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Millionen für die Landgemeinden

Das Leader-Programm schüttet bis 2020 Geld aus. Zehn Fakten zur Förderung und wie die Erzgebirgler rankommen.

Von Anja Ehrhartsmann

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Ein Zuschuss von 95.000 Euro für einen Wohnungsbau. Das Leader-Programm machte das möglich. Doch dort beginnt eine Umbruchphase.

Osterzgebirge. Rund 33,5 Millionen Euro stehen der Leader-Region „Silbernes Erzgebirge“ – zu der auch Dippoldiswalde, Klingenberg, Glashütte und Altenberg gehören – bis 2020 zur Verfügung. Erklärtes Ziel des Förderprogramms ist es, mit dem Geld den ländlichen Raum zu stärken. Anträge auf Fördermittel aus dem Leader-Programm können unter anderem Kommunen, Gewerbetreibende, Privatpersonen, Vereine und Kirchen stellen. So soll sichergestellt werden, dass alle profitieren können. Mit 23 Projekten ist die Gemeinde Klingenberg bisher Spitzenreiter. Danach kommt Wilsdruff mit 15 Projekten, dicht gefolgt von Altenberg. Noch bis 5. Februar können neue Anträge gestellt werden. Die SZ gibt eine Übersicht zu den wichtigsten Fakten.

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Übersicht zu den wichtigsten Fakten

206 Vorhaben wurden bisher bewilligt.

„Der beste Zugriff ist im Bereich Wohnen“, sagt Bettina Bezold, Regionalmanagerin der Leader-Region „Silbernes Erzgebirge“. Vor allem stellen viele Private einen Antrag in diesem Bereich. Hauptsächlich geht es bei den eingereichten Projekten darum, alte Bausubstanz umzunutzen.

Die Bewertung der Anträge erfolgt nach bestimmten Kriterien.

Die Anträge, die nach einem Aufruf eingehen, werden mit Punkten bewertet. „Die Kriterien sind für alle gleich“, sagt Bettina Bezold. Werden in einem Bereich mehr Anträge gestellt, als dafür Fördermittel zur Verfügung stehen, gehen die mit den wenigsten Punkten leer aus. „Wichtig ist es, dass das Vorhaben einen Mehrwert für die Region hat.“ Zum Beispiel, dass leerstehende Häuser wieder genutzt werden, generationsübergreifendes Wohnen auf Höfen möglich gemacht wird oder das alte Gesicht eines Hauses wiederhergestellt wird.

Bis 7 Monate dauert es, ehe das Verfahren durchlaufen ist.

Bevor ein Antrag eingereicht werden kann, ist ein Beratungsgespräch beim Regionalmanagement zwingend notwendig. Welche Vorhaben dann ausgewählt werden, entscheidet der Koordinierungskreis der Leader-Region „Silbernes Erzgebirge“. Dem Gremium gehören 23 stimmberechtigte Mitglieder an, die zum Teil aus dem Verwaltungsbereich der Kommunen kommen, aber überwiegend aus dem Gewerbe stammen. So soll vermieden werden, dass nur die Interessen der öffentlichen Hand verfolgt werden. Wird ein Vorhaben vom Koordinierungskreis positiv beschieden, prüft das zuständige Landratsamt den Antrag und stellt den Förderbescheid aus.

Das Landratsamt entscheidet abschließend.

Nur zweimal kam es bisher vor, dass Landratsamt und Koordinierungskreis verschiedener Meinung waren und ein Vorhaben abgelehnt wurde, dem das Entscheidungsgremium der Leader Region „Silbernes Erzgebirge“ bereits zugestimmt hatte. „Das Landratsamt kann nur ablehnen, wenn grundsätzliche Fehler im Antrag sind und wir irgendwelche Rahmenbedingungen falsch gesehen haben“, sagt Bettina Bezold. Im Regelfall geht der Antrag durch.

Die größte Leader-Region in Sachsen ist das „Silberne Erzgebirge“.

Das Gebiet wurde im April 2015 zur Leader-Region ernannt und ist damit eines von 30 Gebieten in Sachsen. 27 Gemeinden mit 281 Ortsteilen gehören zur größten Leader-Region, die sich über weite Teile der Landkreise Mittelsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erstrecken. Mit der Gemeinde Seiffen ist auch eine Kommune aus dem Erzgebirgskreis Teil der Region.

Anträge sind nach Themengebieten möglich.

Zum Beispiel gehören die Schwerpunkte Ortsentwicklung und Wohnen in einem Bereich zusammen oder Tourismus und Kulturerbe. Die Fördermittel können bei Leader erst dann beantragt werden, wenn der jeweilige Bereich aufgerufen wird. 30 bis 70 Anträge gehen im Schnitt pro Aufruf ein, sagt Bettina Bezold. Nicht alle Bereiche sind mit dem gleichen Budget untersetzt. Für was wie viel Geld zur Verfügung steht, wurde vorher festgelegt.

37,3 Millionen Euro wurden investiert.

Gut die Hälfte des Leader-Budgets ist bisher verbraucht worden, sagt Bettina Bezold, Regionalmanagerin der Leader-Region „Silbernes Erzgebirge“. Damit sind alleine aus diesem Topf schon rund 15,3 Millionen Euro in die Region geflossen. Insgesamt wurde aber mehr als das Doppelte investiert, da ja noch Eigenmittel zugeschossen werden müssen.

Eine Förderung mit Strategie dahinter.

Mit Tradition und Innovation eine lebenswerte Region zu gestalten, das ist die Entwicklungsstrategie im „Silbernen Erzgebirge“. Dafür wird von 2014 bis 2020 ein Budget von rund 33,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, das hauptsächlich aus EU-Mitteln stammt. Beinahe fünf Millionen Euro steuert das Land bei. Die Fördersätze, welche die Antragsteller von Leader bekommen können, liegen zwischen 35 und 95 Prozent. Den Rest müssen die Vorhabensträger aus dem eigenen Geldbeutel bezahlen.

Die Kommunen sind knapp Spitzenreiter.

Bisher wurden 64 Anträge von Kommunen positiv vom Koordinierungskreis bewertet. Nutznießer ist aber selten die Gemeinde selbst. Von Projekten wie etwa Dorfgemeinschaftshäusern profitieren zum Beispiel auch Vereine, die die Räume nutzen können, erklärt Bettina Bezold. Nahezu gleichauf liegen private Antragsteller, 63 Projekte bekamen grünes Licht vom Koordinierungskreis. Aus dem gewerblichen Bereich wurden 34 Anträge ans Landratsamt weitergereicht, knapp dahinter liegen Vereine und Stiftungen mit 31 Vorhaben. Kirchen haben bisher 14 Projekte bewilligt bekommen, unter anderem haben die Kirchen in Höckendorf und Ruppendorf von der Leader-Förderung profitiert.

Ehrenamtliche sind aufgefordert.

„Wir würden uns wünschen, dass mehr Ehrenamtliche gefördert werden“, sagt Bettina Bezold, Regionalmanagerin der Leader-Region „Silbernes Erzgebirge“. Dazu müssen aber natürlich entsprechende Anträge eingereicht werden. Zum Beispiel können Konzepte, Bildungsmaßnahmen, Honorar- und Personalkosten gefördert werden, je nachdem, was der Verein für ein Vorhaben entwickelt. Bis zu 95 Prozent der Kosten werden übernommen. Zum Beispiel wurde das Vorhaben, für die 800-Jahr-Feier in Dippoldiswalde eine Art Vereinsmeile einzurichten, positiv beschieden, sagt Bettina Bezold.

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