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Ministerpräsident will B-178-Bau vorantreiben

Es gibt aber auch andere wichtige Themen, so Kretschmer. Dazu hat er mit den Redakteuren der Löbauer SZ gesprochen.

© Rafael Sampedro

Von Romy Altmann-Kühr

Löbau. Lässig wirft der Ministerpräsident das Sakko über die Schulter und blinzelt in die Frühlingssonne. „Was machen wir?“, fragt er verschmitzt. Wir trinken Kaffee und stellen viele Fragen – so wie Journalisten das gern und immer machen. – Stippvisite von Michael Kretschmer (CDU) in der Löbauer Lokalredaktion. Überraschend hat er seinen Besuch angekündigt. Denn der Ministerpräsident unternimmt in diesen Tagen eine Tour durch seinen Heimatlandkreis, um sich die Probleme anzuhören, die es vor Ort gibt, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, Unternehmen kennenzulernen. Dazu gehört für ihn auch die Redaktion der örtlichen Tageszeitung, die täglich – bildlich gesprochen – das Ohr an der Masse hat.

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Tino Frindt (rechts) zeigte Michael Kretschmer seine Produktionshalle in Schönbach. Die Brüder Frindt betreiben eine Firma für Blechbearbeitung und Schneidtechnik.
Tino Frindt (rechts) zeigte Michael Kretschmer seine Produktionshalle in Schönbach. Die Brüder Frindt betreiben eine Firma für Blechbearbeitung und Schneidtechnik. © Rafael Sampedro

Ja, die SZ liest er jeden Tag, erzählt der Ministerpräsident. Auch die Löbauer und die Zittauer Ausgabe. Früher, berichtet er von seiner üblichen Zeitungsschau, habe er sogar vier Ausgaben abonniert gehabt: die Löbauer, Zittauer, Görlitzer und Nieskyer. Jetzt wohnt er in Dresden und liest dort die Stadtausgabe. „Von meinen Parteifreunden aus dem Görlitzer Kreistag bekomme ich aber immer die Artikel mit den wichtigsten Themen aus meiner Heimatregion zugespielt.“ Und so hat er diese Woche auch darüber gelesen, was da in Schönbach los ist mit dem schnellen Internet. Oder besser, was da nicht los ist. Auf eine gute Internetverbindung nämlich warten Unternehmer und Einwohner des Dorfes schon lange. Um dieses Problem will der Ministerpräsident sich jetzt persönlich kümmern. Am Montag habe er ein Gespräch mit der Telekom, dann wird er das ansprechen, sichert er zu. Und konkret fragen, wie lange es mit dem Ausbau noch dauern soll.

Apropos Ausbau: Die neue B 178, das ist auch so eine langwierige Sache, die die Menschen im Südkreis aufregt. Kretschmer kann das verstehen, sagt er. „Es sind Fehler in der Planung gemacht worden, das muss man ganz klar zugeben.“ Er erinnert sich an einen Termin mit weiteren Politik- und Behördenvertretern auf einer Anhöhe bei Oderwitz. „Von dort konnte man gut sehen, dass das die falsche Trasse ist.“ Das könne man nun aber nicht mehr ändern. Jetzt wird mit Hochdruck daran gearbeitet, dass es vorangeht. Wie es derzeit aussieht, könnten an der Anschlussstelle bei Oderwitz 2019 die Bagger anrücken – und weitergebaut werden. „Aber“, schränkt Kretschmer ein, „wir müssen jetzt schauen, dass wir die Abläufe korrekt einhalten. Wir dürfen uns keine Fehler mehr erlauben.“ Er erklärt das anhand des Beispiels für den Ausbauabschnitt bei Weißenberg. „Die vierspurige Variante hätten wir gerichtlich nicht durchbekommen.“ Hätte man es trotzdem versucht und es wäre gescheitert, wären drei bis vier Jahre verloren gewesen. Deshalb fiel nun die Entscheidung für die reduzierte Variante mit drei Spuren. Aber: Man will weitsichtig bauen. Brücken beispielsweise sollen gleich so ausgelegt werden, dass sie perspektivisch gesehen problemlos erweiterbar sind auf vier Spuren. Bei allem Engagement, mit dem die Menschen in der Region für den Weiterbau der Schnellverbindung zur Autobahn kämpfen, sollte man aber nicht vergessen, dass es noch andere wichtige Themen in der Region gibt, betont Kretschmer.

Wirtschaft und Forschung zum Beispiel. Da gebe es im Kreis Görlitz und der südlichen Oberlausitz viel Potenzial. „Als ich eine Lehrstelle suchte“, erzählt der heute 42-Jährige, „mussten viele die Region verlassen, weil es keine Ausbildungsplätze gab.“ Das sei jetzt nicht mehr das Problem – im Gegenteil. Es gibt Perspektiven, die jungen Leute und Schüler müssten sie nur richtig wahrnehmen. Kretschmer setzt dabei auf die Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen. „Man muss den Schülern den Blick öffnen. Auch Mädchen können attraktive Berufe erlernen, man muss ihnen zeigen und erklären, welche Möglichkeiten es gibt.“ Kretschmer wünscht sich, dass sich Schulen und Unternehmen gleichermaßen in dieser Hinsicht noch mehr öffnen. Zur Unterstützung gibt es Praxisberater und Schulsozialarbeiter an den Schulen, erklärt der Ministerpräsident. Demnächst soll gemeinsam mit dem Landkreis ein Berufsschulnetzplan aufgestellt werden. Es müsse in der Region garantiert werden, dass junge Menschen in den wichtigsten Branchen vor Ort ausgebildet werden können, sagt Kretschmer.

Dass er örtliche Unternehmer unterstützen will, machte er auch mit seinem Besuch in der Beiersdorfer Firma Frindt gestern deutlich. Dort schaute er ebenfalls am Nachmittag vorbei. „Das sind die Leute, die hier vor Ort Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft ankurbeln“, lobt Kretschmer den Betrieb stellvertretend für viele Firmen. „Was Großkonzerne wie Siemens oder Bombardier mit ihren Mitarbeitern vor Ort machen, würden sich diese Mittelständler niemals erlauben.“

Die Verbindung zur Heimat ist dem Ministerpräsidenten wichtig. Diesen Eindruck hat Roland Höhne, Bürgermeister in Rosenbach. Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Sächsischen Städte- und Gemeindetages für die Region Görlitz. Dort hatte der Ministerpräsident im Zuge seiner Landkreis-Tour gestern auch an der Mitgliederversammlung teilgenommen. „Wir treffen uns zwar regelmäßig in Dresden, ich will aber auch in die Kreisverbände gehen und nehme von dort immer Anregungen mit.“ Das trifft auch auf andere Regionen zu, wie das Vogtland oder Erzgebirge. Nach dem über zweistündigen Gespräch gestern im Kreis Görlitz, so Höhne, habe Kretschmer deutlich gemacht, dass er nur gemeinsam mit den Kommunen das Land gestalten könne. Höhne macht das an drei Beispielen fest: Die neue Regierung hat die Mittel für Feuerwehren verdoppelt, zusätzlich Geld für Straßen- und Brückenbau bereitgestellt und eine Pauschale von 70 000 Euro je Gemeinde in Aussicht gestellt. „Das ist ein erstes positives Signal“, so Höhne.