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„Mir haben sich die Nackenhaare aufgestellt“

48 Stunden lang hielt ein Blindgänger Sprengmeister Holger Klemig auf Trab. Jetzt ist die Bombe in Zeithain – und könnte zum Exponat werden.

© Sebastian Schultz

Dresden/Zeithain. Die Bombe, die vergangene Woche in Dresden eine Evakuierung Tausender Menschen auslöste, ist bereits in der Kampfmittelbeseitigungsanlage Zeithain angekommen. Oder besser gesagt, die Metallreste, die davon übrig sind. Eine Gefahr gehe von ihr nicht mehr aus. Was mit der Bombe passiert, ist noch unklar – vielleicht wird sie sogar zu Anschauungszwecken behalten, heißt es aus dem sächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienst. Sie wird definitiv noch lange in Erinnerung bleiben. Für Sprengmeister Holger Klemig war diese 219. erfolgreiche Bombenentschärfung eine der schwierigsten seiner Laufbahn. Die SZ sprach mit dem 56-Jährigen, der in der Nähe von Riesa wohnt, über den Einsatz.

Holger Klemig arbeitet seit etwa 25Jahren beim Kampfmittelbeseitigungsdienst und entschärfte mehr als 200Bomben.
Holger Klemig arbeitet seit etwa 25Jahren beim Kampfmittelbeseitigungsdienst und entschärfte mehr als 200Bomben. © Ronald Bonß

Herr Klemig, das war eine aufwendige Aktion. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

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Ja, das kann man so sagen. Das Wesentliche ist, dass es keine Personenschäden gab. Auch über alles andere bin ich nicht unglücklich. Ein bisschen Ruß an einer Wand, ein bisschen brennendes Papier – das Ganze ist glimpflich ausgegangen.

Was war an diesem Einsatz besonders kompliziert?

Beim Entschärfen bestand das Problem darin, dass sich der mechanische Aufschlagzünder nicht verhalten hat wie üblich. Weil die Nadel bereits im Zündhütchen steckte, gab es Schwierigkeiten. Das hätte zu einer Detonation führen können. Wir mussten die Aktion abbrechen und uns eine neue Strategie überlegen.

Wie sind Sie also vorgegangen?

Um Sprengschäden zu vermeiden, haben wir die Bombe noch mehr abgesichert. Zum Beispiel durch die Wand aus Nizzasperren. Wir haben dann eine sogenannte Fangentschärfung durchgeführt. Deshalb konnte man es zweimal knallen hören. Beim ersten Mal war das der Schuss mit der Raketenklemme. Die Klemme wurde in Rotation versetzt und so der Zünder herausgedreht. Dann gab es einen zweiten Knall; die Teildetonation der Bombe. Gelöscht haben wir mit einem Löschroboter aus Leipzig, also im Prinzip unbemannt.

Wie gefährlich war denn diese Bombe eigentlich?

Das war eine Fliegerbombe englischer Bauart mit dem Kaliber 250 Kilogramm. Die Sprengkraft dieser Bombe ist schon beachtenswert. Wie viel da hätte passieren können, darüber könnte ich nur spekulieren.

Warum ist die Bombe denn nicht explodiert, als sie abgeworfen wurde?

Das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht wurde sie sabotiert, vielleicht war sie vereist. Auch kann die Sprengmischung verkehrt gewesen sein. Es handelte sich auf jeden Fall um ein mechanisches Problem.

Wohin kommt die Bombe jetzt?

Die wird nun in den Kampfmittel-Zerlegungsbetrieb in Zeithain gebracht.

Und wie geht es Ihnen nach diesem Einsatz?

Jetzt, wo das alles vorbei ist, geht es mir besser. Das war meine 219. erfolgreiche Entschärfung, aber zwischendurch haben sich meine Nackenhaare aufgestellt. Nach der Entschärfung habe ich mir erst einmal eine Zigarre gegönnt.

Das Gespräch führte Theresa Hellwig.