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Pegida schwenkt nach rechts

Er ist wieder da: Drei Wochen nach seinem Rückzug tritt der umstrittene Pegida-Gründer Lutz Bachmann wieder ins Rampenlicht.

© dpa

Dresden. Mit der Rückkehr von Pegida-Gründer Lutz Bachmann rückt die Dresdner Bewegung weiter nach rechts, kann aber längst nicht mehr so viele Menschen mobilisieren. Zur ersten Kundgebung seit Abspaltung der Gruppe um Ex-Sprecherin Kathrin Oertel versammelten sich am Montagabend nach Angaben der Polizei rund 2 000 Demonstranten vor der Dresdner Frauenkirche. Bei der letzten Kundgebung vor dem Führungsstreit waren es am 25. Januar noch mehr als 17 000 Menschen.

Demo-Montag in Dresden

Nach der Spaltung ihrer Führungsspitze hat die Pegida-Bewegung in Dresden etwa 2.000 Menschen auf die Straße gebracht.
Nach der Spaltung ihrer Führungsspitze hat die Pegida-Bewegung in Dresden etwa 2.000 Menschen auf die Straße gebracht.
Zur ersten Kundgebung nach dem Ausscheiden von Ex-Sprecherin Kathrin Oertel und fünf weiteren Angehörigen des Pegida-Organisationsteams kamen am Montagabend aber deutlich weniger Anhänger vor die Frauenkirche als zuletzt.
Zur ersten Kundgebung nach dem Ausscheiden von Ex-Sprecherin Kathrin Oertel und fünf weiteren Angehörigen des Pegida-Organisationsteams kamen am Montagabend aber deutlich weniger Anhänger vor die Frauenkirche als zuletzt.
Am Sonntag vor zwei Wochen hatte Pegida noch mehr als 17.000 Menschen in Dresden mobilisieren können.
Am Sonntag vor zwei Wochen hatte Pegida noch mehr als 17.000 Menschen in Dresden mobilisieren können.
Blick auf den Neumarkt.
Blick auf den Neumarkt.
Am Abend wurde die Beleuchtung an der Frauenkirche ausgeschaltet. Man wollte Pegida keine Kulisse geben.
Am Abend wurde die Beleuchtung an der Frauenkirche ausgeschaltet. Man wollte Pegida keine Kulisse geben.
Auch er ist da: Der Gründer der Pegida-Bewegung, Lutz Bachmann.
Auch er ist da: Der Gründer der Pegida-Bewegung, Lutz Bachmann.
Bachmann eröffnete am Mikrofon die Kundgebung. Es sei eine Schande, dass die Frauenkirche das Licht ausgemacht habe. Hier seien viele, die für den Wiederaufbau gespendet haben, sagte er.
Bachmann eröffnete am Mikrofon die Kundgebung. Es sei eine Schande, dass die Frauenkirche das Licht ausgemacht habe. Hier seien viele, die für den Wiederaufbau gespendet haben, sagte er.
Gastrednerin: Das frühere Hamburger AfD-Mitglied Tatjana Festerling
Gastrednerin: Das frühere Hamburger AfD-Mitglied Tatjana Festerling
Blick über die Menge vor der Frauenkirche.
Blick über die Menge vor der Frauenkirche.
Zahlreiche Polizeibeamte sichern wie gewohnt die Veranstaltung.
Zahlreiche Polizeibeamte sichern wie gewohnt die Veranstaltung.

Bachmann, der vor drei Wochen wegen eines „Hitler-Selfies“ und ausländerfeindlicher Äußerungen auf Facebook als Vereinsvorsitzender zurückgetreten war, trat erstmals wieder ins Rampenlicht - und verteidigte seine umstrittenen Bemerkungen. Sie seien verkürzt wiedergegeben worden, außerdem habe er Worte gewählt, von denen er sicher sei, „dass jeder, wirklich jeder von uns sie schon einmal am Stammtisch benutzt hat“. Bachmann hatte Asylbewerber unter anderem als „Gelumpe“, „Viehzeug“ und „Dreckspack“ beschimpft.

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Zu der Kundgebung, die Oertels neues Bündnis „Direkte Demokratie für Europa“ organisiert hatte, waren am Sonntag nur etwa 500 Menschen gekommen. Die Gruppierung verfolgt einen deutlich moderateren Kurs als Pegida.

Demo für weltoffenes Dresden

Auf dem nahe gelegenen Dresdner Postplatz demonstrierten nach Polizeiangaben zeitgleich etwa 400 Menschen mit Musik für eine weltoffene Stadt. Darunter war auch OB-Kandidatin Eva-Maria Stange (SPD). Sie sagte: „Ich bin heute hier auf den Postplatz gekommen, um für ein weltoffenes Dresden zu demonstrieren. Egal ob Pegida weiterhin auf die Straße geht oder nicht, das Problem verschwindet nicht von selbst und es ist wichtig, dem etwas entgegenzusetzen.“

Legida-Anhänger trotzen Verbot

Der Leipziger Ableger Legida durfte am Montag nicht demonstrieren. Die Stadt hatte den Aufmarsch wegen eines polizeilichen Notstandes untersagt, Gegenkundgebungen aber genehmigt. Als sich am Montagabend trotzdem Legida-Anhänger in der Stadt versammelten, löste die Polizei die Zusammenkunft auf und begleitete die Demonstranten zum Hauptbahnhof. Polizisten überprüften die Identitäten von rund 140 Legida-Sympathisanten. Zu einer Kundgebung unter dem Motto „Willkommen in Leipzig“ kamen laut Polizei etwa 200 Menschen.

Auch in anderen Städten gingen am Montagabend wieder zahlreiche Menschen auf die Straße, um Weltoffenheit und Toleranz zu fordern. Die Zahl der Demonstranten, die sich Kundgebungen von Pegida-Ablegern anschlossen, blieb deutlich dahinter zurück.

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