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Deutschland & Welt

Missbrauchsfall Münster wird immer größer

In NRW wird ein Missbrauch nach dem anderen aufgedeckt. 180 Polizisten rückten jetzt in vier Bundesländer aus. Es gibt auch neue Verdächtige.

30.06.2020, Nordrhein-Westfalen, Aachen: Polizeifahrzeuge stehen bei einer Durchsuchung im Zusammenhang mit einem Missbrauchskomplex vor Häusern in Aachen.
30.06.2020, Nordrhein-Westfalen, Aachen: Polizeifahrzeuge stehen bei einer Durchsuchung im Zusammenhang mit einem Missbrauchskomplex vor Häusern in Aachen. © ---/dpa

Von Frank Christiansen

Düsseldorf. Im Missbrauchskomplex Münster sind am Dienstag 180 Beamte zu weiteren Durchsuchungen in vier Bundesländern ausgerückt. Drei Verdächtige seien dem Haftrichter vorgeführt und drei andere identifiziert worden, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in einer Sondersitzung mehrerer Landtagsausschüsse in Düsseldorf. Die Aktion habe in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein stattgefunden.

Es gehe um den Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, teilten die Ermittler in Münster mit. Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen 26-jährigen Mann aus Aachen und zwei 29 und 49 Jahre alte Männer aus Hannover. Gegen einen 29-jährigen Tatverdächtigen aus Heiligenhaus bei Essen, einen 36-Jährigen aus Langenhagen (Niedersachsen) und einen 52-Jährigen aus Norderstedt (Schleswig-Holstein) werden weitere Ermittlungen geführt.

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Insgesamt gebe es im Missbrauchskomplex Münster nun 21 Verdächtige, von denen zehn in Haft seien. Dieser Fall des schweren sexuellen Missbrauchs mehrerer Kinder war Anfang Juni bekannt geworden. Der 27 Jahre alte Hauptverdächtige war wegen Besitzes von Kinderpornografie zweifach vorbestraft und stand unter Bewährung. Er soll sich am zehnjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin vergangen haben. Elf Tatverdächtige aus mehreren Bundesländern waren in dem Fall festgenommen worden. Sieben von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. Sie kommen aus Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Niedersachsen und zwei aus Hessen.

Kritik an Arbeit der Behörden

SPD-Abgeordnete kritisierten in Düsseldorf, es gebe nun mehrere Fälle in NRW, bei denen Behörden Hinweise nicht weitergegeben hätten. Außerdem sei im Fall des Hauptverdächtigen von Münster ein Kind in großer Gefahr gewesen. Obwohl die Polizei bereits gegen den einschlägig vorbestraften Pädophilen ermittelt habe, sei es in dieser Zeit zu brutalen Gruppenvergewaltigungen des Kindes gekommen.

Bei dem Hauptverdächtigen handele es sich um einen IT-Administrator, der seine Datenträger hochprofessionell verschlüsselt habe, sagte Reul. Aus wenigen unverschlüsselten Dateien sei zunächst nur der Verdacht des Kinderpornografie-Besitzes, nicht des Missbrauchs erkennbar gewesen.

Der NRW-Innenminister berichtete, dass der erste Hinweis in der Sache - noch ohne konkreten Verdächtigen - im Oktober 2018 aufgetaucht sei, entdeckt bei anlassunabhängiger Suche im Internet durch Mitarbeiter des Landeskriminalamtes. Es sei aber nur um Kinderpornografie gegangen, und es seien noch 50 ähnliche Verfahren anhängig gewesen. Zudem habe es gedauert, die hochprofessionelle Verschlüsselung weiterer Datenträger zu knacken.

"NRW ist nicht das Land des Bösen"

Ein knappes Jahr später sei der spätere Hauptverdächtige in den Blick geraten. Im Mai 2019 sei bei ihm durchsucht worden. Dabei seien Hinweise entdeckt worden, dass seine Lebensgefährtin einen zehnjährigen Sohn hat. Es habe aber noch kein Missbrauchsverdacht vorgelegen. "Da hätten bereits die Alarmglocken angehen können", räumte Reul ein.

Am 15. Mai dieses Jahres sei es schließlich gelungen, die aufwendige Verschlüsselung des Laptops zu knacken. Als dort dann Hinweise auf sexuellen Missbrauch des Kindes gefunden wurden, sei binnen 48 Stunden gehandelt worden. Ein Vertreter des Justizministeriums ergänzte, der bloße Kinderpornografie-Verdacht sei nicht ausreichend gewesen, um die Bewährung des Mannes zu widerrufen und ihn zu inhaftieren.

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"NRW ist nicht das Land des Bösen", entgegnete NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) auf die Vorwürfe. "Das hier so viele Fälle bekanntwerden, liegt vor allem an dem Ermittlungsaufwand, den wir inzwischen betreiben. Diese Netzwerke gibt es schon lange, diese Subkultur ist lange gewachsen." (dpa) 

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