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Mit dem Gemeindebus zur Bürgermeisterwahl

Erst schließt die Gemeinde Müglitztal ein Wahllokal, dann organisiert sie eine Alternative. So richtig froh ist man immer noch nicht.

© Archiv/dpa

Von Heike Sabel

Müglitztal. Manche unken schon. Die Wahlbeteiligung wird wohl dieses Mal ganz gering. Dabei haben Bürgermeisterwahlen oft höhere Quoten als andere. Doch wenn die Müglitztaler am 9. September einen neuen Gemeindechef wählen, ist einiges anders. Es ist eine Wahl außer der Reihe, weil der zuletzt gewählte Andreas Burkhardt im März zurücktrat. Und es gibt ein Wahllokal weniger als 2015. Ausgerechnet das in der Weesensteiner Gemeindeverwaltung wurde geschlossen.

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Die Stadt Dohna, die im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft die Wahl organisiert, hatte das vorgeschlagen. Der Grund: Es gab schlichtweg keine Wahlhelfer. Rechtlich hatten sich Dohna und Müglitztal abgesichert. Trotzdem rumort es unter den Einwohnern. Schon vermuten einige Absicht: Einer der beiden Kandidaten, der zum zweiten Mal antretende Silvio Zimmel, wohnt nämlich in Weesenstein und hat da natürlich auch etliche Wähler. Die sehen die Schließung des Wahllokales besonders kritisch. Er selbst war zur Ratssitzung am Mittwoch wie fast immer anwesend und schüttelte, wieder mal, den Kopf.

Gemeinderätin Bärbel Ermer hatte nach den erbosten Reaktionen von Bürgern auf die Schließung des Wahllokals einen Kompromiss vorgeschlagen. Der Gemeindebus soll fahren. Das war gut gemeint. Doch nun zeigte sich, da steckt der Teufel im Detail. Wann soll der Bus fahren, von wo, wie oft. Und: Was ist mit den anderen, die schon immer sehen müssen, wie sie zum Wahllokal kommen? Erst ging es nur um die sonst in Weesenstein wählenden Falkenhainer, dann auch um die Crottaer und Schmorsdorfer, die seit jeher zum Wählen nach Maxen müssen. „Gleichheit für alle“ forderten am Mittwoch im Gemeinderat Dieter Piesold und Wolfgang Simmert. „Wir haben uns da selbst ein Ei gelegt“, sagte Simmert.

Der amtierende und sich zur Wahl stellende Bürgermeister Michael Neumann hielt sich raus und überließ die Leitung der Gemeinderatssitzung zu diesem Punkt der Dienstältesten Brigitte Starke. Den Wunsch eines Bürgers, etwas zu sagen, lehnte sie ab. Sie hätte den Gemeinderat fragen können, ob er Rederecht erhält. Stattdessen sagte sie: „Kein Rederecht heute.“ Damit war der verdutzte Mühlbacher zum Schweigen verurteilt.

Der Gemeinderat einigte sich nach einigem Hin und Her. Der Bus wird am Wahltag 10 und 15 Uhr von Weesenstein nach Mühlbach sowie 10.30 und 15.30 Uhr von Falkenhain nach Mühlbach und danach jeweils wieder zurück fahren. Wollen mehr mit als der Bus Platz hat, fährt er öfter. Eine Insassenversicherung für den Tag wird noch abgeschlossen. Darauf machte Dohnas Hauptamtsleiter Tilo Werner aufmerksam. Ihn ärgert an der ganzen Sache am meisten, dass es eben keine Bürger gab, die bereit waren, am 9. September als Wahlhelfer zu arbeiten. Der Wegfall des Weesensteiner Wahllokals war da eine pragmatische Konsequenz. Dass sie Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung hat, befürchtet er nicht. Der Anteil der Briefwähler würde von Wahl zu Wahl steigen.

Sein Versprechen hält Werner trotzdem: Am 14. August beantwortet er in Weesenstein Fragen zur Wahl. Wie das mit der Briefwahl funktioniert zum Beispiel und auch zum Shuttleverkehr.