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Mit dem Handy aufs Leih-Fahrrad

Der Startschuss für SZ-Bike ist gefallen. Redakteur Sandro Rahrisch hat das Dresdner Fahrradverleih-System getestet.

© André Wirsig

Von Sandro Rahrisch

Ein kräftiger Tritt in die Pedale, und los geht’s – das ist Fahrrad fahren, wie ich es bisher gekannt habe. Umso ratloser stehe ich am Großen Garten vor meinem Leihrad und drücke auf meinem Handy herum. Über das Internet will ich den Code für das Schloss anfordern. Mit drei Klicks ist das aber nicht gemacht, die Abfahrt werde ich wohl um ein paar Minuten verschieben müssen.

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500 Fahrräder können ab sofort in ganz Dresden geliehen werden. Wo gerade ein Rad frei ist, zeigt eine Handy-App.
500 Fahrräder können ab sofort in ganz Dresden geliehen werden. Wo gerade ein Rad frei ist, zeigt eine Handy-App. © André Wirsig

An Dresdens Joggingmeile befindet sich seit gestern eine von rund 100 Fahrrad-Verleihstationen der Sächsischen Zeitung. Über das Handy kann ich jederzeit sehen, wo gerade eines von 500 „SZ-Bikes“ frei ist, am Hauptbahnhof, am Goldenen Reiter, am Postplatz, am Neustädter Bahnhof oder zum Beispiel am Haus der Presse.

Das Handy-Programm vom Betreiber „Nextbike“ kann ich unter anderem im App-Store und im Google-Playstore herunterladen. Wer sich schon angemeldet hat, der könnte jetzt spontan losradeln. Er erhält den Schloss-Code in wenigen Sekunden aufs Handy, oder er ruft eine Hotline an, die Nummer steht auf jedem Rad. Ich bin allerdings neu und muss mich registrieren – Name, Adresse und Telefonnummer eingeben. Dann wird es kompliziert, denn die erste Bezahlung ist nur per Überweisung oder Kreditkarte möglich. Entscheide ich mich für die Überweisung, muss ich doch auf die Straßenbahn umsteigen, um in die Altstadt zu gelangen. Der Geldtransfer dauert nämlich mindestens einen Tag. Also rücke ich meine Kreditkartennummer heraus, gebe das Fahrradkennzeichen ein und kann das Hinterrad endlich von seiner Sperre befreien. Auf geht es in Richtung Lingnerallee!

Fahrrad abstellen, wo ich will

Der erste Eindruck: Gott sei Dank kein Kernleder-Sattel. Ich sitze weich. Die Räder sind mit einer Drei-Gang-Schaltung ausgestattet, gebremst werden kann auch mit Rücktritt. Lampen und Klingel sind ebenfalls dran. Die Fahrräder sind fabrikfrisch und erst Anfang dieser Woche von einem Leipziger Hersteller geliefert worden.

Gerade bin ich am Hygienemuseum vorbeigeradelt, vor mir sehe ich schon den Dresdner Rathausturm. So kurz vor dem Ziel würden Autofahrer jetzt wohl grübeln, wo sie ihren Wagen so günstig wie möglich parken können. Das Problem habe ich nicht: Innerhalb des 26er-Rings kann ich das Rad an jeder öffentlich einsehbaren Straßenkreuzung abstellen. Flexzone nennt das „SZ-Bike“. Ein Kfz-Betrieb tourt ständig durch die Stadt, sammelt die Drahtesel wieder ein und bringt sie an die Ausleihstellen zurück. Außerhalb der City müssen die Räder an einer dieser Stationen zurückgegeben werden. Ausleihen und abstellen, das ist in Dresden rund um die Uhr möglich.

Auf dem Radweg vorm Robotron-Gebäude ist mein grün-weißer Flitzer ein Hingucker, sogar ein Korb ist am Lenker angebracht – praktisch, damit ich das Schloss nicht verliere. Die komplizierte Anmeldung am Großen Garten ist dagegen fast schon vergessen. Zugegeben, an die fehlende Querstange zwischen den Beinen muss ich mich erst gewöhnen. Um die Abrechnung muss ich mir während des Kurztrips keine Gedanken machen. Ein elektronisches System erfasst die Fahrzeiten, die Mieträder sind alle mit einem GPS-Sender ausgestattet. Das Geld wird automatisch per Lastschrift oder Kreditkarte eingezogen. In meinem Fall ist es ein Euro – so manches Parkticket ist teurer.

Am Pirnaischen Platz klappe ich den Fahrradständer herunter. Schloss ums Hinterrad gelegt und Fahrrad übers Handy abgemeldet – weiter geht es jetzt zu Fuß.

›› Mehr Informationen unter www.sz-bike.de