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Millionen für Sachsens Forscher von morgen

Nach fünf Jahren endet das Projekt Cool Silicon – Stanislaw Tillich sucht neue Fördertöpfe.

© dpa

Von Georg Moeritz

Dresden. Das gab Ärger mit den Eltern: Als Kind hat Stanislaw Tillich (CDU) mal ein Kofferradio im Wert von 400 Mark auseinandergenommen. Forscherdrang. Davon erzählte Sachsens Ministerpräsident gestern bei einem Pressegespräch und erläuterte, dass sich auch viele Millionen Fördergeld für den Forschernachwuchs lohnen.

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Tillich zog eine Zwischenbilanz für ein fast beendetes Projekt, das seit fünf Jahren Begeisterung für Sachsens Halbleiterbranche wecken soll: Cool Silicon, das ist gemeinsame Forschung an energiesparender Elektronik. Fast 100 Unternehmen und Forschungseinrichtungen haben sich dank Fördergeld daran beteiligt. Eines der Ziele: Kindern und Jugendlichen klarmachen, dass die Arbeit in der Mikroelektronik Fortschritte bringt. Tillich sagte, mögliche Investoren würden sich an erster Stelle nach Fachkräften im Land erkundigen.

Strom sparende Computer: Projekt Cool Silicon erreicht nicht jedes Ziel

Doch auch in Sachsen mit dem studierten Maschinenbauer Tillich an der Spitze gibt es zu wenige Interessenten für ein technisch-naturwissenschaftliches Studium – der Bedarf in der Mikroelektronik-Branche sei größer, sagte Professor Thomas Mikolajick, Koordinator von Cool Silicon. Deshalb gibt es Projekt-Teile mit coolen Namen wie Cool Teach oder das „Coole Kreativlabor Lötpunkt“, das Tillich gestern in den Technischen Sammlungen in Dresden besuchte. Dort basteln Schüler unter Anleitung.

100 Schüler haben in den vergangenen Jahren einen Studenten als Mentor bekommen, um an Technik-Studiengänge herangeführt zu werden. Solche Projekte sollen weitergehen, auch wenn das Fördergeld für Cool Silicon in diesem Jahr ausläuft.

Mit 70 Millionen Euro ist Cool Silicon gefördet worden. Laut Professor Mikolajick kamen etliche Patente heraus – einen genauen Überblick habe er nicht, weil Firmen manches geheim halten. Doch ein Ergebnis soll bald dem Flugzeughersteller Airbus präsentiert werden: Dresdner Forscher haben Sensoren entwickelt, die in Flugzeuge eingebaut werden könnten – ein echtes Energiespar-Projekt. Denn Flugzeuge brauchen weniger Kerosin, wenn sie aus Leichtbaumaterial bestehen. Solche Verbundwerkstoffe müssen ständig auf Schäden überprüft werden. Das machen einlaminierte Sensoren, die ihre Energie aus Schwingungen der Bauteile beziehen. Bis ein Flugzeughersteller eine solche Neuerung nutze, seien aber viele Tests nötig.

Nicht gelungen ist den Cool-Silicon-Forschern eine Anfangs-Idee: ein sächsischer Computer aus energiesparenden Bauteilen. Das ideale Vorzeige-Projekt scheiterte daran, dass der Speicherchip-Produzent Qimonda pleiteging und der Rechenchip-Produzent AMD seine Dresdner Fabrik an den Auftragsproduzenten Global Foundries verkaufte. Global Foundries hat sich dennoch an vielen Cool-Silicon-Projekten beteiligt.

Millionen-Förderung: Tillich verhandelt mit Merkel und Barroso

Die Dresdner Chipfabrik von Global Foundries mit ihren 4.000 Mitarbeitern war vorige Woche Ziel eines heimlichen Besuches: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso schaute sich den Betrieb am Tag nach dem Semperopernball an. Laut Tillich muss auch Barroso noch vom Nutzen der Mikroelektronik überzeugt werden – damit die EU diese Branche kräftig fördert. Tillich beklagte gestern erneut, dass die USA und asiatische Länder Milliardenbeträge für diese Industrie und Forschung ausgeben. „Wenn Europa diese Kompetenz verliert, verliert es die Gestaltungsfähigkeit bei der technischen Entwicklung“, sagte Tillich. Sachsen sei bereit, 200 Millionen Euro Subventionen bereitzustellen – wenn der Bund ebenso viel gibt. Mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Tillich vor wenigen Tagen gesprochen, nach seinen Angaben stellte sie interessiert Fragen, sagte aber nicht gleich zu. Forschungs- und Wirtschaftsministerium in Berlin zeigen laut Tillich „mehr Bereitschaft als je“.

Infineon: Dresdner Chipfabrik baut gleichzeitig ab und auf

Um Nachwuchsforscher für die Mikroelektronik-Branche zu gewinnen, müssen die Betriebe sichere Arbeitsplätze anbieten. Dresdens Infineon-Chef Helmut Warnecke versicherte gestern, dass die Chipfabrik weiter wachse. Zwar hat Infineon kürzlich angekündigt, sich von 70 Leiharbeitern zu trennen und 90 Angestellten Abfindungen oder Altersteilzeit anzubieten – weil sie durch Roboter ersetzt werden. Doch das Unternehmen bleibe bei dem Vorhaben, die zugekauften ehemaligen Qimonda-Reinräume auszulasten. Dort können laut Warnecke über Jahre noch viele Hundert Arbeitsplätze entstehen. Im Sommer nächsten Jahres werde die Belegschaft dort auf die zunächst angekündigten 250 wachsen. „Wir werden diese Fabrik füllen. Der Markt entscheidet, wie schnell es geht.“

www.cool-silicon.de

Eine Ausstellung über Cool Silicon in den Technischen Sammlungen Dresden beginnt am 2. März. Sie heißt Cool X und ist zunächst auf drei Jahre angelegt: www.tsd.de