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Mit dem Ochsenpflug in Simbabwes lichte Zukunft

Präsident Mugabe will die Landwirtschaft in Schwung bringen – mit Steinzeit-Methoden.

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Von Frank Räther, SZ-Korrespondent in Johannesburg

Simbabwes Präsident Robert Mugabe hat einen Ausweg aus dem Agrardilemma gefunden, das er mit der Enteignung der hoch technisierten weißen Farmen angerichtet hat: Eine halbe Million Ochsenpflüge und -karren sollen her, ließ er seinen Zentralbankgouverneur und engsten Wirtschaftsvertrauten Gideon Gono verkünden, um die Landwirtschaft des hungernden Volkes wieder zu entwickeln.

Der Plan: In 62 Distrikten des Landes sollen Technische Schulen errichtet werden, die diese Uraltvehikel entwickeln und produzieren. „Dies schafft Arbeitsplätze für Jugendliche und unterstützt die landwirtschaftliche Produktion“, strahlt Gono. Kein Wort verliert er darüber, was mit all den konfiszierten Traktoren der weißen Ex-Farmer geschehen ist. Diese hatten einst jährlich 1600 Traktoren gekauft. 2003 sank dies auf ganze acht.

Seitdem gibt es keine Zahlenangaben mehr. Die meisten landwirtschaftlichen Geräte wurden von Mugabes Banden bei der Landbesetzung zerstört oder die sich mit Farmen versorgenden Politiker rissen sie sich unter den Nagel. Doch da die Devisen für die Ersatzteilbeschaffung fehlen, stehen nun die meisten Traktoren nutzlos rum.

Das gleiche geschah mit den meisten Bewässerungsanlagen. Daher mutet es nun seltsam an, wenn Gono mitteilt, dass 350000 Hektar Land für ein „beschleunigtes nationales Bewässerungs-Entwicklungsprogramm“ auserkoren wurden. Erst Anfang Mai war die Elektrizitätsversorgung auf lediglich vier Stunden am Tag gekürzt worden, weil angeblich der Strom für die wenigen vorhandenen Bewässerungsanlagen benötigt werde.

Mugabes Wirtschaftszauberer verkündet weiter: „Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, Mais und Weizen zu importieren und die wenigen Devisen die wir haben, dafür verschwenden.“ Das Problem ist nur, dass Mitte Mai nur ein Zehntel der Weizen-Felder bestellt war, weil den Farmbesetzern sowohl landwirtschaftliche Kenntnisse fehlen als auch das Geld für Saatgut oder Düngemittel. Einst Weizen- und Maisexporteur, ist Simbabwe zum Hungerland geworden. Eine Million Tonnen Mais und 300000 Tonnen Weizen werden dieses Jahr fehlen. Drei Millionen Menschen überleben seit Jahren nur, weil sie von ausländischen Hilfsorganisationen ernährt werden.

Die meisten Simbaber können sich höchstens noch eine Mahlzeit am Tag leisten, da 80 Prozent keinen Job haben und sich die Lebensmittelpreise inzwischen jeden Monat verdoppeln. 1,7 Millionen Zimbabwe-Dollar sind nötig, um eine durchschnittliche fünfköpfige Familie im Monat zu ernähren. Doch vier von fünf Simbabwern haben nicht soviel. Eine Krankenschwester verdient gerade einmal die Hälfte. Und die Jahresinflationsrate liegt bei sagenhaften 3714 Prozent.