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Ministerin zeichnet Feralpi aus

Riesas Stahlwerk darf sich nun Klimaschutz-Unternehmen nennen – als erstes in Sachsen.

© Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

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Riesa. Ikea, Aldi und der Riesaer Stahlhersteller Feralpi: Auf den ersten Blick bilden die drei ein ungleiches Trio. Doch eines haben die Unternehmen seit Kurzem gemeinsam: Sie sind Mitglieder in der „Exzellenzinitiative Klimaschutz-Unternehmen“. Am Dienstag wurde Feralpi in den Kreis der 36 Mitglieder aufgenommen – als erstes sächsisches Unternehmen überhaupt.

Für diese Vorreiter-Rolle konnte Feralpis Umweltbeauftragter Mathias Schreiber (kl. Foto, 2. v. l.) nun von Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD, Mitte) im Kreis der Klimaschutz-Unternehmen begrüßt werden.
Für diese Vorreiter-Rolle konnte Feralpis Umweltbeauftragter Mathias Schreiber (kl. Foto, 2. v. l.) nun von Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD, Mitte) im Kreis der Klimaschutz-Unternehmen begrüßt werden. © Elbe Stahlwerke Feralpi/Bildschön/Runge

Der Aufnahme war ein umfangreiches Prüfungsverfahren vorangegangen, erklärt Werksdirektor Frank Jürgen Schaefer. Erfahren hatte er von der Initiative durch Zufall aus der „Glückauf“, dem Unternehmensmagazin der Georgsmarienhütte. Die war mit ihrem Standort in Niedersachsen bereits in die Exzellenzinitiative aufgenommen worden.

Insbesondere die effektive Energienutzung spielte für die Jury eine Rolle. Das Verfahren, das im Riesaer Elektrolichtbogenofen eingesetzt wird, spart laut Feralpi bis zu 40 Prozent Energie gegenüber der herkömmlichen Stahlherstellung. Zudem wird im Stahlwerk die Abwärme weitergenutzt, etwa als Wärmequelle für das Reifenwerk. Die Technologien, die in Riesa zur Anwendung kommen, könnten über die Exzellenzinitiative auch weitere Verbreitung erfahren, so Schäfer. „Einziges Manko dabei ist, dass nicht jeder Industriebetrieb die Abnehmer in der Nähe hat.“ Für ein Stahlwerk auf der grünen Wiese sei die Weiternutzung der „übrigen“ Energie nicht so leicht wie in Riesa, wo noch Industrie in der Nachbarschaft ansässig ist.

Grund, sich zurückzulehnen sei die Auszeichnung als Klimaschutz-Unternehmen übrigens nicht, betont Feralpis Umweltbeauftragter Mathias Schreiber, der die Auszeichnung am Dienstag von Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries entgegengenommen hatte. „Es ist nicht damit getan, dass man einmal einen Heizkessel austauscht.“ Vielmehr seien Stahl- und Walzwerk weiterhin gefordert, weiter in Energieeffizienz zu investieren. „Im April ist schon die nächste Konferenz, und da wird dann geschaut: Was plant ihr?“, erklärt Frank Jürgen Schaefer. Bei Feralpi jedenfalls sehen die Ziele ehrgeizig aus: Gegenüber 2008 soll der Stromverbrauch bis 2020 um 14 Prozent gesenkt werden. „Das bedeutet anders ausgedrückt ein Sparvolumen von 56 Gigawattstunden pro Jahr – oder 19 000 Vier-Personen-Haushalte“, so Mathias Schreiber. Schafft das Stahlwerk seine Zielmarke, wäre also mehr als doppelt so viel Strom gespart, wie Riesas Einwohner in einem Jahr verbrauchen.“ Die eigentliche Stromersparnis in der Produktion muss sogar größer ausfallen, weil auf der anderen Seite auch im Stahlwerk zunehmend Rechner und Maschinen zur Anwendung kommen. Die erhöhen natürlich erst einmal den Stromverbrauch.

Die Auszeichnung trage natürlich auch zum Image bei, sagt der Werksdirektor, „aber es steckt eben auch etwas dahinter“. Nicht zuletzt ist es auch im Interesse des Konzerns, Energie einzusparen – schließlich werden damit auch Kosten reduziert. Potenzial für Einsparungen ist in jedem Fall noch vorhanden. So soll beispielsweise die Schrottreinigung verbessert werden, erklärt Schaefer. Wenn Bunt- und Nichtmetalle vor dem Schmelzen aussortiert werden, dann wird weniger Energie vergeudet. Außerdem soll die Wasserkühlung am E-Ofen weiter optimiert werden. Daneben sind auch ganz banale Maßnahmen im Gespräch, etwa der Umstieg auf LED-Beleuchtung. Jedenfalls dort, wo es technisch möglich ist: In der Produktion erreicht die Luft an der Decke bis zu 80 Grad Celsius – zu viel für LED-Lampen. Machbar jedenfalls ist viel, sagt Feralpis Umweltbeauftragter Schreiber. „Die technischen Möglichkeiten sind heute viel größer als früher.“