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Millionen-Investition in Nudelfabrik

Für 164 000 Euro hat die Stadt Löbau das Industrie-Denkmal gekauft. Jetzt soll es mit dem Haus Schminke betrieben und vermarktet werden.

Von Markus van Appeldorn

Für die lange dahinsiechende ehemalige Anker-Nudelfabrik in der Äußeren Bautzner Straße in Löbau beginnt eine neue Zukunft. Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) hatte das reichlich 9 000 Quadratmeter große Areal im September für 164 000 Euro im Rahmen einer Zwangsversteigerung namens der Stadt erworben. In der jüngsten Stadtratssitzung skizzierte er, was nun damit geschieht. Man werde das Gebäude zunächst sichern und von jeglichem Ungeziefer befreien. „Von der Mülltonne bis zum Marder“, so Buchholz. Die Stadt habe bereits Planer beauftragt, die sich schon mit der Bauhaus-Architektur beschäftigt haben. Das Bauhaus begeht im nächsten Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum werden auch in Löbau viele Gäste aus aller Welt erwartet.

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Hans Scharoun, Architekt des Haus Schminke, errichtete an der Fabrik auch einen Treppenhausturm und gestaltete Teile der Inneneinrichtung. „Das wird nur gemeinsam mit dem Haus Schminke gehen. Das muss eins werden“, sagte der Oberbürgermeister. Es sei einmalig, dass der alte Betrieb so gut erhalten ist. Einen Tag der offenen Tür will Buchholz jedenfalls vorläufig nicht durchführen. „Weil da Dinge drin sind, die man nicht öffentlich zeigen kann.“ Das Volumen der anstehenden Investitionen für die Nudelfabrik bezifferte er auf acht bis zehn Millionen Euro. Ein von den Vorbesitzern angestrebtes Verfahren vor dem Verwaltungsgericht gegen die Zwangsversteigerung macht Buchholz keine Sorgen: „Wir stehen im Grundbuch, weil wir bezahlt haben.“

Kritik zum Erwerb brachte die Fraktion der Bürgerliste vor – nicht wegen der Ersteigerung an sich, sondern wegen des Vorgehens. Es sei verständlich, dass der OB die Immobilie habe ersteigern wollen. Die Bürgerliste hätte sich gewünscht, dass der Oberbürgermeister sich den geplanten Erwerb vorher vom Stadtrat genehmigen lässt, statt ihn bloß nachträglich darüber zu informieren. Der Oberbürgermeister verteidigte sein Vorgehen. Er habe die Fabrik ersteigern müssen. „Wenn ich das vorher öffentlich gemacht hätte, hätte das geschadet“, sagte er. Tatsächlich war die Stadt bei der Zwangsversteigerung der einzige Bieter und erhielt so den Zuschlag zur Hälfte des Verkehrswertes.