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Millionen-Projekt Lößnitzbach

Der Bach wird im Mündungsbereich umverlegt. Allein die Planung dafür geht ordentlich ins Geld.

© Arvid Müller

Von Nina Schirmer

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Radebeul. Der alte gemauerte Graben unterhalb von Serkowitz soll wegkommen und der Lößnitzbach stattdessen wieder ganz natürlich auf seinen letzten Metern bis zur Elbe fließen. Was so einfach klingt, ist eines der größten, anspruchsvollsten und vor allem teuersten Bauvorhaben, die in Radebeul in den nächsten Jahren anstehen.

Allein die Planungen sind so umfangreich und kostspielig, dass die Stadt verpflichtet war, EU-weit nach Planungsfirmen zu suchen. Drei Unternehmen bewarben sich, von denen aber nur zwei die spezifische Eignung nachweisen konnten. Den Zuschlag bekam jetzt eine Firma ganz aus der Nähe. Die ACI Aquaprojekt Consult Ingenieurgesellschaft aus Dresden wird die Planung für die Bachverlegung übernehmen. Das kostet bereits 700 000 Euro. Insgesamt werden in das Großprojekt Lößnitzbach voraussichtlich rund sieben Millionen Euro fließen. Die Stadt kann allerdings mit großzügigen Fördermitteln rechnen und muss von der Gesamtsumme nur einen geringen Anteil von etwa 500 000 Euro selbst bezahlen.

Ab der Straße des Friedens bis zur Mündung in die Elbe soll der Bach ein völlig neues Bett bekommen. Bisher fließt das Wasser unter der Kötzschenbrodaer Straße hindurch und weiter hinter dem alten Gasthof Serkowitz entlang, bis der Kanal unter der Erde scharf rechts abbiegt. Der Wasserlauf durchquert Altserkowitz und kommt erst unterhalb der letzten Häuser wieder zum Vorschein. Die letzten Meter fließt das Wasser im gemauerten Kanal bis zur Elbe.

Im Zuge der Sanierung soll der gesamte Bach weiter nach Westen verlegt werden, erklärt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Er kommt dann zukünftig auf Höhe der Apfelscheune raus, durchquert die Kötzschenbrodaer Straße und fließt zuletzt oberirdisch durch die Wiese bis zur Elbe. So will es die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die festlegt, dass Fließgewässer naturnah und lebendig gestaltet werden sollen. Uferbefestigungen und begradigte Wasserläufe sollen verschwinden, Bäche stattdessen natürlich durch die Landschaft fließen.

Ein Vorteil für die Stadt: Der Großteil der Grundstücke, über die der Lößnitzbach künftig fließen soll, sind bereits im städtischen Besitz. Einsprüche von anderen Eigentümern müssten deshalb überschaubar sein, vermutet der OB. Außerdem handele es sich nicht um Bauland. Die Stadt könne deshalb Tauschland als Ausgleich anbieten.

Ein kritischer Punkt bei dem ganzen Vorhaben könnte eher der Naturschutz werden. Zwar geht es genau darum, den Bach im Mündungsbereich naturnah zu gestalten. Doch auch die Wiese, durch die er künftig fließen soll und die zunächst zur Baustelle wird, ist womöglich schützenswert. Experten werden vorher genau prüfen, ob dort geschützte Tiere oder Pflanzen heimisch sind.

Zu dem gesamten Projekt gehört neben der Bachverlegung auch noch ein zweites Vorhaben. Der marode Graben unterhalb von Serkowitz wird durch Rohre ersetzt, durch die Regenwasser und Abwasser aus privaten Kläranlagen in die Elbe geleitet werden.

Bevor der Bau beginnen kann, muss die Stadt auf den Planfeststellungsbeschluss warten. Der kommt frühestens 2020, schätzt der OB. Richtig fertig wird das Großprojekt also nicht vor 2024.