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Milch und Rindfleisch werden teurer

Durch die Dürre im vorigen Jahr war das Futter knapp. Das macht sich jetzt an der Supermarktkasse bemerkbar.

Rindfleisch wird dieses Jahr wahrscheinlich teurer verkauft werden müssen als bisher. © dpa/Oliver Berg

Nach zwölf Jahren als Sachsens Bauernpräsident tritt Wolfgang Vogel in diesem Jahr nicht mehr zur Wiederwahl an. Er sei als „der letzte Grufti“ seit Gründung des Landesbauernverbandes noch im Amt, sagte der 66-Jährige am Freitag in Limbach-Oberfrohna. Doch ein so trockenes Jahr wie das vergangene habe er trotz seiner großen Erfahrung noch nicht erlebt, vielleicht einmal in den 70er-Jahren. Vogels Betrieb mit 400 Milchkühen steht in Grimma und damit nördlich der Linie Chemnitz-Dresden, an der sich voriges Jahr die Ernte-Aussichten teilten. Im nördlichen Sachsen hatten die Landwirte mit der Dürre zu kämpfen. Weiter südlich war die Ernte laut Vogel zwar auch schwächer, aber daraufhin stiegen die Getreidepreise und glichen die Einbußen in der Kasse aus.

Nun sagt Vogel voraus, dass auch Milch und Fleisch bald teurer werden. Sein Argument: Zwar hat er von keiner Pleite eines sächsischen Bauernhofs infolge der Dürre gehört, aber einige haben die Milchproduktion aufgegeben. Die besseren Kühe wurden verkauft, schwächere eher geschlachtet als üblich. Bald dürfte also die Milchmenge aus sächsischer Produktion sinken und damit der Preis steigen. Noch sei allerdings nichts davon zu spüren, räumt Vogel ein. Die Produktion liege eher noch „über der Vorjahreslinie“. Mancher Bauer hoffe auf ein zeitiges Frühjahr, um wieder an frisches Futter zu kommen. Doch das sei nicht sicher, und für Heu wurden zeitweise 100 statt 10 Euro pro 100 Kilo verlangt.

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Mehr als nur Kino

13 Filmemacher aus Sachsen haben den Freistaat auf den Kopf gestellt, von allen Seiten beleuchtet und in einzigartigen Kurzfilmen festgehalten. Im Kino werden sie nun zu einem besonderen Live-Erlebnis, das man gesehen haben muss.

Zunächst einmal sind auch die Fleischpreise nicht gestiegen – die Schlachthöfe spüren eher ein Überangebot, heißt es auch bei der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Ein Liter Vollmilch kostet im Laden ab 70 Cent, die Bauern bekommen etwa 32 Cent und damit etwa gleich viel wie vor einem Jahr. Vier bis fünf Cent mehr seien nötig, rechnet der Bauernpräsident vor. Sogar 45 Cent verlangt der kämpferische Bundesverband Deutscher Milchviehhalter.

Auch bei Milchprodukten sollen die Preise steigen. © Symbolfoto: dpa

Am Montag trifft Vogel den Molkereibesitzer Theo Müller, am Mittwoch die ostdeutschen Landwirtschaftsminister, die vor der Grünen Woche wieder über eine gemeinsame Haltung für die neuen Länder sprechen werden. Das gelinge ganz gut, sagt Vogel, der auch Vizepräsident im Deutschen Bauernverband ist. Er hat sich früh für Dürrehilfen anlässlich der „nationalen Katastrophe“ im vorigen Jahr eingesetzt und bekam nach eigenen Angaben rasch die Zusage vom sächsischen Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU), der früher mit im Vorstand des Landesbauernverbandes saß. Wie es weiterging mit dem Hilfsprogramm, damit ist Vogel trotzdem nicht zufrieden. 323 sächsische Bauernhöfe beantragten Geld vom Staat, insgesamt gut 33 Millionen Euro. Damit wurden die bereitgestellten 44 Millionen Euro nicht vollständig in Anspruch genommen.

Laut Vogel war die Not jedoch groß. Laut Vizepräsident Torsten Krawczyk trugen die Landwirte mehr als 90 Prozent der Schäden selbst. Dass Hilfsgeld übrig blieb und nun seit einigen Tagen erstmals auch Nebenerwerbslandwirten angeboten wird, lag nach Ansicht des Bauernverbandes an den strengen Bedingungen für den Antrag. Die Landwirte mussten nicht nur Einbußen von mindestens 30 Prozent nachweisen, sondern auch ihr Vermögen offenlegen. „Das gab es noch nie“, sagt Vogel. Nur existenzbedrohte Betriebe sollten Dürrehilfen vom Staat bekommen.

Wolfgang Vogel (l), Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen, und Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt begutachteten im Sommer die Getreideernte. © dpa/Sebastian Willnow

Allerdings erhält jeder Landwirtschaftsbetrieb in Sachsen in guten wie in schlechten Jahren pro Hektar Land 286 Euro aus der Kasse der Europäischen Union. Das wird auch noch einige Jahre so bleiben, sagt Vogel. Derzeit wehrt er sich erneut gegen Überlegungen in Brüssel, bei größeren Betrieben zu kürzen und Geld zu kleineren umzuverteilen. Der Bauernverband hat ausgerechnet, dass damit jährlich 15 bis 25 Millionen Euro weniger nach Sachsen fließen würden. Im März will Vogel den zuständigen Europa-Abgeordneten Herbert Dorfmann aus Südtirol bei einem Sachsenbesuch überzeugen, im Juni findet in Schkeuditz erstmals der Deutsche Bauerntag als große Mitgliederversammlung in Sachsen statt. Der Landwirt und Lobbyist Vogel hat noch viel zu tun, bevor im September sein Nachfolger gewählt wird. Seine Stellvertreter Torsten Krawczyk aus der Nähe von Döbeln und Tobias Kockert aus Wittichenau sind jung genug für eine mögliche Kandidatur.

Vogel bleibt bis Juni 2020 Vizepräsident in Deutschen Bauernverband und behält auch seinen Betrieb bei Grimma. Für das neue Jahr wagt er zur Ernte allerdings noch keine Prognose: „Wir haben unsere neue Saat in Staub gelegt“, sagt er. Der Raps-Anbau wurde um 15 Prozent verringert. Nun komme es darauf an, wie viel Flüssigkeit der Boden in den nächsten Monaten bekomme. In der Politik will sich Vogel weiter für Hilfsprogramme einsetzen: „Wir müssen jetzt Risikovorsorge treffen“, wann sonst, sagt Vogel. Er bleibt bei der Forderung, in guten Jahren die Steuern für Landwirte zu senken – und Zuschüsse zu einer freiwilligen Versicherung zu zahlen, trotz der schon vorhandenen Subventionen.