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Mit dem Panzerbagger auf Munitionssuche

Schon zweimal explodierten im brandenburgischen Neuhausen Überbleibsel aus dem Krieg. Niemand weiß, was die Erde noch verbirgt.

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Von Peter Jähnel

Neuhausen. Die Mission ist hochgefährlich: Ein gepanzerter Bagger wühlt sich am Ortsrand von Neuhausen in Brandenburg durch einen Bombentrichter. Darin wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Sprengkörper vergraben. Nach zwei Explosionen an einer Landstraße in der vergangenen Woche wird seit gestern intensiv nach weiterer Munition gesucht. „Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommt“, sagt der Technische Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, Horst Reinhardt. Der Schock sitzt bei vielen Ortsansässigen noch Tage nach den enormen Explosionen tief. Zum Glück wurde niemand verletzt oder getötet. Die nächsten Häuser stehen weit genug entfernt. Auf beiden Seiten der Straße, die an dem Krater vorbeiführt, versperren nun Metallzäune mit rot-weißen Flatterbändern den Weg – und den näheren Blick auf die Unglücksstelle.

In dem 400-Einwohner-Ort ist keine Menschenseele zu sehen. Im letzten Haus vor dem Sperrgitter wohnt Reinhard Buder. Der 60-Jährige kann sich gut an die erste Explosion am vergangenen Mittwoch erinnern. „Das war wie ein Erdbeben, das ganze Haus wackelte“, beschreibt der Mann die Wucht der Detonation. „Mein Sohn Thomas ging gerade mit seinem Hund dort auf der Landstraße spazieren, als er eine meterhohe Sandfontäne in den Himmel spritzen sah.“

Der 37-Jährige sei der einzige Augenzeuge gewesen, er habe sofort die Behörden informiert und die Straße gesichert, die sich abgesenkt hatte. Am Samstag krachte es dann noch einmal in dem Trichter, wieder ging es glimpflich ab. „Ich mache mir Sorgen, ob hier nicht noch weitere Bombentrichter mit Munition sind“, sagt der Vater.

Bürgermeister Dieter Perko (CDU) hofft, dass die Munitionssuche nicht allzu lange dauert: „Spätestens am Freitag wollen wir hier alles abbauen und den Weihnachtsfrieden herstellen.“ Vor dem Einsatz des mit dicken Stahlplatten ausgestatteten Spezialbaggers mussten Bäume gefällt werden. Eine Stromleitung wurde extra verlegt. Bei den Arbeiten wurde eine Wasserleitung beschädigt. Einige Grundstücke müssen nun zunächst ohne Wasser auskommen.

Ein Sprengmeister gibt aus sicherer Entfernung – von einem Stahlcontainer aus – dem Baggerfahrer Arbeitsanweisungen. Der Spezialist in der mit Panzerglas gesicherten Kabine bewegt den Greifarm, um mit der Baggerschaufel die Erde des Kraters vorsichtig abzutragen. Die Stelle liegt auf einer Spree-Insel, nicht weit vom einst heftig umkämpften Flugplatz und der Bahnlinie Berlin–Görlitz entfernt. Wegen Lebensgefahr ist das Gelände um den Bombentrichter im Umkreis von Hunderten Metern abgesperrt.

„Während der Suche müssen zwölf Bewohner in zwei Mehrfamilienhäusern ihre Wohnungen verlassen“, sagt Bürgermeister Perko. „Die meisten von ihnen sind auf Arbeit, für einige andere haben wir Ferienbungalows am Spremberger Stausee bereitgestellt.“ Bei Einbruch der Dunkelheit sollen die Betroffenen wieder in die Häuser zurückkehren können. (dpa)