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Milde Strafe für Ex-Wirt

Ein Königsbrücker soll einen anderen auf der Straße in die Hand gestochen haben. Doch er hat kaum Erinnerungen daran.

© René Plaul

Von Nicole Preuß

Es ist ein Abend im Juli 2015. Ein Königsbrücker und seine Familie sitzen beim Abendbrot. Da klingelt es an der Tür. Der Hausherr öffnet. Ein langjähriger Freund des Königsbrückers steht vor der Tür. Der hat ein Auto für ihn verkauft und die 450 Euro für sich behalten. Es kommt zum Streit und zum Gerangel. Der 41-Jährige ist wütend - und sticht zu. So sieht es zumindest die Anklage der Staatsanwaltschaft, die jetzt bei der Verhandlung am Kamenzer Amtsgericht verlesen wurde.

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Der Mann hat angeblich keine Erinnerungen mehr daran. „Ich hatte ein Blackout, ich weiß nicht mehr“, sagt der Königsbrücker vor Gericht. „Ich weiß nur noch, dass der im Weggehen über die Motorhaube geflogen ist.“

Das mutmaßliche Opfer kann sich hingegen umso deutlicher erinnern. Der 25-Jährige fuhr zu dem Königsbrücker, um ihm das Geld zurückzugeben. „Der war angefressen“, sagt er. „Ich wollte Ärger aus dem Weg gehen.“ Er räumt ein, dass er zunächst nur 200 Euro dabei hatte und sie dem Königsbrücker vor die Füße warf. Doch das ließ sich der 41-Jährige nicht bieten. Wenig später kam das mutmaßliche Opfer dann mit der vollen Summe aus dem Verkauf – 450 Euro – wieder.

„Ich wollte gerade gehen, da klickte es hinter mir wie bei einem Springmesser oder so“, sagt das Opfer. Er drehte sich um und sah die Hand des Angeklagten auf sich zukommen. „Ich hab ihn dann noch abgewehrt mit meiner Hand“, sagt er vor Gericht. Dann spürt er einen Stich.

Das Kamenzer Krankenhaus, in das er fährt, bescheinigt eine kleine Schnittverletzung am rechten Daumen. Sie ist aber so unspektakulär, dass sich der Arzt in der Notaufnahme gar nicht mehr daran erinnert. Der Mediziner muss ebenfalls vor Gericht aussagen und hat sich dafür noch einmal die Akte angesehen. Die Schnittverletzung ist wenige Millimeter breit. „Das muss ein scharfer Gegenstand gewesen sein“, sagt der Arzt. Messer oder Gabel ist möglich. Er könnte aber auch an einer kaputten Glasscheibe hängen geblieben sein.

Vielleicht war es ja das Abendbrotmesser. Darauf bringt der Angeklagte das Gericht selbst. Er erinnert sich wieder, wie er nach oben in die Wohnung ging und seine Frau zu ihm sagte: „Leg das Messer weg.“ Oder hat sich das Opfer die Schnittwunde selbst zugefügt, zum Beispiel bei seiner Arbeit als Fliesenleger, wie der Anwalt des Königsbrückers zu Bedenken gab?

Der Richter blieb im Wesentlichen bei der Version des 25-jährigen Opfers und verurteilte den Angeklagten. Allerdings zu einer milden Strafe. Denn es berücksichtigte, dass die Schnittwunde klein war und innerhalb einer Woche verheilte. „Außerdem wertet das Gericht die Tat als spontane Entgleisung, die nicht wesenstypisch für den Angeklagten ist“, sagt Richter Thomas Kranke bei der Urteilsverkündung.

Der Königsbrücker ist nicht vorbestraft. Er führte lange eine Gaststätte, musste sie aber zumachen. Der Mann hat sich zudem vor Kurzem von seiner Frau getrennt und steckt in Sorgerechtsstreitigkeiten. Das Gericht warf ihm vor, Minimengen von Crystal und Ecstasy besessen zu haben. Die wurden bei einer Durchsuchung seiner Geschäftsräume in einer Laptoptasche gefunden. Doch den Besitz von Drogen bestreitet er. Die Polizei hat die gefundenen Pillen auch nicht im Labor untersuchen lassen, sondern anhand des Aussehens beurteilt. „Ich bin fertig“, sagte der Ex-Wirt. Nun muss er eine Geldstrafe zahlen. 900 Euro werden fällig. Das Urteil des Gerichts ist noch nicht rechtskräftig.