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Millionensegen für Meißen

Der Münzschatz von Otto Horn bringt mehr als doppelt so viel, wie erwartet. Davon sollen verfallene Häuser profitieren.

Von Christoph Scharf

Gut, dass das Dresdner Münzkabinett seinerzeit knausrig war: Für 1,6 Millionen Euro hätte es die komplette Münzsammlung des Meißner Mäzens Ernst Otto Horn haben können. Doch Dresden sagte Nein – und kaufte der Horn’schen Stiftung nur einen kleinen Teil der Münzen ab. Der Rest ging an ein Auktionshaus. Dort kam diese Woche der wichtigste Teil der verbliebenen Sammlung unter den Hammer und erzielte ein Rekordergebnis: 2,2 Millionen Euro für knapp 400 Münzen. Weit mehr als das Doppelte des Schätzwertes. Außerdem deutlich mehr, als das Münzkabinett für die 65 000 Stück umfassende Sammlung insgesamt hätte zahlen sollen.

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Für den Meißner Tom Lauerwald, den Verwalter der Stiftung, ein tolles Ergebnis. „Das war der denkbar beste Zeitpunkt für die Auktion. Schließlich wollen die Reichen gerade ihr Geld loswerden.“ Vor dem Hintergrund der Entwicklung in Griechenland und Spanien könnten sich Taler von Kurfürst Friedrich August III. oder Friedrich dem Großen bald als wertstabiler erweisen als der Euro. Kein Wunder, dass teils Zehntausende Euro pro Münze gezahlt wurden.

Einer entscheidet allein

Den Meißnern kann das nur Recht sein. Denn der Weinhändler Ernst Otto Horn hatte vor seinem Tod 1945 verfügt, dass mit dem Erlös seiner Stiftung Maßnahmen der Stadtverschönerung, zur Unterstützung des Stadtmuseums oder des Meißner Geschichtsvereins finanziert werden. Letzteren gibt es heute nicht mehr – und dennoch mehr als genug Projekte, die Stiftungsverwalter Tom Lauerwald für förderungswürdig hält. Der Meißner entscheidet allein darüber, wo das Geld hingeht – der Stadtrat hat kein Mitspracherecht. Doch der 55-Jährige wird wohl Projekte finden, über deren Unterstützung sich die meisten Meißner freuen würden.

Häuser vor dem Verfall retten

„Das Allerwichtigste wäre, für das Stadtbild bedeutende Häuser vor dem Verfall zu retten“, sagt Tom Lauerwald. So könnte die Stiftung einzelne Gebäude ankaufen und so lange erhalten, bis ein passender Investor daraus etwas machen will. Chancen kann sich auch das Steingut in Burkhardswalde ausrechnen. „Was der Verein dort auf die Beine gestellt hat, ist ein außergewöhnliches Projekt – und verdient in den nächsten Jahren Unterstützung.“ Ebenfalls begeistert ist Tom Lauerwald von der Arbeit der AG Steinbrüche des Heimatvereins Zadel. „Toll, was der Verein für Kenntnisse über ein wichtiges Kapitel der Wirtschaftsgeschichte angesammelt hat.“ Dort ließe sich eine Publikation oder der Ausbau des Museums unterstützen. Die Meißner Johanneskirche soll etwas für die Orgelrestaurierung dazubekommen, das Stadtmuseum Hilfe beim Ankauf von Plastiken. An Projekte mangelt es also wahrlich nicht.

Die 2,2 Millionen Euro sind allerdings auch noch nicht das Ende der Fahnenstange: Auch wenn die wertvollsten Münzen jetzt wohl weg sind, stehen noch weitere Versteigerungen an – von Münzen genauso wie von Uhren und Skulpturen.

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