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Minister besucht Moschee

Martin Dulig interessiert sich für die Situation im Islamischen Zentrum. Das möchte gern Flüchtlinge unterbringen.

© Christian Juppe

Von Lars Kühl

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Schuhe aus! Das gilt auch für einen Minister. In Socken steht Sachsens Regierungsvize Martin Dulig (SPD) inmitten der Alaruq Moschee. Hier, im Flügelweg 8, unweit des Rathauses Cotta und an der Abfahrt von der Flügelwegbrücke, hat das Islamische Zentrum von Dresden seinen Sitz. Gestern hat der Wirtschaftsminister sich mit dem Vereinsvorstand getroffen, um sich über die Lage der islamischen Gemeinde und der Dresdner Muslime zu informieren.

Eines wird dabei deutlich: „Die Situation ist unglaublich angespannt“, erklärt Zentrumssprecher Khaldun Alsaadi. Die Sicherheit der Gemeindemitglieder stehe im Vordergrund. Die Öffentlichkeit wird vehement gescheut. Deshalb gilt für die Journalisten: keine Namen, Fotos nur von hinten. Dulig erzählt dafür umso bereitwilliger. „Ich bin hier, um meine Solidarität mit den Menschen zu zeigen, die mit uns leben.“ Der Dialog mit den Muslimen sei ihm wichtig. „Um Dresden wieder zu einer Stadt zu machen, in der man willkommen ist.“ Zuletzt seien immer nur die Sorgen und Nöte, verbunden mit dem Islam, angesprochen worden. „Aber mit den Menschen, um die es eigentlich geht, redet keiner.“

Angesprochen auf die Frage, ob denn der Islam zu Sachsen gehöre, lässt sich Dulig nicht aus der Reserve locken. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hatte kürzlich mit seiner Äußerung, dass er das nicht so sieht, noch für bundesweite Aufregung gesorgt. Dulig möchte die Frage lediglich auf die Menschen beziehen. „Die Muslime gehören dazu“, sagt er. „Ich trenne nicht, wer und wer nicht.“

Interessiert lässt sich der SPD-Landesvorsitzende den Gebetsraum zeigen. Zum Beispiel die Kanzel, auf der sonst der Imam steht und predigt. Auf Arabisch und auf Deutsch, zu Festen auch auf Englisch, erläutert Sprecher Alsaadi. Danach steige er von der Empore und betet auf dem nach Mekka ausgerichteten Teppich vor.

Daneben hängt ein Wandbild mit Gebetssprüchen. Ansonsten ist es in dem Raum ziemlich leer. Freitags haben hier aber zum wichtigsten Gebet um die 150 Muslime Platz, rechnet Alsaadi vor. In der Ecke steht ein Regal mit dem Koran. Dulig blättert in einem der Bücher und lässt sich die erfrischende Wirkung von Moschus vorführen, inklusive Duftprobe.

Nebenan spendet ein Ofen mollige Wärme, barfuß ist das auch nötig. Die Räume sind mit einem hellgrünen Belag ausgelegt. Im Vorzimmer hängt ein digitales Bild von Mekka unter der Decke. Rote Zahlen leuchten auf ihm: das Datum und die nächsten Gebetszeiten. Seit 2010 hat das Zentrum seinen Sitz in dem Gründerzeithaus in der Friedrichstadt. Die Wurzeln der Islamischen Gemeinde von Dresden gehen bis in die 1980er-Jahre zurück. Studenten und Gastarbeiter riefen sie ins Leben. Die ersten Gebete wurden in Wohnheimen und Sporthallen an der Technischen Universität gesprochen.

1998 gründete sich dann das Islamische Zentrum als Verein. Die Zahl der Mitglieder, die aus der ganzen Welt und auch aus Deutschland kommen, schätzt Alsaadi auf 150 bis 200. „Obwohl unsere Gemeinde sunnitischer Prägung ist, sind wir offen für alle islamischen Richtungen und Herkunftsländer“, sagt Alsaadi. Die Moschee will das, was hinter den Türen passiert, auch öffentlich zeigen. Schulklassen und Bürger könnten sich für Führungen anmelden. Und jedes Jahr gebe es am 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit einen Tag der offenen Moschee. Dabei können neben dem Gebäude auch die Gebetsräume für Männer und Frauen besichtigt werden.

Die Besucher würden feststellen, dass vieles in und am Haus renovierungsbedürftig ist. Vor allem auch im Nachbarobjekt, der Nummer 10. Dieses gehört ebenfalls seit sechs Jahren dem Zentrum. Dort sollen nach einer Sanierung möglichst Wohnungen angeboten werden, erzählt Alsaadi. „Wir haben auch überlegt, da Flüchtlinge unterzubringen.“ Die Instandsetzungsarbeiten müsste der Verein allerdings selbst bezahlen, von der Stadt gibt es für so ein Vorhaben keine Fördermittel. „Das Geld ist aber nicht vorhanden.“

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