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Millionen für neue Batteriefabrik

Daimler will mehr Elektroautos auf die Straße bringen – und investiert dafür in Größenordnungen im Landkreis.

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© Matthias Schumann

Von Frank Oehl

Kamenz. Eben noch im ARD-Morgenmagazin, kurz danach in Kamenz. Für Ministerpräsident Stanislaw Tillich begann der Montag mit einigen Anstrengungen, denen er sich aber sichtbar entspannt widmete. Kein Wunder: Endlich kommt der Freistaat wieder mal positiv rüber. Nach viel Pleiten, Pech und Pannen „made in Saxonia“ leistete Deutschlands erste Automarke beste Aufbauhilfe. Mit Hunderten Gästen aus Wirtschaft und Politik startete die Daimler AG die Bauphase für eine zweite Batteriefabrik bei ihrer hundertprozentigen Tochter Accumotive am Ochsenberg. Mit rund 500 Millionen Euro, darunter ist auch ein Investitionsförderanteil, entsteht ausgerechnet in Kamenz eine der modernsten und größten Batteriefabriken Europas. Daimler Vorstand Thomas Weber: „Bis 2025 werden wir allein im Pkw-Segment mehr als zehn reine Elektrofahrzeuge im Portfolio haben.“ Hocheffiziente Batterien seien Bestandteil dieser Strategie, „aber nicht als Produkt von der Stange“, so Dr. Weber. Diese „hochkomplexen Systeme“ seien Daimler-Kompetenz. Diese konnten die Gäste der Spatenstich-Party auch anfassen: Zum zweiten Mal nach dem Autosalon in Paris präsentierte Mercedes-Benz seine neue Produktmarke EQ – ein „elektromobiles Ökosystem aus Produkten, Services, Technologien und Innovationen“. Quasi als Vorbote stand das seriennahe „EQ“-Showcar im Zelt. 2019 soll die Serienproduktion starten mit einem Modell im SUV-Segment und einer Reichweite bis zu 500 Kilometern. Das gibt es bislang noch nicht mal in Amerika. Auch für die ersten EQ-Serienfahrzeuge wird die Kamenzer Accumotive die Batterien liefern. Hergestellt in einer 300 Meter langen und 200 Meter breiten Produktionshalle, deren Ausmaße schon jetzt am Baggeraushub erkennbar sind.

Starkes Zeichen für Sachsen

Ministerpräsident Tillich jedenfalls war begeistert: „Diese Investition ist ein starkes Zeichen des Vertrauens in den sächsischen Standort hier in der Oberlausitz.“ Das Zeitalter der Elektromobilität rücke ein ganzes Stück näher. Ob Elektromobilität oder stationäre Energiespeicher – in beiden Geschäftsfeldern stecke eine Menge Zukunft drin. Und Tillich erwähnte auch die Freistaat-Kompetenzen: So seien in der Batterieforschungs-Allianz der Fraunhofer-Gesellschaft vier Institute aus Sachsen dabei. Insgesamt investiert Daimler rund eine Milliarde Euro in Batteriesysteme. Markus Schäfer von Mercedes-Benz-Cars: „Wir bauen einen globalen Produktionsverbund für Lithium-Ionen-Batterien auf.“ Kamenz werde das Kompetenzzentrum in diesem Netzwerk sein. Damit wolle man die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern und für die Mobilität der Zukunft aufgestellt sein. Das neue Werk soll ab Mitte 2018 produzieren. Die Produktions- und Logistikfläche auf der anderen Straßenseite wird durch die zweite Fabrik auf insgesamt rund 80 000 Quadratmeter vervierfacht. Das ist mit einem schrittweisen Anstieg der Beschäftigtenzahl verbunden. Bis Ende der Dekade sollen sich die Arbeitsplätze am Standort mehr als verdoppeln. Derzeit sind bei der Accumotive 350 Leute in Lohn und Brot, dazu kommen bis Ende des Jahres noch einmal 100 bei der Schwesterfirma Mercedes-Benz Energy GmbH, die die Montage, den Vertrieb und die Anpassung von stationären Speichern verantwortet. Die Energy will bereits bis Ende 2017 doppelt so groß sein. So könnten die vor acht Jahren vage angekündigten 1 000 Arbeitsplätze bis zum Ende der Dekade erreicht, wenn nicht sogar übertroffen werden.

Accumotive-Chef Frank Blome macht vor allem das Know-how und die Motivation der Mitarbeiter vor Ort für den neuen Entwicklungsschritt verantwortlich. „Damit entwickeln wir uns zum Kompetenzzentrum der weltweiten Batterieproduktion.“ Wobei bereits in der Fertigung auf Nachhaltigkeit gesetzt werde. Das neue Werk werde als -neutrale Fabrik errichtet. Ein Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaik-Anlage versorgen über stationäre Batteriespeicher die Anlagen mit Energie. Auf dem Dach würden Solarmodule auf einer Fläche von zwei Fußballfeldern installiert, was eine Leistung von zwei Megawatt ermögliche.

Tillich jedenfalls strahlte mehrfach in die Kameras und Mikrofone – auf Wunsch sogar zweisprachig. „Seit 100 Jahren treiben deutsche Autofirmen die Entwicklung voran. Der gigantische E-Mobilitätsmarkt bietet gute Chancen, dass das so bleibt.“