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Mit dem Haus zum Sachsenfest

Kommunen präsentieren beim Tag der Sachsen ihr aktuelles Tourismusprojekt. Sie entwickeln daraus weitere Vorhaben.

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© Matthias Weber

Von Gabriela Lachnit

Darauf haben Stefan Halang und Tina Vetter seit Langem gewartet: Endlich können sie die Faltkarte zur Oberlausitzer Umgebindehausstraße präsentieren. Druckfrisch werden 30 000 Stück am Montag in Ebersbach angeliefert. Die Freude darüber ist bei den beiden Tourismus-Mitarbeitern der Stadtverwaltung Ebersbach-Neugersdorf groß.

Beim Tag der Sachsen sind Kottmar, Ebersbach-Neugersdorf, Seifhennersdorf, Großschönau, Mittelherwigsdorf, Oderwitz und Herrnhut gemeinsam als Anlieger-Kommunen der Oberlausitzer Umgebindehausstraße an einem Stand auf der Tourismusmeile vertreten. „Und das ist nicht irgendein Stand“, betont Stefan Halang. Es handelt sich hier um ein vier mal sechs Meter großes, begehbares Umgebindehaus. Das gehört den Tischlermeistern Erich Sperling und Maik Häntsch aus Neugersdorf. Gebaut worden ist es von ihnen anlässlich der 350-Jahr-Feier von Neugersdorf im Jahr 2007. Tischlermeister Sperling schildert: „Seither ist es etwa zehnmal auf- und abgebaut worden und hat bei Baumessen, der Landesgartenschau in Löbau und anderen Anlässen für unsere Firmen, aber vor allem für unsere Umgebindehausregion geworben.“ Am 30. August beginnen vier Tischler mit dem Aufbau des Hauses auf der Tourismusmeile in Löbau. Einen ganzen Tag brauchen sie dafür. Die Meile wird auf dem ehemaligen Gartenschaugelände in der Nähe des Löbauer Wassers zu finden sein.

Ausgestaltet wird das Haus durch die an der Umgebindehausstraße anliegenden Städte und Gemeinden. Stefan Halang erklärt: „Die Sachsentagbesucher sollen sich bei uns nicht nur informieren, sondern auch wohlfühlen. Dafür sorgen rustikale, gemütliche Sitzecken aus Strohballen in einem kleinen Garten, der zu jedem Umgebindehaus gehört.“ In dem Haus wird es eine Bastelecke geben. Dort können sich Sachsentagbesucher kreativ betätigen. „Das wohl Interessanteste ist dabei ein Webstuhl im Kleinformat, an dem Kinder weben können.“ Für die Großen wird eine Leseecke eingerichtet. Sie enthält reich bebilderte Lektüre über die Oberlausitzer Heimat und Ferienregion sowie Fachliteratur zum Umgebindehaus, das die Stiftung Umgebindehaus mit Sitz in Neugersdorf zur Verfügung stellt. Deren Mitarbeiter sind während des Tages der Sachsen ebenfalls im Einsatz, allerdings nicht am Umgebindehausstand. „Sie sind anderweitig eingespannt“, sagt Halang. An allen drei Festtagen finden die Besucher am Stand kompetente Ansprechpartner. Mitarbeiter aus den Verwaltungen der Umgebindehausstraßen-Anlieger und viele Ehrenamtliche sorgen dafür. Am Sonnabendnachmittag unterhält das „Eibsche Quartett“ die Besucher. Das sind vier junge Leute aus Eibau, die sich der Pflege der Oberlausitzer Mundart verschrieben haben. Ob die Standbetreuer aus den Umgebindehaus-Gemeinden ebenfalls in Mundart mit den Festgästen sprechen, werde von Fall zu Fall entschieden, sagt Halang mit einem Lächeln. Schließlich wolle man für Urlaub und mehr in der Region werben, und da müssen einen die Gäste verstehen. Das Oberlausitzer Rulln habe da so seine Tücken, weiß Halang.

Die Oberlausitzer Umgebindehausstraße ist die siebente Regionalstrecke innerhalb der Deutschen Fachwerkstraße und die einzige in Sachsen. Sie ist 112 Kilometer lang und verbindet die genannten Städte und Gemeinden. Mit diesem Tourismusprojekt stehen die Kommunen noch am Anfang. Es müsse sich entwickeln, sagt der Ebersbach-Neugersdorfer Tourismusförderer. Vor allem Genehmigungen und Finanzierungen bräuchten sehr lange, bis sie mit positivem Bescheid vorliegen. Halang nennt als Beispiel die Beschilderung der Umgebindehausstraße. Nun endlich seien die Genehmigungen für die Aufstellung der Tafeln erfolgt. Die Genehmigungen sind die Voraussetzung, um Fördermittel für die Schilder selbst zu beantragen. Frühestens im nächsten Jahr könnten die ersten stehen, sagt Halang. Sie sollen dann an markanten Punkten den Streckenverlauf der Umgebindehausstraße anzeigen. Jetzt sei man dabei, festzulegen, wo die Schilder genau stehen sollen. Davon hänge schließlich die Größe des jeweiligen Exemplars ab. Stefan Halang erklärt: „Wenn man in der betreffenden Straße 100 Kilometer in der Stunde fahren darf, muss das Schild größer sein als auf einer Strecke mit erlaubten 50, denn bei höherer Geschwindigkeit ist es schlechter zu erkennen.“

Weitere Tafeln sollen künftig an wichtigen Punkten in den Kommunen über die jeweiligen Sehenswürdigkeiten oder Besonderheiten informieren. Halang kann sich vorstellen, dass dafür sogar Apps entwickelt werden oder der Interessent über einen QR-Code mit dem Smartphone die entsprechenden Informationen in deutscher, tschechischer, englischer, vielleicht auch in polnischer Sprache abrufen kann, um zu Fuß den Ort oder die Sehenswürdigkeit zu erkunden. Weiter denkt Halang an neue Tourismusprodukte wie Pauschalangebote für spezielle Urlauber wie Biker. Das jedoch seien Ideen, die sich entwickeln müssen, schränkt Halang ein und verweist auch hier auf lange Verfahren bei Finanzierung und Genehmigung solcher Vorhaben.

Von derlei Hindernissen werden die Besucher beim Tag der Sachsen in Löbau am Stand der Umgebindehausstraße nicht viel hören. Vielmehr werden sie über die Umgebindehausregion informiert und können das in Form von Faltblättern mit nach Hause nehmen. Wenn dann künftig der eine oder andere Sachsentagbesucher wiederkommt, um hier Urlaub zu machen oder sogar eins der leeren Umgebindehäuser zu sanieren, sei das wichtigste Ziel der Präsentation bei Sachsens größtem Volksfest erreicht, so Stefan Halang.