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Millionencoup ging gründlich daneben

Nach sieben Prozesstagen wurde ein Betrüger zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

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Von Alexander Schneider

In einem dreieinhalbmonatigen Prozess ist gestern ein dreistes Gaunerstück vor dem Amtsgericht Dresden zu Ende gegangen. Das Schöffengericht verurteilte Roland M. (49), einen bereits einschlägig vorbestraften Betrüger aus Berlin, zu einer Haftstrafe, sprach jedoch dessen mutmaßlichen Komplizen Marcus E. (40) überraschend frei.

Das Gericht sieht in Roland M. den alleinigen Drahtzieher des geplanten Millionenschwindels. Er hat versucht, seine wertlosen Kunstwerke, mehr als 90 Gemälde, an den Mitangeklagten zu verkaufen – als Sicherheitsleistung für ein Darlehen über drei Millionen Euro, das er zuvor dem 40-Jährigen in Aussicht gestellt hatte. Marcus E. soll ungedeckte Schecks ausgestellt haben, die Roland M. dann einzulösen versuchte – es ging um Summen zwischen 400000 und 950000 Euro, einen ganzen Haufen Geld. Doch die Banken ließen sich nicht täuschen und zahlten nichts aus.

Auch in seinem Prozess gab M. den feinsinnigen Schöngeist, verheiratet mit einer Diplomatentochter, der sich ebenso gut zu kleiden wie auszudrücken weiß. Daran hat auch die Haftstrafe in anderer Sache nichts geändert, die er gerade absitzt. Doch neben dem „gewissen Etwas“ hat der 49-Jährige, der gern als Künstler und Geschäftsmann auftrat, vor allem eines: Keine Skrupel, seine Opfer „vors Loch“ zu schieben, wie es Richterin Annette Dönch ausdrückte.

Gegenseitig beschuldigt

In der umfangreichen Beweisaufnahme hatten sich beide Angeklagten immer wieder wortreich gegenseitig beschuldigt, hinter den Taten zu stecken. Das Gericht ist nun überzeugt, dass der körperbehinderte E. kein Mittäter ist. Der 40-jährige Dresdner habe geplant, sich eine Existenz als Erfinder und Entwickler von Brett- und Computerspielen aufzubauen. Er sei intelligent, jedoch sehr naiv an seine Geschäftsidee herangegangen, sagte Richterin Dönch. Das habe ihn zu einem willfährigen Opfer gemacht, als ihm Roland M. im Herbst 2008 das krumme Geschäft vorgeschlagen hatte.

Zu jenem Zeitpunkt war M. frisch wegen anderer Betrügereien zu zwei Jahren und vier Monaten Haft rechtskräftig verurteilt worden. Gestern kamen weitere zwei Jahre und sechs Monate wegen versuchten Betruges dazu – sechs Monate mehr als von der Staatsanwaltschaft gefordert. M.s Verteidiger Helmar Gumprecht hatte auf Freispruch plädiert. Er kündigte an, das Urteil anzufechten.