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Millionenteure Sommerpause für das Staatsschauspiel

Bis Oktober wird das Traditionshaus saniert und erhält eine Technik, die es eigentlich längst haben müsste.

© Petra Hornig

Von Tobias Wolf

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Ein tiefes Loch klafft im Bühnenboden. Arbeiter schieben Kulissen hin und her, heben Technik aus dem riesigen Keller auf die Bühnenbretter. Es sind die Vorbereitungen für die letzten Vorstellungen im Schauspielhaus vor der Sommerpause. In diesem Jahr geht sie bis in den Herbst. Denn ab Montag wird das traditionsreiche Haus saniert. Gut zehn Millionen Euro investiert der Freistaat bis Mitte Oktober. Ausschließlich Bau und Technikfirmen aus der Region sollen die Pläne umsetzen. Es ist die größte Sanierung seit 1995.

Für rund 5,7 Millionen wird allein die Bühnentechnik erneuert, sagt Ludwig Coulin vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). „Sie ist komplett verschlissen.“ Theaterleute sagen dazu Obermaschine. Ab Montag soll sie abgebaut werden. Ursprünglich sollten nur die Seilzüge und Motoren ausgetauscht werden. Jetzt wird gleich ein ganzer Schnürboden neu gebaut, von dem aus Kulissen sowie Licht- und Tontechnik künftig komfortabler abgehängt und bedient werden können. „Ein Bühnenhaus ohne einen Schnürboden gibt es eigentlich nicht“, sagt Roland Oertel, Technikchef des Staatsschauspiels. Bislang kann die Bühne nur von unten oder den Seiten bestückt werden, teils mit Handzügen, wie sie bereits vor 300 Jahren üblich waren. Die ältesten, die noch benutzt werden, stammen aus dem Jahr 1948, sagt der 63-Jährige.

Damals war das Gebäude nach der Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkriegs gerade wiedereröffnet worden, als Spielort für Staatsschauspiel und Semperoper. Allerdings war das Innere dabei massiv verändert worden – schlicht-funktional statt üppig wie zuvor und mit Platz für über 1 000 Zuschauer. Dafür war die Saaldecke höher gelegt worden, die unzählige Neonröhren zierten. Erst Mitte der Neunzigerjahre wurde die Gestaltung des Zuschauerraums geändert. Anhand von historischen Fotos und Zeichnungen rekonstruierten Experten die ursprüngliche an Jugendstil und Neobarock ausgerichtete Gestaltung mit Stuckdecke und großem Kronleuchter. Insgesamt rund 32 Millionen Euro kostete die erste Sanierung nach der Wende.

Für den neuen Schnürboden in 26 Meter Höhe muss die Statik der jetzigen Bühnendecke mit Querträgern verstärkt werden, damit sie künftig die Last auch tragen kann. Nicht nur für die Theaterleute soll nach der Sanierung alles komfortabler sein. Die inzwischen fleckig gewordene Stuckdecke im Zuschauerraum wird aufgefrischt und das Parkett aufgearbeitet.

Neuer Eingang für Theaterrestaurant

Die Besucher dürften die Sanierung vor allem beim Sitzen spüren. Alle 794 Stühle werden umgebaut und neu gepolstert. Die aus heutiger Sicht technischen Mängel machen das nötig. Vor allem wenn einer mal kaputt ist, haben die Theatertechniker ein Problem. „Der lässt sich bisher nicht einzeln ausbauen und reparieren, sondern nur die ganze Reihe“, sagt Technikchef Oertel. Weil die Menschen in den letzten Jahrzehnten insgesamt größer geworden sind, werden höhere Lehnen montiert. Dazu neue Federn für den Klappmechanismus, damit die Sitzfläche auch im Notfall keiner Flucht im Wege steht. Die neuen Polster werden mit einem altgoldenen Samtstoff bezogen, was laut SIB dem Original von 1913 nahekommt.

Nur wenige Jahre trug der Neubau damals den Namen „Neues Königliches Schauspielhaus“, für den sich im Vorfeld auch Dresdner Honoratioren wie Mundwasserkönig und Hygiene-Prophet Karl August Lingner stark gemacht hatten. Ob jener auch seine Freude am anstehenden Umbau der Toiletten gehabt hätte? Die waren zuletzt Anfang der Neunzigerjahre erneuert worden. „Das war eine der ersten Aktionen, die wir mit Westgeld gemacht haben“, erinnert sich Technikchef Oertel. „Aber die Anzahl und Anordnung der Toiletten ist der Besucherzahl nicht mehr angemessen.“ Die jetzigen Herrentoiletten werden beim Umbau zu Damen-WCs und umgekehrt.

Das Theaterrestaurant William des Sternekochs Stefan Hermann bekommt einen neuen Eingang, für den ein Durchbruch im Treppenhaus geschaffen wird, damit das Lokal unabhängiger von den Spielzeiten wird. Später soll noch ein neuer WC-Trakt folgen. Bislang nutzen die Gäste die Toiletten des Schauspielhauses. Das Restaurant wird bereits am 13. Juli wieder öffnen, das Theater erst Ende Oktober mit der Premiere von William Shakespeares „Othello“. Zum Beginn der überlangen Sommerpause gibt es am Sonntag Abschiedsbrunch und -vorstellung im Schauspielhaus.

Mehr unter www.staatsschauspiel-dresden.de