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Mit dem Rad nach Spanien

Ein Oberfrauendorfer wollte es mit 72 noch mal wissen. Auf der Tour seines Lebens traf er ungewöhnliche Menschen.

© privat

Von Maik Brückner

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Oberfrauendorf. Diese Fahrt lässt ihn nicht mehr los. „Noch eine Woche später träume ich von meiner Radtour nach Santiago“, sagt Heinz Proft. „Es war meine Traumreise.“ Immer wieder hat er dazu Anlauf genommen. Nun hat er sie verwirklicht.

Bilder der Tour

Die Idee, von Oberfrauendorf in den Westen Spaniens zu radeln, kam ihm nach der Lektüre eines SZ-Beitrages. In dem erzählte der Glashütter Gerd Täubrich, wie und warum er zu einer Radtour in den berühmten Pilgerort aufgebrochen ist. Hape Kerkelings Buch „Ich bin da mal weg“ hatte Heinz Proft da bereits gelesen. Anfang des Jahres fasste der Oberfrauendorfer den Entschluss. „Man wird nicht jünger“, sagte sich der agile 72-Jährige. Er sei zwar evangelisch, doch aus religiösen Gründen wollte er diese Tour nicht machen. Es sei die Abenteuerlust gewesen. „Einfach was erleben und Rad fahren, und das mit fast 73.“

Damit er seine Tour in Ruhe angehen konnte, sagte Proft, der auch als Alleinunterhalter arbeitet, alle Termine ab. Er kaufte sich ein robustes Fahrrad und startete mit 18 Kilo Gepäck am 17. Mai von seinem Heimatdorf nach Zinnwald. Von hier ging es quer durch Tschechien nach Nürnberg und Öttingen. Dort wollte er unbedingt hin, weil hier ein Pilgerweg startet. „In Öttingen holte ich mir meinen Pilgerpass“, sagt Proft. Dann ging’s weiter zum Bodensee, durch die Schweiz nach Genf, durch Südfrankreich bis zu den Pyrenäen, durch Nordspanien nach Santiago. Am Ende standen 3 200 Kilometer auf seinem Tacho. Die bewältigte er in Tagestouren, die zwischen 80 und 140 Kilometern lang waren. „Ans Abbrechen habe ich nur einmal gedacht“, erinnert sich der Oberfrauendorfer, der sich mit Radfahren und Gymnastik fit hält. „Einmal hat es vier Tage nacheinander geregnet, zwischendurch ging es in die Berge, und am letzten Tag hatte ich noch Gegenwind.“ Das sei echt hart gewesen. Glücklichweise hat sich solch eine Situation später nicht mehr wiederholt, wenngleich es nicht wenige Berge gab, wo er bergauf schieben musste. „Doch danach ging es immer runter.“ Gesundheitlich hat er die Fahrt bestens überstanden. „Ab und zu tat mir der Hintern weh“, erinnert sich die Frohnatur. Unvergesslich blieben nicht nur die Landschaften, sondern die Begegnungen mit den Menschen. Wenn einer nicht Deutsch sprach, versuchte er es mit Englisch. Wenn das nicht reichte, „setzte ich Füße und Hände ein“. Irgendwie habe es immer geklappt. „Alle Menschen waren nett, bis auf ein paar Ausnahmen“. Viele bewunderten ihn, hoben den Daumen, als sie von seinen Plänen erfuhren. Radfahrer hat er auf seinem Weg nur wenige getroffen. Die meisten pilgern zu Fuß. „Ich habe aber auch Bauern aus Bayern getroffen, die sich mit einem Traktor und einem Wohnanhänger auf den Weg gemacht haben.“

Besonders beeindruckt war er von einem hilfsbereiten Gastgeber. Das war fast eine Fügung. Denn die hinteren Bremsbelege waren runter. Ein Fahrradladen war weit und breit nicht in Sicht. Der Herbergsvater lud das Rad auf und brachte ihn kurzerhand zu einem Fahrradladen. Unglaublich, diese Hilfsbereitschaft, schwärmt Proft noch heute.

Nach 25 Tagen im Sattel erreichte er am 10. Juni Santiago de Compostela. „Das war beeindruckend.“ Als er die berühmte Kathedrale sah, hatte er Freudentränen in den Augen. „Für einen leidenschaftlichen Radfahrer ist diese Tour die Krönung.“