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Millionen-Sanierung am Klinikum nötig

Im Haus A auf der Friedrichstraße gibt es Mängel beim Brandschutz. Der Denkmalschutz macht Reparaturen aufwendig.

© Sven Ellger

Von Nora Domschke

Arbeiten im historischen Gemäuer – im Städtischen Klinikum in der Friedrichstadt erleben das die Verwaltungsmitarbeiter jeden Tag. Ebenso wie die Ärzte der fünf Gemeinschaftspraxen, die im Haus A direkt an der Friedrichstraße ihre Patienten behandeln. Im Erdgeschoss ist zudem das Krankenhauslabor, im Dachgeschoss eine Physiotherapie untergebracht. Allerdings ist eine Sanierung des Altbaus, der zugleich Eingangsportal zum Krankenhausgelände ist, längst überfällig. Die Räume sind veraltet und beengt, die Fenster müssen dringend erneuert werden. Mängel gibt es aber vor allem beim Brandschutz.

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Technikleiter Wolfram Tschuck zeigt die alten Holztüren, die ausgetauscht werden müssen. Nur eine Aufgabe.
Technikleiter Wolfram Tschuck zeigt die alten Holztüren, die ausgetauscht werden müssen. Nur eine Aufgabe. © Sven Ellger

Wolfram Tschuck ist Leiter für Technik und Wirtschaft und befasst sich schon länger mit dem Gebäude, in dem es mehr als 400 Räume gibt. Auf einem Rundgang zeigt er Holztüren und -fenster, die den Anforderungen des aktuellen Brandschutzes nicht mehr entsprechen. Alle drei bis vier Jahre prüft die Bauaufsicht das gesamte Gebäude, zuletzt wurden dabei erhebliche Mängel festgestellt. Mit der Folge, dass das Bauaufsichtsamt das Haus jederzeit schließen könnte. Um das zu vermeiden, wurde die Vereinbarung getroffen, dass nun nach und nach zumindest der Brandschutz erneuert wird. Denn eine umfassende Sanierung ist aufgrund des Denkmalschutzes sehr aufwendig und teuer. Insgesamt wären dafür 21 Millionen Euro nötig. Eine Summe, die das Krankenhaus selbst derzeit nicht stemmen kann. „Das Gebäude ist so spät dran, weil wir das Geld zunächst in die Bereiche investiert haben, in denen unsere Patienten versorgt werden“, erklärt Tschuck.

Erst vor kurzem wurde das Haus N nach Sanierung eröffnet. Komplett erneuert und mit einem Anbau erweitert ist auch das Haus R. Für diese Gebäude gab es Fördermittel vom Freistaat, denn sie beherbergen Patientenbetten. Weil das im Haus A nicht der Fall ist, gibt es dafür auch keine Fördermittel. Dennoch soll der Sanierungsstau am Städtischen Klinikum weiter verringert werden. Mit Haus A rückt nun allerdings das größte und teuerste Bauprojekt in den Fokus. Im vergangenen Jahr wurde für rund 150 000 Euro die Brandmeldeanlage nachgerüstet. Sobald die Geräte mit Rauch in Berührung kommen, wird eine Meldung an die Feuerwehr gesendet.

Jetzt sollen die Bauarbeiten im Westflügel starten, dort, wo sich die Krankenhausbibliothek befindet. „Da müssen wir grundhaft sanieren“, sagt Tschuck. So müssen etwa die kompletten Treppenhäuser neu gemauert werden – nicht einmal die Wände entsprechen den Brandschutzanforderungen. Fußböden, Decken, Türen sind aus Holz und müssen ebenfalls ausgetauscht werden. Um das historische Denkmalensemble möglichst wenig zu verändern, muss jedes Detail mit den Denkmalschützern abgesprochen werden.

1845 hatte die Stadt das barocke Marcolini-Palais erworben, das sich in der Mitte des Hauses A befindet und als Zugang zum Gelände genutzt wird. In den Folgejahren wurde es zum Krankenhaus umgebaut, das acht Hektar große Areal bot Platz für weitere Gebäude. Eröffnet wurde das Stadtkrankenhaus im November 1849. Dieses genoss aufgrund der Ausstattung einen guten Ruf.

„So ein Gebäude hat nicht jedes Krankenhaus“, sagt Tschuck stolz. Heute ist der riesige Gebäuderiegel aber vor allem finanziell eine Herausforderung. Zudem eilt die Zeit: Für 2018 und 2019 hat das Bauaufsichtsamt den Interimsmaßnahmen zugestimmt und duldet damit vorerst die weitere Nutzung des Hauses. „Es kann aber auch jederzeit stillgelegt werden.“ Doch selbst wenn der Stadtrat die erforderlichen Mittel für die Sanierung bereitstellt, wäre die Sanierung von Haus A nicht vor dem Jahr 2023 fertig. Eine weitere Abstimmung mit dem Bauaufsichtsamt ist also in jedem Fall nötig, sagt Tschuck. – Dabei ist dieses Haus nicht die einzige Baustelle des Städtischen Klinikums. Mehr als 90 Millionen Euro müssen in den kommenden Jahren an den Standorten Friedrichstadt und Neustadt investiert werden. Im vergangenen Jahr verschmolzen beide Krankenhäuser zum Städtischen Klinikum. Rund ein Drittel der Summe soll das Klinikum in den nächsten acht bis zehn Jahren selbst erwirtschaften. 2017 stand allerdings ein Minus von 2,7 Millionen Euro auf der Bilanz. Verwaltungsdirektor Jürgen Richter zeigt sich trotz alledem optimistisch: „Ich rechne in diesem Jahr mit einem positiven Betriebsergebnis.“ Auch, weil viele Gebäude saniert und dadurch für Patienten attraktiver geworden sind. Außerdem hat die Stadtverwaltung angekündigt, den Sanierungsstau mit 34 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt abbauen zu wollen.