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Milliarden-Geschäfte mit E-Sports

Leipzigs „Dreamhack“-Festival war ein Mekka der Computerspieler – und der Industrie.

© dpa/Hendrik Schmidt

Von Sven Heitkamp

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Einmal im Jahr gehen auf der Leipziger Messe die Lichter aus: Zur „Dreamhack“, Deutschlands größter Computerspiele-Party. In zwei großen abgedunkelten Messehallen flimmern dann nur noch Bildschirme mit quirligen Spielen, in den Autorennen gefahren, Fußballturniere gespielt, Landschaften gebaut und Schlachten geschlagen werden. Dazwischen leuchtet Werbung großer Computerkonzerne und Elektronikhändler – und es werden von Jahr zu Jahr mehr Spieler, mehr Aussteller und mehr Turniere. Am Wochenende war bereits der Fernsehkanal Sport1 als Medienpartner mit am Start. Und das Geschäft rechnet sich: Bereits seit dem Start vor drei Jahren schreibe die Leipziger Messe mit ihren „Winterspielen der Gamer“ jedes Mal schwarze Zahlen, sagt Messe-Bereichsleiterin Silvana Kürschner. Kein Wunder.

Mehr Umsatz als Kino und Musik

Was in den 90er-Jahren als reine Zeitvergeudung verhuschter Nerds galt, ist heute ein Milliardenmarkt: Allein der Umsatz der 650 deutschen Games-Unternehmen lag 2015 bei 2,9 Milliarden Euro – mehr als die Musikindustrie und die Kinoproduktion zusammen. 14 000 Beschäftigte arbeiten heute in der Games-Branche. Bis zu 600 Absolventen schließen jedes Jahr ein Studium oder eine Ausbildung zur Games-Entwicklung ab, wie eine Studie zur Computer- und Videospielindustrie ergab. Und der spezielle E-Sports-Bereich, in dem nach klaren Regeln sportliche Wettkämpfe mit Computerspielen ausgetragen werden, ist mittlerweile ein Breitensport: Mehr als vier Millionen Gamer in Deutschland haben bereits als Spieler an E-Sports-Turnieren und -Ligen teilgenommen, wie das Marktforschungsunternehmen Yougov herausfand. Für Olympia 2024 wird E-Sports schon als neue Disziplin diskutiert.

Die gigantische Entwicklung war in den Messehallen mit Händen zu greifen. Nicht nur, dass in hochklassigen Profiturnieren mehr als 200 000 Euro Preisgelder und Sachpreise verliehen wurden. Präsentiert haben sich auch große Namen wie Sponsor Asus mit seiner Marke „Republic of Games“. Der taiwanesische Laptop-Riese hatte für eine sechsstellige Summe einen gewaltigen Stand aufgebaut. Er bot die Chance, spezielles Gaming-Equipment auszuprobieren und auf einer Bühne Wettbewerbe zu spielen. Verlost wurde ein Ford Mustang für 50 000 Euro. „Gaming ist ein Riesenmarkt geworden“, sagt Asus-PR-Manager Daniel Möllendorf. „Deshalb sind wir auf vielen Events präsent.“ Mehr als 40 Aussteller haben sich am Wochenende präsentiert. Inzwischen gibt es sogar Beratungsfirmen wie „ad hoc gaming“ aus Gera, die große Unternehmen etwa aus der Autobranche an die Szene heranführen.

Der Boom ist zugleich eine Chance für sächsische Start-ups. Student Nicolas Marschall, gerade 23, hat Ende 2017 mit drei Kommilitonen die Firma Glaucus Games gegründet. Zusammen mit vier weiteren Studenten schreiben sie seither am strategischen Sammelkarten-Computerspiel „Rugon“, das im März auf den Markt kommen soll. Gemeinsam studieren sie noch an der privaten, anerkannten Vitruvius-Hochschule Game-Design, präsentieren sich aber schon auf der Dreamhack. Aus ihren Spielen soll bald ein tragfähiges Unternehmen werden, sagt Nicolas Marschall.

Diese aufregende Startphase hat Robert Schenker schon hinter sich. Seine Firma produziert in Leipzig die schnellen Spiele-Laptops der Kultmarke XMG, die in der Szene eine Größe sind. Schenker Technologies war auch Ideengeber für den Import der „Dreamhack“ aus Schweden und ist seither Sponsor und Partner des Spiele-Messe-Projekts. Schenkers Manufaktur für Hochleistungsrechner, vor 15 Jahren als Hobbyschrauber-Werkstatt gestartet, wächst ebenfalls mit: Der Umsatz stieg parallel von 18 auf 25 Millionen Euro, die Belegschaft von 50 auf 75 Mitarbeiter. „Aus einer Schnapsidee ist ein großartiges Festival geworden“, sagt Schenker.

LAN-Party ist Herzstück der Schau

Die Dreamhack ist das Nachfolgeprojekt der „Games Convention“ – jener Computerspiel-Messe, die Leipzig erfolgreich aufgebaut hatte, die dann aber von Köln aufgekauft wurde. Herzstück der Dreamhack ist eine LAN-Party, bei der Spieler an vernetzten Computern das gesamte Wochenende rund um die Uhr mit- und gegeneinander zocken konnten.

Dieses Jahr hat die Messe 1 732 Plätze vergeben. In den Jahren zuvor waren es 1 000 und dann 1 500 Plätze. 18 500 Besucher kamen, um sich Turniere und Technik anzuschauen. Millionen Fans guckten Zuhause am Computer live den Spielergrößen zu. Manche sind bekannt wie Fußballstars und haben Anhänger in sechsstelliger Größenordnung. „Die Dreamhack Leipzig“, sagt Messechef Markus Geisenberger, „hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einer beliebten und erfolgreichen Marke entwickelt.“ Und auch für die Wirtschaft gilt die Dreamhack als kleiner, feiner Treffpunkt.