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Millionen für den Weichensteller

Ronald Pofalla, einst Chef des Kanzleramts, hat es endlich geschafft. Nach einigem Ärger ist er Cheflobbyist der Bahn.

© dpa

Mehr Zeit für Privates wolle er haben, hieß es unter anderem zur Begründung dafür, dass Kanzleramtschef Ronald Pofalla im Dezember 2013 seinen Posten aufgab. Dabei wusste der wenig feingeistige CDU-Mann damals schon, dass er zur Bahn wechseln würde. Prompt kam drei Wochen später heraus, was der enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel wirklich vorhatte: Pofalla plante ab 2015 einen Wechsel ins Management der Deutschen Bahn. Das gab ordentlich Ärger, denn regelmäßig gelingt mehr oder weniger amtsmüden Politiker der komfortable Übergang in die Wirtschaft – nicht selten in Bereiche, für die sie zuvor politisch die Weichen gestellt hatten. Bei Unternehmen in Bundesbesitz ist die Versorgung noch anrüchiger. Besonders problematisch: Pofalla war gerade erst zur Bundestagswahl angetreten und hatte für die CDU im Wahlkreis Kleve (Nordrhein-Westfalen) das Direktmandat geholt. Seither fiel er im Parlament nicht gerade durch Hyperaktivität auf, der Ex-Minister war regelrecht abgetaucht.

Seit Freitag nun arbeitet der 55-Jährige im Berliner Bahn-Tower als Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen. Das Ressort wurde extra für ihn geschaffen. Angeblich soll Pofalla ein Jahresgehalt von 1,3 bis 1,8 Millionen Euro bekommen. Im Vergleich zum Dauerstress eines Behördenleiters an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte es dort tatsächlich etwas ruhiger zugehen. Auf jeden Fall ist die neue Herausforderung wesentlich lukrativer als der Politiker-Posten. Pofalla wirkt bei der Bahn als sogenannter Cheflobbyist. Er soll die Kontakte zu den Bahnexperten im Bundesverkehrsministerium und des Bundestages pflegen und sich dort für die Interessen der Bahn einsetzen, deren Eigentümer der Bund ist. Viel wichtiger dürfte Pofallas Wirken in Brüssel sein. Dort geht es um Entscheidungen der EU, etwa in Wettbewerbsfragen. Im Frühjahr 2017 soll der Ex-Politiker dann in den Konzernvorstand aufsteigen.

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Ein Trost für die Bahnreisenden bleibt immerhin – Pofalla wird wenig Gelegenheit für Kundenkontakt bekommen. So manchem dürfte noch in Erinnerung sein, wie er seinen Parteikollegen Bosbach abgekanzelt hatte, weil der gegen das Rettungspaket für Griechenland stimmen wollte. Er könne dessen „Fresse nicht mehr sehen“, hatte Pofalla damals gesagt. (dpa/SZ)