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Mindestlohn macht Bäcker und Friseur teurer

Erste Statistiken für Sachsen zeigen, dass zwar die Preise steigen, massenhafte Entlassungen aber ausbleiben.

© dpa

Dresden. Entlassungen, Preiserhöhungen und Verkürzung der Arbeitszeiten: All diese Szenarien wurden vor der Einführung des Mindestlohns zum 1. Januar dieses Jahres als mögliche Folgen befürchtet. Nun hat das Statistische Landesamt in Kamenz in seinem Jahreswirtschaftsbericht Statistiken herausgegeben, die einen ersten Fingerzeig auf die Auswirkungen des Mindestlohns in Sachsen geben.

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Die Statistik zeigt: Während große Entlassungswellen in Sachsen ausblieben, wurden die Mehrkosten vor allem an die Verbraucher weitergegeben. So stiegen die Preise besonders in jenen Branchen überdurchschnittlich stark an, in denen zuvor meist weniger als 8,50 Euro bezahlt wurde. Konkret wurden so beispielsweise Backwaren rund drei Prozent teurer. Restaurantbesuche verteuerten sich um 5,2 Prozent. Noch deutlichere Preissprünge registrierten die Statistiker bei Friseuren und Taxifahrten. Dort mussten Verbraucher sogar 7,1 Prozent beziehungsweise 25,0 Prozent mehr zahlen. Zum Vergleich: Insgesamt lag die Inflationsrate im Mai 2015 in Sachsen lediglich bei 0,8 Prozent.

„Lohnkosten sind etwa im Bäckerhandwerk ein entscheidender Preisfaktor“, erklärt Roland Ermer, Präsident des Sächsischen Handwerkstages. „Sie machen teilweise fast die Hälfte des Endpreises aus. Die Preissteigerungen waren deswegen unausweichlich.“ Probleme mit Kunden habe es deswegen nicht gegeben, berichtet der Präsident und Bäckermeister. „Die meisten haben überraschend viel Verständnis dafür aufgebracht.“

Ähnliche Beobachtungen machte Iris Kloppich, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Sachsen: „Friseursalons haben frühzeitig, beispielsweise in ihren Schaufenstern, auf die steigenden Preise hingewiesen und bereits im letzten Jahr die Preise schrittweise angehoben. So konnten sich Kunden daran gewöhnen.“

Positiv sieht die Gewerkschafterin auch die Entwicklung hin zu mehr versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in Sachsen: „Die Zahl der Minijobber geht im Gegenzug zurück – so wie wir uns das gewünscht haben“, sagte Kloppich.

Auch im Sächsischen Wirtschaftsministerium ist man mit dem Start des flächendeckenden Mindestlohns im Freistaat zufrieden: „Das, was wir uns davon erhofft haben, ist eingetreten“, sagte Sprecher Jens Jungmann auf Anfrage der SZ. Zwar seien die Preise etwas gestiegen, doch dafür erhielten jetzt viele Arbeitnehmer endlich einen angemessenen Lohn, der nicht mit Steuergeldern aufgestockt werden muss. „Dafür sollten Kunden auch bereit sein, beim Friseur zwei Euro mehr zu bezahlen“, so Jungmann weiter.