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Mit dem Leben versöhnt

Eine olympische Goldmedaille, zahlreiche Europapokalspiele, Meistertitel: Reinhard Häfner erlebte die Sonnenseite des Fußballs. Doch harte „Genickschläge“ im Trainergeschäft führten zur Flucht in den Alkohol; Depressionen bestimmten seinen Alltag. Heute wird ein glücklicher Häfner 60 Jahre alt.

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Von Tina Hofmann

Dresden. Mit der olympischen Goldmedaille 1976 krönte Reinhard Häfner seine Fußballer-Karriere, als Trainer und Manager erlebte er Enttäuschungen und harte Rückschläge. Häfner hielt dem Druck nicht mehr stand, flüchtete sich in Alkohol, war geplagt von Depressionen. Am Donnerstag wird der einstige Mittelfeldspieler 60 - geheilt, gesund und glücklich. „An dem Tag selbst wird nur im kleinsten Kreis gefeiert, meine Tochter Romy ist da, die in der Schweiz lebt. Eine große Feier gibt es im Sommer in meiner Geburtsstadt Sonneberg“, berichtet Häfner.

Den Ruhm als Fußballer konnte Häfner in vollen Zügen genießen. Viermal wurde er DDR-Meister mit Dynamo Dresden, viermal Pokalsieger. Im Europapokal brachte er es auf 64 Partien, mit der DDR-Auswahl auf 58 Spiele. „Meine Generation hat dafür gesorgt, dass Dynamo Dresden auf die Fußball-Landkarte Europas kam“, sagt Häfner.

Von Präsident Otto gemobbt

Nicht immer kamen beim Ex-Spieler und Trainer von Dynamo Dresden die positiven Erinnerungen wie aus der Pistole geschossen. Nach dem Karriereende 1988 wechselte Häfner nahtlos in die Trainertätigkeit - und das mit Erfolg. Zusammen mit Hartmut Schade sicherte er Dynamo 1991 die Qualifikation für die erste Bundesliga, doch beide mussten gehen. Als Scout und Manager unter Rolf-Jürgen Otto wird er so lange gemobbt, bis er 1993 freiwillig um seine Vertragsauflösung bittet.

Er wird Trainer in Chemnitz, doch auch dort nach zwei Jahren entlassen. „Jeder dieser drei Genickschläge war ein Drama für sich und jeder war schwer zu verdauen, aber heute sind die Wunden natürlich ein wenig geheilt“, erzählt Häfner. Bereits im letzten Jahr beim CFC plagen ihn Depressionen. Seine Ängste und Sorgen betäubt er mit Alkohol. Häfner zieht sich aus dem Profifußball zurück. 2007 erkennt er, dass er professionelle Hilfe benötigt. „Ich habe eine Entziehungskur gemacht und mich in psychotherapeutische Behandlung begeben“, berichtet der Jubilar.

Nur im Nebenberuf noch Trainer

Seitdem geht es dem zweifachen Vater besser. Er arbeitet als Sporttherapeut in einem Dresdner Rehazentrum. „Mir geht es gut und ich bin leistungsfähig, aber die Ärzte haben mir geraten, mich keinem großen Stress mehr auszusetzen. Im Profifußball hätte ich nichts mehr verloren“, erzählt Häfner. In seinem neuen Beruf fühlt er sich wohl. „Es ist eine ganz andere Freude als früher im Fußball. Ich höre oft von den Problemen meiner Patienten oder anderer Menschen und kann auch den ein oder anderen Rat geben; das ist schön“, sagt Häfner, der nebenbei noch den Kreisoberligisten 1. FC Radebeul 1994 trainiert.

Zu den Spielen von Dynamo Dresden geht er noch regelmäßig und hofft, dass der Klub die zweite Liga halten kann. „Dynamo wird immer mein Verein bleiben. Da habe ich mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht. Ich traue der Mannschaft zu, dass sie die Position halten können. Man darf nicht zu viel erwarten, sie ist Aufsteiger“, sagt er über den aktuellen Tabellenelften. (dpa)