitionen, Mietschulden und die Lage am Gröditzer Wohnungsmarkt gesprochen.

Frau Becker, Herr Ebert, glaubt man Experten, verliert Gröditz mehr Einwohner als andere Kommunen in der Gegend. Spüren Sie das als Wohnungsanbieter?

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Ebert: Ja, sicher. Wir verzeichnen etwa 20 Prozent Leerstand.

Ist das nicht sehr viel?

Ebert: Das ist leider kein Einzelfall bei den Wohnungsunternehmen in Sachsen.

Becker: Natürlich ist das sehr viel, liegt aber unter den prognostizierten Zahlen aus dem Stadtentwicklungskonzept.

Woran liegt es, dass es nicht so schlimm gekommen ist?

Ebert: Konzepte sind natürlich nur Pläne, die keiner Garantie unterliegen und von vielen Faktoren beeinflusst werden. Zum einen ist der Bevölkerungsrückgang vielleicht doch nicht ganz so groß. Zum anderen versuchen wir ja, gegenzusteuern.

Wie?

Ebert: Wir sind bestrebt, die Wünsche unserer Mieter zu erfüllen und die Wohnungen attraktiver zu gestalten. Ältere Leute wünschen sich zum Beispiel den Einbau einer Dusche statt einer Wanne. Junge Familien hätten gerne andere Grundrisse.

Ist bei so viel Leerstand Abriss keine Option, wie er derzeit in Riesa passiert?

Becker: Rückbau haben wir in den zurückliegenden Jahren durchgeführt. Es wäre wünschenswert, wenn die anderen Wohnungsunternehmen nachziehen würden. Die bisherigen Abrisse waren sehr teuer und aufwendig für unser Unternehmen, trotz Förderung vom Land. Weiterer Abriss ist derzeit nicht finanzierbar.

Ebert: In näherer Zukunft ist das für uns kein Thema.

Ein Thema, das Gröditz bewegt, ist Asyl. Asylbewerber wohnen aber bisher nur in den Blöcken der Kommunalen Wohnungsgesellschaft (KWG). Haben Sie sich dagegen gesperrt, Wohnungen für die Unterbringung anzubieten?

Becker: Nein, ganz und gar nicht. Wir haben an Beratungen dazu mit den Behörden teilgenommen und Wohnraum angeboten.

Ebert: Auch in Brandenburg, wir haben ja auch noch Objekte in Prösen. Es war aber bis jetzt kein Bedarf da.

Auf Ihrer letzten Mitgliederversammlung ging es um Mietschulden. Wie groß ist das Problem für die WGG?

Ebert: Es ist ein größeres Problem, da das Geld dringend für die Sanierung unseres Bestandes benötigt wird. Die Ursachen sind verschieden. Einige vergessen die Zahlung einfach. Manche Mieter haben Probleme mit verspäteten Lohnzahlungen. Wir kennen die Probleme unserer Mieter und können nur an jeden appellieren, keine Scheu zu haben und sich an uns zu wenden. Wir finden dann eine Lösung.

Becker: Wir arbeiten seit vielen Jahren auch mit Abtretungsvereinbarungen übers Jobcenter. Das klappt gut, wenn die Mieter mitarbeiten.

Gröditz hat seit 2014 einen Mietspiegel...

Becker: ... auf dessen Erstellung wir gedrungen haben.

Warum?

Becker: Um Vergleichsmöglichkeiten zu haben. Im Verhältnis zu anderen Wohnungsunternehmen in Sachsen waren die Mieten im unteren Bereich angesiedelt. Der Mietspiegel war Voraussetzung für die Mieterhöhung von 2015, die aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich war.

Werden die Mieten denn jetzt absehbar weiter steigen?

Ebert: Zurzeit besteht unsererseits kein Handlungsbedarf.

Wie steht die Genossenschaft insgesamt wirtschaftlich da?

Becker: Wir haben ein Unternehmenskonzept bis 2025, das Leerstand und Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt und jährlich fortgeschrieben wird. Dieses Konzept bescheinigt uns ein solides wirtschaftliches Handeln. Geholfen hat uns, dass wir Kredite umschulden konnten, aufgrund der derzeitigen günstigen Zinslage. Die dadurch erhöhte Liquidität wird zum Beispiel zur Tilgung der noch vorhandenen Verbindlichkeiten verwendet.

Bleibt bei so viel Schuldendienst noch etwas Geld übrig, um zu investieren?

Ebert: Wir investieren weiter kontinuierlich in den Bestand, dazu gibt es einen jährlichen Plan. Ein Vorhaben in diesem Jahr ist die Fassaden- und Balkonsanierung der Franz-Liszt-Straße 6-15 und Mozartallee 2-8, die sich nächstes Jahr fortsetzt. Da werden knapp 600 000 Euro investiert.

Becker: Wir befassen uns derzeit auch mit einem Projekt, einen Block komplett auf altersgerechte Bedingungen umzubauen. Die Maßnahme befindet sich noch in der Planung, um die Umsetzbarkeit zu prüfen. Denn so niedrig die Kreditzinsen sind, so hoch sind Baupreise.

Angesichts der schwierigen Lage vieler Wohnungsunternehmen hat der Vorstand der Gröditzer Wohnbau, Andreas Gottschling, eine Fusion ins Gespräch gebracht. Was halten Sie vom Zusammenschluss Gröditzer Großvermieter?

Becker: Wir sind zwar eine Genossenschaft und die Wohnbau auch. Eine Fusion der Wohnungsunternehmen lässt sich nach unserer Ansicht aber schwer umsetzen. Dazu gab es bereits Untersuchungen und Gespräche, mit dem Ergebnis, dass das für uns nicht durchführbar ist.

Ebert: Uns sind da keinerlei Pläne bekannt, neue Gespräche zu diesem Thema aufzunehmen. Grundsätzlich besteht eine gute Zusammenarbeit zwischen allen Gröditzer Wohnungsunternehmen. Dies ist für uns auch in Zukunft wichtig!

Es fragte: Eric Weser