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Miniwohnungen im Seniorenheim

Im Bodelschwingh-Heim in Freital entstehen bis Januar 30 Appartements für Angehörige. Nicht das einzige Angebot in der Stadt.

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© Andreas Weihs

Von Andrea Schawe

Freital. Die Idee kam eigentlich von den Angehörigen. Immer wieder gab es Anfragen, ob die Diakonie auch Wohnungen für Angehörige von künftigen Bewohnern zur Verfügung stellt, erzählt Sven Marschel, der kaufmännische Direktor des Diakonischen Werks. „Wir haben uns gefragt, was passiert, wenn ein Ehepartner ins Pflegeheim ziehen muss, der andere aber nicht stationär gepflegt werden muss und beide bisher in einer großen Wohnung leben?“ Die Diakonie arbeitet momentan am Freitaler Altenpflegeheim „Bodelschwingh“ in der Leßkestraße 2 an einer Lösung.

© Andreas Weihs

Die oberen zwei Etagen des Plattenbaus aus den 1980er-Jahren werden momentan komplett umgebaut. Sie waren seit der umfassenden Sanierung 2004 ungenutzt. „Die Stockwerke wurden im Rohbauzustand belassen“, sagt Vorstandsmitglied Sven Marschel. In der sechsten und siebten Etage des Hochhauses zwischen Windberg und Weißeritz sollen nun 30 Wohnungen entstehen, die zwischen 28 und 58 Quadratmeter groß sind. Die meisten sind Zwei-Raumwohnungen, es gibt aber auch einige Ein- und Drei-Raum-Appartments. „Die Wohnungen sind extra so angelegt, dass sie nicht riesig sind“, sagt Marschel. Ziel ist es, dass wenn einer ins Pflegeheim zieht, die Angehöhrigen in der Nähe wohnen können – das aber völlig selbstständig.

Die Einrichtung ist seit 1988 in Betrieb. Insgesamt gibt es in dem Pflegeheim bislang 243 Einzelzimmer und fünf Doppelzimmer im stationären Bereich sowie zehn Einzelzimmer in der Kurzzeitpflege. Hinzu kommen Gästezimmer.

„Die Bereiche sind komplett getrennt“, sagt Marschel. Wenn Mieter das wollen, können sie aber Leistungen, die im Bodelschwingh-Heim angeboten werden, dazu nutzen – etwa den Essensservice, den Friseur, die Physiotherapie oder ambulante Pflege. Die Wohnungen im oberen Bereich bekommen auch einen separaten Hauseingang und Fahrstuhl. „So muss man nicht durch die Bereiche der ambulanten und stationären Pflege durchgehen, wenn man nach Hause will“, erklärt Marschel.

Weitere Umbauten für Senioren

Seit März wird in den zwei Etagen gebaut. Die Arbeiter setzten neue Wände, damit die Grundrisse den Bedürfnissen von Wohnungen entsprechen, bauen die Bäder und erneuern die Fußböden und Elektrik. Auch einige Fenster wurden getauscht, weil 20 Wohnungen einen Balkon bekommen. Die werden voraussichtlich Mitte September mit einem Kran angebracht, sagt Sven Marschel. Zwei der Appartments sind für Rollstuhlfahrer geeignet, die anderen werden mit nur wenigen Barrieren ausgebaut. Sie sind etwa mit ebenerdigen Duschen ausgestattet und haben breitere Türen, sodass man sich etwa mit einem Rollator bequem von einem Zimmer zum anderen bewegen kann.

In jeder Etage gibt es einen großen Gemeinschaftsraum. „Wir wollen kein klassisches betreutes Wohnen, sondern eher ein Leben in Gemeinschaft“, erklärt Sven Marschel. Der Raum kann von allen Bewohnern genutzt werden, etwa als Treffpunkt oder für gemeinsame Feiern. Momentan werden in dem großen, komplett verglasten Zimmer mit Blick auf den Windberg noch eine kleine Küche und Toiletten eingebaut.

Es ist nicht das einzige Vorhaben in Freital, um die gestiegene Nachfrage nach Wohnungen für Senioren zu bedienen. Der Umbau des Bürogebäudes an der Coschützer Straße 8-10 zu einem Wohnhaus für Senioren hat im August begonnen. Insgesamt sind 49 seniorengerechte Wohnungen in der dritten und vierten Etage des Hauses geplant. Hinzu kommen zwei Demenz-Wohngemeinschaften für insgesamt 24 Personen in der zweiten Etage. Im ersten Stock und im Erdgeschoss richtet das Unternehmen Advita eine Intensiv- und eine Tagespflege ein. Die alte Stiftsschule an der Burgker Straße wird seit Juli zu einem Pflegehaus umgebaut. In dem Gebäude, das seit 2011 leer stand, entstehen insgesamt 50 kleine Wohnungen für pflegebedürftige Menschen. Der Neubau kann voraussichtlich im März 2017 bezogen werden. In dem Gebäude war zuletzt eine Außenstelle des Berufsschulzentrums untergebracht.

Voraussichtlich schon im Dezember sollen die Bauarbeiten im Bodelschwingh-Heim abgeschlossen sein, im Januar will die Stadtmission mit der Vermietung beginnen. Bis dahin wird außerdem noch die komplette Fassade des Hauses erneuert. „Schon jetzt ist die Nachfrage nach den Wohnungen groß“, sagt auch Silvio Griebsch, der Leiter des Hauses.