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Ministerpräsident antwortet auf Schülerprotest

Michael Kretschmer kommt zu einem Spontanbesuch ans Schiller-Gymnasium in Bautzen und verspricht zukünftig seine Hausaufgaben besser zu machen.

© Miriam Schönbach

Von Miriam Schönbach

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13. Historik Mobil

Im Zittauer Gebirge heulen am ersten Augustwochenende die alten Motoren und schnaufen die historischen Dampfrösser.

Bautzen. Michael Kretschmer (CDU) muss die letzten Schritte an diesem Morgen zu Fuß gehen. Sein Dienstwagen hängt irgendwo im Bautzener Morgenstau fest. Der sächsische Ministerpräsident will pünktlich zum Unterricht um 8 Uhr im Schiller-Gymnasium sein. Am Freitag hat er entschieden, dass er bei den Schülern kurzfristig vor seinem nächsten Termin in Görlitz vorbeischauen muss. Sie hatten vor zwei Wochen eine Online-Petition mit dem Thema „Keine Bildungssparpolitik mehr auf unsere Kosten“ auf den Weg gebracht. Ihr Kritikpunkt: Das jüngst beschlossene Handlungsprogramm gegen den Lehrermangel in Sachsen setzt die Qualität der Bildung im Freistaat aufs Spiel. Diesen Schülerprotest will Michael Kretschmer nicht unbeantwortet lassen. Stattdessen stellt er sich einer einstündigen Podiumsdiskussion. Es wird schnell klar, diese Veranstaltung ist eine Lehrstunde in Sachen Demokratie. Argumente treffen auf Gegenargumente, Rede auf Gegenrede. Für die Schüler stellt sich die Frage: Warum soll das Bildungspaket maßgeblich von älteren Lehrern getragen werden, obwohl es hauptsächlich für jüngere Lehrer lukrativ ist. Um sie in Sachsen zu halten, sollen Berufsanfänger 600 Euro mehr bekommen als die Lehrer, die älter als 42 sind. Sie wiederum sollen dagegen Prämien für „besondere Leistungen“ erhalten oder können unter bestimmten Bedingungen in eine höhere Entgeltgruppe rutschen. „Uns geht es um Ungerechtigkeiten an der Schule. Deshalb fordern wir , die finanziellen Zulagen in angemessener Höhe nachzubessern. Auch die Herabsetzung der Pflichtstunden und des Klassenteilers wären denkbar“, sagt der stellvertretende Schülersprecher Valentin Koban.

Michael Kretschmer hört zu, erklärt die Hintergründe zum Bildungspaket und – redet ehrlich Klartext. „Es gibt Schulen in der Oberlausitz, wo in den Lehrerzimmern 60 bis 70 Prozent Seiteneinsteiger sitzen. Für Zittau finden wir nicht mal einen Englisch-Lehrer. Von unseren über 2 000 ausgebildeten Lehramtsstudenten in Sachsen bleibt gerade einmal die Hälfte im Land. Wir mussten ein unschlagbares Angebot machen, was vergleichbar mit anderen Bundesländern ist“, sagt er. Die Verbeamtung sei „die eine Option“ und auch erfolgreich. 60 Lehrer hätten sich bereits gemeldet, die aus anderen Bundesländern zurück nach Sachsen kommen wollen. Parallel habe man versucht, für die Lehrer im System etwas zu machen. „Ich verstehe eure Verärgerung, will euch aber auch meine Position erklären“, sagt er. Der Freistaat gibt 1,7 Milliarden Euro, um die Lehrerversorgung vor allem auf dem Land sowie in Ober-, Grund- und Förderschulen zu sichern.

Schülersprecher Jonas Löschau fordert vom Ministerpräsidenten jedoch auch einen Blick in die Zukunft. „Das Bildungspaket gilt bis 2023. Was kommt danach?“, fragt er. Und Kretschmer weiß, dass Hausaufgaben bleiben. „Bei der digitalen Bildung sind wir in Sachsen noch keine Helden, auch die politische Bildung muss besser werden“, sagt er. Derzeit sei man dabei, alle Schulen mit schnellem Internet auszustatten. Dabei sieht er die Schulträger in der Pflicht. – Darüber hinaus brauchen Lehrerausbildung und Schule in seinen Augen dringend Reformen. „Mir schwebt eine gebundene Ganztagsschule vor, die Unterricht, Sport, Kunst unter einem Dach vereint“, sagt Kretschmer. Zum Schluss aber geht sein Lob an die Schüler: „Es ist toll, was ihr mit der Petition gemacht habt. Das ist beste politische Bildung“, sagt er.